Wrangelsburg bei Wolgast : Aktivisten besetzen Eugal-Baustelle

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Aktionsgruppe möchte auf Klimaschäden durch Erdgas aufmerksam machen.

svz.de von
16. Mai 2019, 10:59 Uhr

Aktivisten haben am Donnerstagmorgen in Wrangelsburg südöstlich von Greifswald eine Baustelle der Erdgaspipeline Eugal besetzt. Mehrere Personen seien in bereits verlegte Rohre gekrochen, die 1,40 Meter Durchmesser haben und an dieser Stelle auf einer Strecke von 1,5 Kilometern verlegt sind, erklärte ein Polizeisprecher. «Wir vermuten, dass sie ziemlich weit rein sind», sagte er. Wie viele Menschen sich genau in der Röhre aufhalten sei unklar, die Polizei gehe von fünf Personen aus.

Mit der Aktion unter dem Motto «Nord Stream 2 verstopfen!» wollen sie nach eigenen Angaben den Bau verzögern und auf Klimaschäden durch Erdgas aufmerksam machen. «Ein weiterer Ausbau fossiler Infrastruktur lässt alle Versprechen von einer Energiewende lächerlich aussehen», erklärte eine Aktivistin. Erdgas sei wegen des hohen Methan-Gehalts viel klimaschädlicher als angenommen. Mehr Gasförderung verhindere das Erreichen der Pariser Klimaziele.

Die Gaspipeline Eugal soll auf 485 Kilometern von Greifswald bis zur tschechischen Grenze verlaufen - weitgehend parallel zur bereits bestehenden Opal-Pipeline. Sie soll den Weitertransport von Erdgas aus der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2 sicherstellen. Gebaut und betrieben wird das Projekt von einer Tochterfirma von BASF und dem russischen Konzern Gazprom. Die Kosten werden auf drei Milliarden Euro geschätzt.

Risiko durch Sauerstoffknappheit

Nach Auskunft des Bauleiters könne der Sauerstoffgehalt in den Röhren gefährlich weit absinken, was den Aktivisten gefährlich werden könne, erklärte der Polizeisprecher. Weiteren Aktivisten, die nicht in die Röhre gekrochen seien und die mit der Polizei in Kontakt stehen, sei deshalb ein Sauerstoffmessgerät übergeben worden. Die Einsatzkräfte seien kooperativ und strebten eine Kompromisslösung mit den Besetzern an. Priorität habe deren Unversehrtheit.

Reinhard Bütikofer (Grüne), Europaabgeordneter für MV, sieht die Aktion als weiteren Warn- und Weckruf für die Landesregierung. "Sie hat immer noch nicht begriffen, dass wir bei der Energiepolitik grundsätzlich umsteuern müssen. In einem Energiekonzept, das zukunftsfähig ist, hat Nord Stream 2 keinen Platz."

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