Digitalisierung : Zukunftsrunde spart Tariflöhne aus

Brachte 20 Millionen Euro Qualifizierungshilfe für MV mit: der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig beim Zukunftsbündnis
Brachte 20 Millionen Euro Qualifizierungshilfe für MV mit: der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig beim Zukunftsbündnis

Bündnis der Sozialpartner verabredet bessere Berufsbildung und Qualifizierung, lässt aber Forderung nach besserer Bezahlung fallen

svz.de von
04. März 2019, 20:00 Uhr

Büffeln für die digitale Zukunft: In MV soll angesichts des drohenden Fachkräftemangels die Ausbildung des Berufsnachwuchses und die Qualifizierung der Beschäftigten in den Unternehmen verbessert werden. In einem gestern im Zukunftsbündnis beschlossenen Zehn-Punkte-Plan haben die Sozialpartner und die Landesregierung u. a. den Aufbau zweier Kompetenzzentren Arbeit 4.0 im West- und Ostteil des Landes verabredet. Damit solle den Unternehmen bei der Weiterbildung des eigenen Personals geholfen und den Beschäftigten die Angst vor der Digitalisierung genommen werden, erklärte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) gestern im Anschluss an das Spitzentreffen. So soll an einem Weiterbildungstag die Öffentlichkeit stärker über Qualifizierungsangebote informiert werden. In MV brauche es eine neue Weiterbildungskultur, um die Herausforderungen durch die Digitalisierung zu meistern, forderte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Landesarbeitsagentur. Für entsprechende Angebote stünden in MV 20 Millionen Euro bereit.

Schülerfirmen sollen unterstützt werden

Die Suche nach geeignetem Fachpersonal bringt die Wirtschaft indes an Grenzen: In den kommenden zehn Jahren würden im Land 170 000 Beschäftigte weniger zur Verfügung stehen, meinte DGB-Chef Uwe Polkaehn: Dramatisch, aber nicht ängstigend, wenn gegengesteuert werde.

Besserung verspricht der Zukunftsplan auch in der Berufsbildung: Fehlende Lehrer, Ausfallstunden, mangelhafte Fachausbildung – die sich verstärkenden Missstände an den Berufsschulen hatten immer stärker Kritik aus der Wirtschaft und von Gewerkschaften hervorgerufen. Bis zum kommenden Jahr sollen nun erste Prüfergebnisse vorgelegt werden, wie die Berufsschulen in ihrer derzeitigen Struktur erhalten bleiben könnten. Mit dem Aufbau von Jugendberufsagenturen wolle man zudem mehr Bildungsangebote unterbreiten. Auch sei vereinbart worden, die Finanzierung von Schülerfirmen fortzusetzen. MV brauche eine gute berufliche Bildung, um die Fachkräfte zu sichern, meinte Schwesig. Die Berufsschulen dürften nicht das fünfte Rad am Wagen der Bildungspolitik sein. Die Arbeitsagenturen würden das Berufswahlspektrum erweitern, die Berufsfrühorientierung schon in Klasse 8 statt bisher 9 beginnen und an den Gymnasien verstärken, kündigte Haupt-Koopmann an.

Dialog mit Arbeitgebern suchen

Die neue Zukunftsrunde war die erste nach einer gut zweijährigen Unterbrechung der Gespräche in dem 1998 auf dem Höhepunkt der Arbeitsmarktkrise aufgelegten Bündnis für Arbeit in MV. In diesem Jahr solle es noch eine weitere Runde geben, kündigte Schwesig an. Während seinerzeit vorrangig Vereinbarungen zum Abbau der Arbeitslosigkeit getroffen worden waren, steht jetzt die Sicherung des Fachkräftebedarfs im Land im Mittelpunkt der Gipfeltreffen. Allerdings: Die Steigerung der Tarifbindung – einst eine der wichtigsten selbst gesetzten Bündnisaufgaben und noch heute für eine höhere Attraktivität des Beschäftigungsstandortes MV entscheidend – haben die Partner auf Druck der Arbeitgeber in der neuen Runde unter den Tisch fallen lassen. Das Thema solle das Bündnis nicht weiter belasten, meinte DGB-Chef Polkaehn. Man wolle aber weiter den Dialog mit den Arbeitgebern suchen. Fast 30 Jahre nach der Wende bleibe die Mauer zwischen Löhnen in Ost und West einer der größten Standortnachteile, sagte Polkaehn. Die Löhne im Osten würden teilweise noch immer 20 Prozent unter West-Niveau liegen. Nach wie vor gilt nur in 23 Prozent der Betriebe in MV ein Tarifvertrag, der höhere Löhne sichert.

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