Spendenaktion Wünschewagen : Das Glück steckt im Softeis mit Streuseln

Der Rostocker Henry Domke redet oft mit Freunden über seine  Wünschewagen-Fahrten und über die Kranken, die oft nur noch wenige Tage zu leben haben. Er tut es absichtlich. Der Tod soll kein Tabuthema sein, meint er. Nach den Touren hilft ihm sein Hund dabei, den Kopf frei zu kriegen.
Der Rostocker Henry Domke redet oft mit Freunden über seine Wünschewagen-Fahrten und über die Kranken, die oft nur noch wenige Tage zu leben haben. Er tut es absichtlich. Der Tod soll kein Tabuthema sein, meint er. Nach den Touren hilft ihm sein Hund dabei, den Kopf frei zu kriegen.

Der Rostocker Henry Domke gehört zu den jüngsten Ehrenamtlern beim ASB-Wünschewagen. Warum macht er mit?

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07. Januar 2022, 11:50 Uhr

Rostock | Rennrad fahren, Bassgitarre spielen, mit dem Hund um die Häuser toben. Henry Domke hat sich ein paar schöne Hobbys zugelegt. Dennoch fehlt ihm was. Sein Freizeitleben ist nicht perfekt. Der Rostocker weiß auch, warum. Nach der Ausbildung zum Krankenpfleger in Schwerin arbeitete er im Hospiz und so hatte er schon in jungen Jahren mit Sterbenskranken und dem Thema Tod zu tun. Dann zog er nach Rostock. Seine neue Arbeit als Fachpfleger für Psychiatrie gefällt Henry Domke gut. Dennoch denkt er oft an die Zeit im Hospiz.

Und so beschließt er, sich noch ein viertes „Hobby“ zuzulegen. Schon länger hat er den ASB-Wünschewagen auf dem Schirm, 2019 legt der junge Mann als Ehrenamtler los. Ihn fasziniert das Projekt. „Ich selber würde mich darüber freuen, wenn mir jemand meinen letzten Wunsch erfüllen könnte“, sagt er. „Es gibt einen Ort, an dem ich seit vielen Jahren in den Urlaub fahre. Ich glaube, da würde ich noch mal hinwollen - aufs Meer gucken und dänisches Softeis mit Streuseln essen. Es sind die kleinen Dinge, die mich glücklich machen.“

Angehörige sollen nicht als Kümmerer dabei sein

Aber braucht er dafür einen Wünschewagen? Da könnten doch auch Angehörige mit ihm hin, wenn es sein Gesundheitszustand noch zuließe. „Ja nee, genau so soll es nicht laufen“, meint Henry Domke. „Der Mensch, der uns begleitet, darf nicht auch der Versorger und Organisator sein. Wenn ein Sterbenskranker den Wunsch hat, mit Angehörigen oder Freunden in den letzten Stunden etwas Schönes zu unternehmen, dann ist es gut, wenn diese Menschen ihn begleiten, ohne in die Rolle des Helfenden und Kümmerer schlüpfen zu müssen. Beim ASB-Wünschewagen geht das. Da dürfen sie so sein, wie sie sind, wie der Kranke sie kennt. Mehr nicht.“

Auch interessant: Nach fünf Minuten hat er „Jo“ zum Ehrenamt beim Wünschewagen gesagt.

Seit Henry Domke den ASB-Wünschewagen begleitet, weiß er, wie vielfältig letzte Wünsche sein können - und wie herzzerreißend. Bei einer Tour, die noch nicht lange zurückliegt, empfand er viel Mitleid. „Es war ein sehr kalter Tag im vergangenen November“, erinnert sich der Rostocker. „Kein Tag, an dem man zu einer Hochzeitsfeier an den Strand geht. Doch so ein Event hatte sich eine Anfang vierzigjährige Frau gewünscht. Gemeinsam mit ihren Kindern und Angehörigen stand sie am Ostseestrand, unter einem kleinen geschmückten Pavillon. Die Musik spielte. Fotos wurden geschossen.

Hochzeit am Strand ohne Ehemann

Es war eine Strandhochzeit, die es so normalerweise nicht gibt. Denn der, den sie heiratete, war Anfang des Jahres verstorben. Sie hatten es verpasst, den Bund der Ehe zu schließen. Die Hochzeit war der Frau aber unglaublich wichtig. Es ging ihr um das Gefühl, ihren verstorbenen Freund geheiratet zu haben und darum, eine Erinnerung zu schaffen. Auch für die sechs und sieben Jahre alten Kinder.“

Henry Domke und die anderen Freiwilligen vom ASB-Wünschewagen schauten, dass es der Braut gut ging. Schließlich war sie selbst schwer krank. Die Diagnose Krebs hatte sie gleich nach dem 2. Kind erhalten. Somit kannten die Kinder ihre Mutter eigentlich nur krank. Die beiden sollten künftig bei deren Bruder aufwachsen.

Nach dieser Wünschewagen-Fahrt hat sich Henry Domke nicht gleich seinen Hund geschnappt, um bei einem Spaziergang auf andere Gedanken zu kommen. Der 30-Jährige wollte erst einmal mit jemandem über das Erlebte reden. „Das mach ich, so oft es geht“, sagt er. „Ich erzähle Freunden und Bekannten von meinen Touren mit dem Wünschewagen.

Von den kranken Menschen, die ich kennengelernt und begleitet habe. Ich halte es für wichtig, mit anderen über das Thema Sterben zu reden, denn das tun wir alle leider viel zu wenig. Wir Deutschen haben ein Problem damit. Egal, ob jemand sterbenskrank ist oder nachdem er verstorben ist. Während meiner Arbeit im Hospiz hab ich festgestellt, das Menschen aus anderen Ländern das besser können.“

Einfach mal über Verstorbene reden

Henry Domke selbst kennt das Verdrängen aus der eigenen Familie. Als seine Oma im vergangenen Oktober gestorben ist, wurde schon wenige Wochen später kaum noch über sie geredet, erzählt er. Mittlerweile gar nicht mehr. Henry Domke hält es aber für wichtig, die Erinnerung nicht einfach nur abzuhaken, sondern immer mal wieder über die Verstorbenen zu reden und sie in schöner Erinnerung zu behalten. Für ihn ist der Tod jedenfalls kein Tabuthema. Und so wird er weiterhin seine Freunde und Bekannten dazu ermuntern, ihn gedanklich auf seinen Wünschewagen-Touren zu begleiten.

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