Natur statt Plastik : Verband macht gegen künstliche Weihnachtsbäume mobil

Macht sich für echte Bäume stark: Benedikt Schneebecke, Vorsitzender vom neu gegründeten „Verband Natürlicher Weihnachtsbaum“
Macht sich für echte Bäume stark: Benedikt Schneebecke, Vorsitzender vom neu gegründeten „Verband Natürlicher Weihnachtsbaum“

Von ökologisch bis Plastik ist beim Weihnachtsbaum alles drin. Offenbar wächst die Furcht der klassischen Weihnachtsbaumerzeuger vor dem künstlichen Grün. Sie gehen in die Offensive.

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26. August 2019, 12:00 Uhr

Nordmanntanne, Blaufichte und Co. haben Unterstützung verdient, findet Benedikt Schneebecke. Ihre Beliebtheit als Weihnachtsbaum in deutschen Wohnzimmern ist angesichts stabiler und millionenstarker Verkaufszahlen zwar nicht gefährdet. Aber der Forstunternehmer mit rund 140 Hektar Weihnachtsbaumkulturen östlich von Rostock will dem schleichenden Siegeszug des Plastikbaums etwas entgegensetzen.

Betriebe aus Deutschland und Dänemark machen mit

Dazu hat der 39-Jährige mit juristischen Staatsexamen mit Gleichgesinnten den „Verband Natürlicher Weihnachtsbaum“ gegründet. Noch seien es erst rund 30 Betriebe aus Deutschland und Dänemark, die zugesagt hätten. Der Zusammenschluss soll aber so stark werden, dass genug Geld für eine ordentliche PR-Kampagne zusammenkommt. Die hält Schneebecke für dringend nötig.

Manche Leute verzichten aus falsch verstandenem Naturschutz auf einen Weihnachtsbaum oder nehmen einen Plastik-Weihnachtsbaum. Da geht es uns darum, aufzuklären. Benedikt Schneebecke
 

Heute würden viele Umweltthemen diskutiert. Es gehe um Naturschutz, CO2-Bilanz und Nachhaltigkeit. „Vielen Leuten ist einfach nicht bewusst, dass der natürliche Weihnachtsbaum das alles erfüllt.“ Seine Bäumchen, überwiegend die aus dem Kaukasus stammende Nordmanntanne, bietet nach Schneebeckes Angaben in den rund zehn Jahren des Wachsens zahlreichen Tieren und Pflanzen Lebensraum. „Wir holzen keine Wälder ab. Die Bäume sind extra dafür gepflanzt“, argumentiert Schneebecke.

Natürliche Weihnachtsbäume nur wenig gedüngt?

Wie andere Landwirte auch können die Forstbetriebe nicht ganz auf Pflanzenschutzmittel verzichten. „Aber es wird, falls nötig, sehr reduziert eingesetzt.“ Ein Weihnachtsbaum sei robuster als Getreide und brauche viel weniger Chemie. Wer befürchtet, sich mit einem Weihnachtsbaum auch Schadstoffe ins Wohnzimmer zu holen, den beruhigt Schneebecke. Wenn man die Grenzwerte für Erdbeeren anlege, seien Weihnachtsbäume, wenn überhaupt, dann weit weniger belastet. „Man muss das in Relation setzen“. Gedüngt werde auch in den Weihnachtsbaumkulturen. Aber in geringen Mengen und nur, was gebraucht werde.

Corinna Hölzel vom Umweltverband BUND hält dem entgegen, die Grenzwerte für Pestizide seien generell viel zu hoch. Hier müsse es zu einer Reform im Zulassungsverfahren kommen. „Weihnachtsbäume stellen keine akute gesundheitliche Gefährdung dar“, sagt die Pestizid-Expertin. Es gehe aber vor allem um die Belastung für die Natur in der Plantage, wo viel höhere Konzentrationen der Chemikalien erreicht würden. Eine Weihnachtsbaum-Monokultur ist ihrer Überzeugung nach ein feindlicher Lebensraum für fast alle Lebewesen.

Trend geht zum künstlichen Weihnachtsbaum

Bei der Ablehnung von künstlichen Weihnachtsbäumen stimmen die BUND-Expertinnen zu. Sie seien aus Erdöl hergestellt, das für so etwas nicht verwendet werden sollte. Schon wegen des Problems der Entsorgung sagt Hölzel: „Hände weg vom Plastikweihnachtsbaum“. Es müsse etwas passieren, sagt auch Forstunternehmer Schneebecke. „Weil wir sehen, dass Leute vermehrt Plastikbäume kaufen. Das ist eine Katastrophe.“

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger, Martin Rometsch, sieht im Plastikbaum ebenfalls eine wachsende Konkurrenz. Nach Marktumfragen haben die künstlichen Bäumchen einen zunehmenden Anteil am Geschäft mit Weihnachtsbäumen.

Neben der Konkurrenz der Kunststoff-Fabrikanten drohen den Weihnachtsbaumerzeugern in Deutschland noch andere Schwierigkeiten. Die bis heute nachwirkende Dürre des vergangenen Jahres ist ein Problem, nicht überall, aber zum Beispiel in Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

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