Start ins Berufsleben : Viele Absolventen verlassen MV

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Gut ausgebildete junge Menschen im Nordosten wandern in andere Bundesländer ab.

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27. März 2019, 10:59 Uhr

Mecklenburg-Vorpommerns Hochschulen bilden in großem Umfang für andere Regionen Deutschlands aus. Einer Studie des Personaldienstleisters Studitemps (Köln) zufolge wanderten im vergangenen Jahr 19,3 Prozent mehr Hochschulabsolventen aus dem Nordosten in andere Bundesländer ab als zuzogen, um ihre berufliche Karriere zu starten. Dies bedeute, dass von den Investitionen des Landes in seine Studenten 63 Millionen Euro im Jahr anderen Bundesländern zugute kommen, teilte Studitemps am Mittwoch mit.

Grundlage der Berechnung sind laut Studitemps die Ausgaben des Landes je Student, die Zahl der Absolventen und das aus Befragungen errechnete Wanderungssaldo. Die Untersuchung «Fachkraft 2030» ist den Angaben zufolge repräsentativ.

Osten verliert, Stadtstaaten gewinnen

Vor allem aus den neuen Ländern wandern demnach mehr Hochschulabsolventen ab als zu - wobei Mecklenburg-Vorpommern noch vergleichsweise gut dasteht. Größter Verlierer ist den Angaben zufolge Sachsen-Anhalt mit einem Saldo von minus 64 Prozent. Nur vier Bundesländer hätten ein positives Saldo, hieß es. Beim Spitzenreiter Hamburg betrage es 159,6 Prozent. Das bedeute, dass auf 100 Hamburger Studierende 260 Absolventen kommen, die nach dem Abschluss in Hamburg bleiben oder aus anderen Bundesländern nach Hamburg ziehen. „Der Osten verliert massiv Absolventen, während Stadtstaaten und wirtschaftlich ohnehin starke Regionen gewinnen“, sagte Eckhard Köhn von Studitemps. Die Wanderungsbewegungen zögen einen indirekten Länderfinanzausgleich nach sich. „Jeder Student, der in einem Bundesland ausgebildet wird, kostet das Land auch Geld“, erklärte Köhn. „Jeder Absolvent, der nicht am Ausbildungsort bleibt, sondern in ein anderes Bundesland wechselt, überträgt damit in ihn investierte Bildungskosten.“ Hamburg mache dabei ein Plus von 1,1 Milliarden Euro pro Jahr.

Werbung um Fachkräfte bereits in der Ausbildung

Um die Abwanderung von gut ausgebildeten Fachkräften zu verhindern, empfahl Köhn, Studierende schon frühzeitig an den regionalen Arbeitsmarkt zu binden. Unternehmen und Länder müssten um die zukünftigen Fachkräfte werben, wenn diese noch in der Ausbildung seien.

Mecklenburg-Vorpommern steht „Fachkraft 2030“ zufolge beim Verlust von Hochschulabsolventen im ostdeutschen Vergleich zwar recht gut da, verliert aber dafür überdurchschnittlich viele junge Menschen bereits beim Übergang von der Schule zum Studium. Da beträgt der Wanderungssaldo minus 18,6 Prozent - der viertstärkste Verlust bundesweit. Sachsen-Anhalt verzeichnet an dieser Schwelle einen positiven Saldo von 31,1 Prozent. Das heißt, viele junge Menschen finden Sachsen-Anhalt als Studienort toll, aber nicht als Ort für den Start ins Berufsleben.

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