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Widerstand bei Autobahnbau : A 14: Großprojekt gerät ins Wanken

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Seit mehr als zehn Jahren ist der Bau der A 14 ein Thema in der Prignitz. In diesem Jahr schocken Pläne zu einer veränderten Trassenführung bei Wittenberge. Niemand weiß, wann und ob es die A 14 durchgängig wird.

Prignitz | Seit mehr als zehn Jahren ist der Bau der A 14 ein Thema in der Prignitz, bringen sich Befürworter und Gegner in Stellung. In diesem Jahr schocken Pläne zu einer veränderten Trassenführung bei Wittenberge betroffene Lindenberger und Bentwischer. Am Jahresende bläst der BUND zum Generalangriff auf den Bau. Niemand weiß derzeit verbindlich zu sagen, wann und ob es die A 14 durchgängig von Magdeburg bis Schwerin geben wird.

Wohnen direkt an der Trasse

Eigentlich sollte die A 14 im Bogen um die Ortsteile Lindenberg und Bentwisch herumführen. So war es den ausgelegten Karten im Planfeststellungsverfahren zu entnehmen. Doch auf einmal gibt es Überlegungen, die Autobahn auf dem etwa 150 Meter breiten Geländestreifen zwischen den beiden Orten Richtung Bahnlinie Wittenberge-Schwerin zu bauen. Die Empörung der betroffenen Bewohner ist groß. "Lindenberg und vor allem die Gartensiedlung würden total an Lebensqualität verlieren", sagt Ortsvorsteher Karl-Heinz Brüdigam. Seine Kollegin Karin Zeida ist empört, eine solche Trassenänderung überhaupt in Betracht zu ziehen: "Ganz Bentwisch verliert an Lebensqualität. Es ist menschenunwürdig, so etwas zu planen." Unserer Zeitung liegen Informationen vor, dass diese Trasse sogar den Abriss von Wohnhäusern bedeuten könnte. Auch Bürgermeister Dr. Oliver Hermann steht diesen Plänen ablehnend gegenüber: "Die Stadt kann sie in dieser Form nicht mittragen."

Dass die Planer die neue Trassenführung in Betracht ziehen, hat mit einem Einspruch des BUND zu tun. Der lehnt die bisherigen Pläne ab, nach denen die A 14 die Silge und den Bereich mit dem dort verlaufenden Scheidbach unzulässig zerschneiden würde. Aber gerade das verstoße gegen ein Fachgutachten, das die Autobahnplaner selbst in Auftrag gegeben hätten, erklärt Wilfried Treutler, Kreisvorsitzender des BUND.

Zeitplan völlig aus dem Ruder

Die Trassenführung ist längst nicht die einzige offene Frage. Unserer Zeitung erfährt, dass für den Abschnitt Wittenberge-Karstädt gar kein Baubeginn absehbar ist. Auch die bereits zugesagten EU-Mittel fließen nicht, denn fest steht: Der Abschnitt ist nicht mehr für eine Förderung mit EU-Mitteln bis zum Jahr 2015 vorgesehen, bestätigt das Bundesverkehrsministerium. Diese erhebliche Zeitverzögerung steht in direktem Zusammenhang mit den Plänen, die Trassenführung zu ändern. Wann es also einen Planfeststellungsbeschluss und damit Baurecht geben wird, ist offen.

Stimmen mehren sich, die den mehrspurigen Ausbau der B 189 ins Gespräch bringen. Das sei preiswerter und schneller zu realisieren, als die Autobahn. Vertreter aus der Wirtschaft lehnen das jedoch ab. Für sie zähle nur eine Autobahntrasse. Auch eine Baulücke im Bereich Wittenberge sei für sie nicht akzeptabel.

Wie es überhaupt weitergeht mit dem Trassenbau ist seit Dezember noch ungewisser denn je. In Magdeburg stellt der BUND ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten vor, das die gesamte bisherige Planung und die Grundlage, auf denen sie erfolgte, ins Wanken bringt. Danach wäre die A 14 nicht genehmigungsfähig. Sowohl die prognostizierte Verkehrsdichte als auch die Bevölkerungszahlen seien laut diesem Gutachten falsch.


Gutachter kontra Gutachter

Da sie aber die Grundlage für den Autobahnbau und die beantragten EU-Fördermittel dienen, hat der BUND Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht. Es geht um 327 Millionen Euro Fördergeld. Sollte die Kommission dem BUND recht geben, drohten eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, Strafzahlungen oder die Rückzahlung von Fördergeldern, sagt Sachsen-Anhalts BUND-Landesgeschäftsführer Oliver Wendenkampf.

Unter anderem war das BUND-Gutachten zu dem Schluss gekommen, dass der Verkehr im Bereich Arendsee um 402 und bei Grabow um 250 Prozent zunehmen müsste, um die prognostizierten Zahlen zu erreichen. Das jedoch sei völlig unrealistisch.

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erstellt am 31.Dez.2011 | 02:21 Uhr

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