Die gelbe Tonne : Ab in die Einheitstonne!

<fettakgl>Die Gelbe Tonne</fettakgl> ist bislang für Verpackungen mit Grünem Punkt vorgesehen. Foto: dapd
Die Gelbe Tonne ist bislang für Verpackungen mit Grünem Punkt vorgesehen. Foto: dapd

Peter Altmaier kann schon wegen seiner körperlichen Konstitution eigentlich nicht von Lobbyinteressen zerrieben werden. Der Umweltminister packt nun ein heißes Eisen an, die Einführung einer bundesweiten Wertstofftonne.

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19. Juli 2012, 11:38 Uhr

Berlin | Peter Altmaier kann schon wegen seiner körperlichen Konstitution eigentlich nicht von Lobbyinteressen zerrieben werden. Der Umweltminister packt nun ein heißes Eisen an, die Einführung einer bundesweiten Wertstofftonne. Altmaier hat Vorschläge erarbeiten lassen, wie der Geist in diesem Bereich wieder in die Flasche zu bekommen ist. Denn längst gibt es bundesweit Wildwuchs. Wertstoffe sind hoch lukrativ, private wie kommunale Entsorger sind mit eigenen Tonnen vorgeprescht.

Die jetzige Verpackungsverordnung erlaubt bereits die Einführung einer Wertstoffsammlung, doch es fehlen bisher klare Regeln. Altmaier will nun eine bundesweit einheitliche Wertstofferfassung. Weil aber mit dem im Juni in Kraft getretenen neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz eine verbindliche Getrenntsammlung von Biomüll, Papier und Glas ab 2015 bundesweit verankert worden ist, will der Minister keine weitere Tonne, sondern die bestehenden Systeme mit Gelber Tonne oder Gelbem Sack erweitern. Bis 2013 soll ein Gesetz stehen. Für Verbraucher soll es dadurch mehr Klarheit beim Mülltrennen geben.

Wie bisher sollen Verpackungen in die Tonnen wandern. Künftig könnten aber überall auch Dinge wie Plastikspielzeug oder Bratpfannen darin gesammelt werden, die bisher meist im Restmüll landen und verbrannt werden. Künftig könnten sieben Kilo pro Einwohner und Jahr zusätzlich dem Recycling zugeführt werden, schätzt das Bundesumweltministerium.

Doch die wichtigste Frage bleibt zunächst ausgeklammert und soll in den nächsten Wochen im Dialog mit allen Beteiligten geklärt werden: Wer bekommt den Zugriff auf die Wertstoffe? Während die Kommunen meist die Verbrennungsanlagen besitzen, haben die privaten Entsorger Sortiersysteme aufgebaut.

Städte und Gemeinden haben die Pflicht, den Restmüll zu entsorgen. Sie pochen darauf, dass die privaten Entsorger sich nicht die Rosinen rauspicken und den Reibach machen. Denn die gesamte Recyclingbranche macht bereits rund 50 Milliarden Umsatz, die Einfuhr von Rohstoffen kann seit Jahren durch die Wiederverwertung stark gemindert werden. Patrick Hasenkamp, Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), betont: "Wir wollen ein verbraucherfreundliches System. Denn die Bürger sind unsere wichtigsten Partner in Sachen Mülltrennung." Die Kommunen könnten den Bürgern ein System aus einer Hand bieten, argumentiert er.

Vielerorts werden indes längst andere Erfahrungen gesammelt. In rund 35 Städten gibt es bereits Wertstofftonnen oder Pilotversuche. In Berliner Bezirken wie Kreuzberg steht in den Hinterhöfen eine orangene Wertstofftonne der Berliner Stadtreinigung (BSR), wo Bürger auch Holz, Mixer oder Computertastaturen entsorgen. In anderen Stadtteilen greift der private Entsorger Alba, der bereits 3,2 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr macht, über eine gelbe Tonne Plus zusätzliche Wertstoffe ab.

2004 war dieses Modell in Leipzig von Alba zusammen mit der Stadt eingeführt worden, weil so die Restmüllmenge gesenkt werden konnte, sagt eine Sprecherin. In Berlin hat man sich nun geeinigt: Die bestehenden BSR- und Alba-Tonnen bekommen künftig einen einheitlichen Aufkleber. Gesammelt werden Verpackungen, Metalle und Kunststoffe. 85 Prozent des Materials aus der Wertstofftonne sollen den Dualen Systemen zugutekommen, 15 Prozent der BSR. Nach diesem Verteilschlüssel erfolgt auch die Aufteilung der Abfuhrgebiete, Sortierkosten und der Erlöse aus dem Verkauf der Wertstoffe. Der ab 2013 geltende Kompromiss könnte Modellcharakter haben.

Eine Hoffnung der privaten wie kommunalen Rohstoffjäger macht Altmaier mit seinen Plänen aber zunichte. Ausgediente Handys sollen nicht in die bundesweite Wertstofftonne. Gerade in Elektroschrott stecken wertvolle Rohstoffe. Auf die unzähligen Altgeräte in deutschen Schubladen und Abstellkammern hätten die Entsorger gern besseren Zugriff. Für den früher unnützen Müll und die darin versteckten Profite hat sich in Fachkreisen längst ein eigenes Modewort etabliert: "Urban Mining". Frei übersetzt könnte man sagen: Die Stadt als große Rohstoffmine.

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