Politische Hoffnung aus MV : Wie Lilly Blaudszun die Jugend zur SPD holen soll

Lilly Blaudszun im Gespräch.

Lilly Blaudszun im Gespräch.

Eine 19-Jährige aus MV verkörpert vieles, woran es der SPD mangelt. Sie ist jung, weiblich, aus dem Osten - und surft mit großer Selbstverständlichkeit auf der Welle der sozialen Medien. Das will die Partei nutzen.

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25. Juni 2020, 07:04 Uhr

Lilly mit Bierflasche in der Hand und Kumpels auf einer Treppe, Lilly bei einer Geburtstagsfeier oder im Bundestagsfahrstuhl, Lilly mit den SPD-Politikerinnen Katarina Barley und Manuela Schwesig auf einem Selfie. Lilly mit ihrem Hund Henri, dann im Gespräch mit SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Lilly am Ostseestrand. Lilly Blaudszun, gerade 19 Jahre alt geworden, Studentin, nach eigenem Bekunden Jungsozialistin, gilt als Social-Media-Wunderwaffe der SPD und große Nachwuchshoffnung der Partei. Dabei hat die junge Frau aus Mecklenburg-Vorpommern bislang gar kein Mandat - und strebt vorerst auch keines an.

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Studium genießt momentan Vorrang

In schwarzem T-Shirt, grauer Stoffhose, weißen Sneakern und mit einer Mate-Tee-Flasche in der Hand ist sie in Schwerin auf dem Weg zu einem politischen Termin. „Erst einmal will ich mein Studium absolvieren, so lange will ich kein Mandat“, sagt sie. Vielleicht werde sie auch zunächst ein bisschen arbeiten und sich erst dann hauptberuflich der Politik zuwenden. Nichts überstürzen. Blaudszun studiert Jura im zweiten Semester an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Nach dem Abitur sollte es nicht allzu weit weg gehen vom heimatlichen Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern, gesteht sie. Schließlich war sie da gerade erst 18 geworden.

Innovative Nutzung von Internet-Netzwerken

Bodenständig, lässig, gerade heraus - so gibt sich Lilly Blaudszun im Gespräch und so kommt sie in den sozialen Medien rüber. Als „Digital Native“ aufgewachsen, versteht sie intuitiv, die Internet-Netzwerke für sich und ihre politischen Botschaften zu nutzen. Neben Fotos vom Oktoberfest, von Wurstgulasch und von ihren noch im Entstehen begriffenen Kochkünsten stellt Blaudszun ihre Video-Interviews mit SPD-Politikern: mit Generalsekretär Lars Klingbeil oder mit Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Bettina Martin. Dabei sind sich Interviewerin und Interviewte meist ziemlich einig.

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Jens Büttner/dpa
 

„Das ist ihr Ton, der hier anklingt“

Doch wie ernst ist diese Mischung aus jugendlichem Geplauder und Partei-Talk zu nehmen? Durchaus ernst, meint der Leipziger Kommunikationswissenschaftler Patrick Donges. „Es ist eine moderne Form politischer Kommunikation, wie sie gerade für Social-Media-Plattformen typisch ist.“ Junge Menschen seien mit dieser Art der Kommunikation groß geworden und vertraut. „Das ist ihr Ton, der hier anklingt.“

Die SPD-Antwort auf Philipp Amthor

Die SPD hat Lilly Blaudszun, die CDU hat Philipp Amthor (27) - der sich allerdings gerade wegen Lobbyismus-Vorwürfen rechtfertigen muss und daher auf die Kandidatur für den CDU-Landesvorsitz in Mecklenburg-Vorpommern verzichtet hat. Amthor spiele super sicher auf der Klaviatur der sozialen Medien, gibt Blaudszun zu. Der zweitjüngste Bundestagsabgeordnete hat mehr als 90 000 Abonnenten bei Instagram, die junge SPD-Frau knapp 13 000. „Im Gegensatz zur realen Politik macht er in den sozialen Medien vieles richtig“, sagt Blaudszun. Er sei witzig, selbstironisch und komme authentisch rüber - damit sei er eine Marke.

Deshalb ist Blaudszun für die Partei so wichtig

Wissenschaftler Donges erklärt, wie wertvoll Blaudszun für die SPD ist: Wie andere Parteien auch, habe die SPD in den vergangenen Jahren stetig an Mitgliedern verloren, sagt er. Als erklärte Volkspartei müsse sie den Anspruch haben, die Gesellschaft insgesamt abbilden zu können. „Dabei hat sie, wie andere Parteien auch, in Teilen der Gesellschaft zunehmend Probleme: bei jungen Menschen, bei Frauen, in den östlichen Bundesländern sowie bei Menschen mit Migrationserfahrungen.“ Lilly Blaudszun verkörpere solche Menschen, die in politischen Parteien fehlten.

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Jens Büttner/dpa

Generalsekretär Klingbeil: Authentisches Sprachrohr

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil gesteht: „Ich bin froh, dass wir sie als authentisches Sprachrohr der jungen Generation in unseren Reihen haben. Sie spricht Zehntausende junge Leute an, die wir als Partei schwer erreichen.» Im Landtagswahlkampf in Brandenburg im vergangenen Jahr hat ihre Partei Lilly Blaudszun bereits an der Social-Media-Front eingesetzt.

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