Westmecklenburg : Trotz Geburtenkontrolle - Zahl der Nandus verdoppelt

Eigentlich soll die Nandu-Population in Westmecklenburg durch Anbohren der Eier nicht wachsen. Das hat in diesem Jahr offensichtlich nicht gereicht: Die Zahl der Tiere hat sich mehr als verdoppelt. Der Kreisbauernverband bringt Abschüsse ins Gespräch.

svz.de von
10. Dezember 2018, 16:38 Uhr

Europas einzige wilde Nandu-Population im Grenzgebiet von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein hat sich trotz Bemühungen um eine „Geburtenkontrolle“ seit dem Frühjahr mehr als verdoppelt. Bei der Herbstzählung vor rund zwei Wochen seien im Biosphärenreservat Schaalsee 566 Tiere gezählt worden, 294 davon Jungvögel aus diesem Jahr, teilte das Landwirtschaftsministerium am Montag mit. Bei der Frühjahrszählung waren es früheren Angaben zufolge 205 Tiere gewesen. Als Ursache wird der warme und trockene Sommer vermutet. Die Zählmethode habe sich nicht geändert, so dass dies nicht die Ursache für den Anstieg sein könne, sagte eine Sprecherin.

Abschuss der männlichen Nandus gefordert

Angesichts der Zunahme will Agrarminister Till Backhaus (SPD) prüfen, ob der Populationsanstieg auch anders bekämpft werden könnte. Petra Böttcher vom Kreisbauernverband sagte, man müsse gegebenenfalls den Abschuss der männlichen Tiere beantragen. Nandus richten regelmäßig Schäden auf Getreide- und Rapsfeldern an. „In die Zehntausende geht der Schaden jährlich auf jeden Fall“, sagte Böttcher. Genaue Zahlen nannte sie aber nicht.

Schäden durch Laufvögel schwer nachweisbar

Sie kritisierte, dass der Ausgleichsfonds der Landesregierung nicht groß genug sei. Landwirte können daraus Entschädigungen erhalten, was vor allem Bauern an der Ostsee betreffe, die Fraßschäden durch Zugvögel erlitten. „Die Ausfälle sind ganz schwer zu beziffern“, bestätigte Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck. Es sei für die Landwirte schwer zu beweisen, welche Schäden der Nandu angerichtet habe und welche nicht. „Hier ist jetzt politischer Wille gefragt“, sagte Kurreck auf mögliche Abschüsse bezogen. Es fehle an rechtlichen Regelungen. Die betroffene Fläche sei aber klein, weshalb politischer Druck fehle.

Anbohren der Eier brachte nur kurzzeitig Erfolg

Um den Bestand der Nandus zu kontrollieren, waren laut Ministerium 190 Eier angebohrt worden, damit daraus keine Jungtiere schlüpfen. Dies war 2017 zum ersten Mal gemacht worden, zunächst mit Erfolg. Damals waren die Population um 22 Tiere im Vergleich zum Vorjahr gesunken und deutlich weniger Jungtiere gezählt worden.

Die norddeutschen Nandus stammen von wenigen Tieren ab, die um die Jahrtausendwende vom Hof eines Züchters in Schleswig-Holstein entkamen. Sie wanderten nach Mecklenburg-Vorpommern und etablierten sich im Biosphärenreservat Schaalsee. Sie gelten vor dem Gesetz bislang nicht als invasive Art, werden aber beobachtet. Ihren natürlichen Lebensraum haben die Laufvögel in Südamerika.

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