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Von Kindergeburtstag bis Republikflucht : 415 Stunden private DDR-Videos online zugänglich gemacht

Seit Montag stehen historisch interessierten Bürgern sowie Wissenschaftlern, Künstlern und Medien Hunderte Stunden Videomaterial zur Verfügung.

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23. September 2019, 16:27 Uhr

Ein internationales Team hat private Videoaufnahmen von Dutzenden DDR-Familien online zugänglich gemacht. In dem Onlinearchiv „Open Memory Box“ sind seit Montag insgesamt 415 Stunden DDR-Alltag zu sehen. Darunter sind etwa Kindergeburtstage und Beerdigungen, aber auch Filmsequenzen, die Demonstrationen oder die Republikflucht zeigen. Auch aus Mecklenburg-Vorpommern finden sich zahlreiche Sequenzen in dem Archiv. 149 DDR-Familien drehten die privaten Aufnahmen zwischen 1947 und 1990.

Das Archiv ist über den folgenden Link zu erreichen:
https://www.open-memory-box.de/

Gegen „festgefahrene Stereotypen“

„Unsere Absicht ist es, festgefahrene Stereotypen - sowohl schönfärberische als auch schwarzmalerische - bei der Bewertung der DDR-Vergangenheit mit einer anderen Sichtweise aufzubrechen“, sagte der schwedische Filmemacher und Initiator des Projekts, Alberto Herskovits, am Montag.

Zum Start des DDR-Filmprojekts 'Open Memory Box' halten die Projektleiter Alberto Herskovits (r.) und Laurence Mc Falls im Jahr 2014 in einem Raum der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur einen Schmalfilmprojektor und Filmdosen aus der ehemaligen DDR.
Rainer Jensen /dpa

Zum Start des DDR-Filmprojekts "Open Memory Box" halten die Projektleiter Alberto Herskovits (r.) und Laurence Mc Falls im Jahr 2014 in einem Raum der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur einen Schmalfilmprojektor und Filmdosen aus der ehemaligen DDR.

 

Durch „Open Memory Box“ habe man das Privileg, im Nachhinein in das Privatleben der Menschen hineinzuschauen. Die Aufnahmen seien nie für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen und zeigten, dass das Leben in der DDR weiterging - wenn auch mit Einschränkungen, sagte Herskovits.

Neben dem Archiv wurden auf Youtube mehrere Clips hochgeladen. In einem Video wurde das aufwendig bearbeitete Videomaterial von Hans Stiller aus Potsdam mit einer Kommentierung des Urhebers unterlegt. In knapp fünfzehn Minuten lässt Herr Stiller den Beobachter an seiner Geschichte teilhaben.

Zudem wurden auf Instagram unter Open_memory_box am Sonntag erste Bilder aus dem Projekt veröffentlicht.

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400 Stunden Material in zehn Tagen

Gemeinsam mit dem kanadischen Politikwissenschaftler Laurence McFalls initiierte Herskovits das Archivprojekt 2013. Nach einem deutschlandweiten Aufruf im Jahr 2014 erhielt das 30-köpfige Team insgesamt 2283 Schmalfilmrollen. „Zehn Tage nach dem Aufruf in den Medien hatten wir bereits 400 Stunden Filmmaterial, damit haben wir nicht gerechnet“, sagte McFalls.

Am Dienstag findet im Veranstaltungssaal der Bundesstiftung Aufarbeitung in Berlin ein Podiumsgespräch zum Start des Onlinearchivs statt. Neben Journalisten nehmen auch der Ko-Projektleiter Herskovits, eine Filmeinreicherin sowie Prof. Dr. Frank Bösch, der Direktor des Leibniz-Zentrums für zeithistorische Forschung, teil. Der Eintritt ist frei. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.

Filmdokumente aus der Wendezeit in MDR-Mediathek

Unter dem Titel «Originale 89» stellt der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) Filmdokumente aus der Wendezeit 1989/90 in die Mediathek. Unter dem Titel «Originale 89» seien erstmals eine Vielzahl von Filmdokumenten aus der Wendezeit 1989/90 online zugänglich, teilte der Sender am Montag in Leipzig mit. «Wir präsentieren hier einen ganz besonderen Schatz: Originale Dokumentarfilme aus der bewegten Wendezeit, ungeschnitten und nicht gefärbt durch spätere Erfahrungen, dazu aus beiden Perspektiven, Ost und West», sagte MDR-Programmdirektorin Katja Wildermuth.

Die Beiträge zeigen unter anderem auf, was Günther Schabowski genau bei der folgenschweren Pressekonferenz am 9. November sagte und wie die Menschen im Westen ihre ostdeutschen Nachbarn begrüßten. Mit originalen, ungekürzten Filmdokumenten werden die Dramatik, die Hoffnungen und Ängste dieser Zeit wieder lebendig, so der MDR.

Dazu geben zehn Dokumentarfilme der DEFA - unter anderem von renommierten Filmautoren wie Andreas Voigt, Jürgen Böttcher oder Sybille Schönemann - intensive und ungeschminkte Einblicke in den Alltag der DDR-Bürger in den Zeiten des Umbruchs. Alle Zeitdokumente sind bis zum Jahresende in der Mediathek abrufbar.

dpa

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