Kinderbetreuung in MV : Zu wenig Kita-Personal

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Linke fordert mehr Erzieherinnen für Kindertageseinrichtungen

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30. Juni 2019, 20:00 Uhr

Die Linke hat ihre Forderung nach deutlich mehr Erzieherinnen für Krippen und Kitas in Mecklenburg-Vorpommern erneuert und die geltenden Personalschlüssel als zu niedrig kritisiert. Das Personal sei so auf Kante genäht, dass durch Urlaub, Krankheitsfälle oder Fortbildung fehlende Erzieher meist nicht ersetzt werden könnten.

Mit dem aktuell gültigen Personalschlüssel ist eine gute Bildung in den Kindertageseinrichtungen nicht möglich. Hier muss dringend nachgebessert werden. Landtagsabgeordnete Jacqueline Bernhardt (Linke)
 

Aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion geht hervor, dass die meisten Landkreise rechnerisch 1,1 Vollzeitfachkräfte ansetzen, um Teilzeitbeschäftigung und Ausfälle auszugleichen. Im Landkreis Nordwestmecklenburg wird demnach eine Spanne von 1,1 bis 1,46 eingeräumt, in der Seenplatte liegt der Berechnungsschlüssel bei 1,2, in Vorpommern-Rügen bei 1,25. „Geht man von 1,1 Vollzeitfachkräften in der Krippe aus, was insgesamt 44 Wochenarbeitsstunden entspricht, ist noch nicht einmal ein Ganztagsplatz im Umfang von 50 Stunden pro Woche abgedeckt“, rechnete Bernhardt vor. Nach ihren Angaben würde eine Erhöhung des Personalschlüssels auf 1,45 die Einstellung von landesweit 5000 zusätzlichen Fachkräften erfordern.

Investitionen in Qualität der Kinderbetreuung gefordert

Aktuell ist in Mecklenburg-Vorpommern laut Gesetz eine Erzieherin für 15 Kindergartenkinder verantwortlich, bei Kleinkindern in Kitas sind es 6. Neben diesem Betreuungsschlüssel stellt der Personalschlüssel die zweite Säule der Personalbemessung dar. Wohlfahrtsverbände fordern laut Bernhardt Personalschlüssel von 1,66 in Krippen und 1,88 für Kitas.

Erst Mitte Mai hatten Erzieher vor dem Landtag in Schwerin demonstriert und kleinere Kindergruppen und die Einstellung zusätzlicher Fachkräfte gefordert. Gewerkschaften und Verbände kritisieren immer wieder, dass die Landesregierung zwar viel Geld aufwende, um die Elternbeiträge ab 2020 abzuschaffen, aber zu wenig in die Qualität der Betreuung investiere.

In bundesweiten Vergleichsstudien wird Mecklenburg-Vorpommern bei den Betreuungsschlüsseln als Schlusslicht geführt. Nach Ansicht der Landesregierung gibt das aber nicht die tatsächliche Situation wieder. Würde Mecklenburg-Vorpommern die von der Bertelsmann Stiftung empfohlenen Schlüssel von 1 zu 3 in Krippen und 1 zu 7,5 in Kindergärten umsetzen, müssten laut Stiftung allein im Kitabereich 6700 zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden. Die damit verbundenen Kosten würden sich auf 316 Millionen Euro im Jahr belaufen.

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