Getötetes Mädchen in Torgelow : Öffentlichkeitsfahndung: Polizei setzt Belohnung aus

Das Polizeigebäude, aus dem der tatverdächtige Stiefvater nach dem gewaltsamen Tod eines sechsjährigen Mädchens fliehen konnte.
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Das Polizeigebäude, aus dem der tatverdächtige Stiefvater nach dem gewaltsamen Tod eines sechsjährigen Mädchens fliehen konnte.

Erst soll es ein Treppensturz gewesen sein, nun steht Mord im Raum. In Vorpommern wird ein 27 Jahre alter Stiefvater gesucht. Er soll eine Sechsjährige misshandelt haben. Die Stadt ist geschockt.

svz.de von
17. Januar 2019, 14:12 Uhr

Trotzdem die Polizei seit Freitag mit Name und Foto nach dem flüchtigen David Hedtke fahndet, ist die Suche bislang erfolglos geblieben. Deshalb hat das Polizeipräsidium nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg nun eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt, die ausschließlich für Privatpersonen bestimmt ist. Die Auszahlung der Belohnung steht unter der Bedingung, dass es sich um sachdienliche Hinweise von hinreichender Bedeutung handelt, die zur Ergreifung des Täters führen und den Ermittlungsbehörden bis zum Zeitpunkt dieser Auslobung noch nicht bekannt sind.

Belohnung von 1000 Euro

Wer Angaben zum Aufenthalt des Beschuldigten machen kann, wird gebeten die Polizei unter dem Notruf 110 zu kontaktieren oder sich an jede andere Polizeidienststelle zu wenden.

Zugleich wird eindringlich vor jeder Form von Selbstjustiz gewarnt. "In den sozialen Netzwerken läuft eine regelrechte Hetze mit teilweise strafbarem Inhalt. Wir setzen alles daran, den Täter zu ergreifen und einem ordentlichen Gerichtsverfahren zuzuführen", heißt es von Seiten der Polizei.

Bei der Fahndung nach dem Stiefvater des getöteten Mädchens aus Torgelow (Kreis Vorpommern-Greifswald) hate die Polizei in der Nacht zu Freitag mehrere Wohnungen in Wolgast durchsucht. Der mutmaßliche Mörder des sechsjährigen Kindes konnte bisher aber noch nicht entdeckt werden, wie ein Polizeisprecher am Freitag in Neubrandenburg sagte.

Fahndung mit Foto und Name

Zugleich startete die Polizei nun eine Öffentlichkeitsfahndung und sucht mit veröffentlichten Fotos nach dem Flüchtigen.

Im Fall des getöteten kleinen Mädchens in Torgelow (Vorpommern-Greifswald) wird der Tatverdächtige wegen Mordes durch Unterlassen gesucht. Das Amtsgericht Pasewalk hat einen entsprechenden Haftbefehl für den flüchtigen Stiefvater erlassen, wie die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg am Donnerstag mitteilte. Der Lebensgefährte der Mutter habe den Tod des Kindes nach vorhergehenden Misshandlungen erkannt und billigend in Kauf genommen.

Um die dem Kind zugefügten Verletzungen zu verdecken, habe er auch keine Hilfe geholt. Bisher war der Mann, der seit Montag auf der Flucht ist, wegen Körperverletzung mit Todesfolge gesucht worden.

Inzwischen wurde bekannt, dass er auch den jüngeren Bruder des getöteten Mädchens misshandelt haben soll, der am Montag vom Jugendamt zum leiblichen Vater gebracht wurde.

Weiterlesen: Spur zum Tatverdächtigen verliert sich am Bahnhof, Haftbefehl beantragt

Polizei ermittelt auch gegen die Mutter

Hintergrund des verschärften Vorwurfes seien Ermittlungen und die schweren Verletzungen des sechs Jahre alten Mädchens, das am Samstag tot in der Wohnung der Familie gefunden worden war. Details wurden nicht genannt.

Das Polizeigebäude, aus dem der tatverdächtige Stiefvater nach dem gewaltsamen Tod eines sechsjährigen Mädchens fliehen konnte.
Bernd Wüstneck/dpa

Das Polizeigebäude, aus dem der tatverdächtige Stiefvater nach dem gewaltsamen Tod eines sechsjährigen Mädchens fliehen konnte.

Der Stiefvater hatte zunächst von einem Treppensturz gesprochen. Die Polizei sucht weiter intensiv nach dem Verdächtigen, dem nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch Misshandlungen des kleineren Bruders der Getöteten vorgeworfen werden. In dem Zusammenhang wird auch gegen die Mutter der Kinder wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung ermittelt.

Treppensturz als Todesursache nicht plausibel

Das Mädchen war am Samstag in der Wohnung der fünfköpfigen Familie in Torgelow ums Leben gekommen. Der Lebensgefährte der Mutter hatte zunächst die Retter alarmiert und angegeben, das Kind sei von einer Treppe gestürzt. Bei einer Obduktion fanden Rechtsmediziner Verletzungen, die nicht zu dem angeblichen Sturz passten. Beatrix Heuer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, sprach von „Gewalteinwirkungen gegen das Kind“, ohne Einzelheiten zu nennen.

Zur Todesursache sagte Heuer, das Mädchen sei an „der Summe mehrerer Verletzungen“ gestorben. Genaueres würden weitere Untersuchungen ergeben. Mit dem Haftbefehl kann die Polizei nun auch eine öffentliche Fahndung mit Fotos des Mannes einleiten.

Flüchtiger Tatverdächtiger im Raum Vorpommern gesucht

Der 27-Jährige wird vor allem in Vorpommern gesucht. Die Familie hatte vor einem Jahr noch im rund 80 Kilometer entfernten Wolgast im gleichen Landkreis gelebt und war erst vor einigen Monaten nach Torgelow gezogen. Der Mann war am Montagabend kurz vor der Festnahme bei der Polizei in Pasewalk geflüchtet. Eine erste Fährte hatte Spürhunde in Richtung Bahnhof in den Norden der Stadt geführt, dort war die Spur aber verschwunden.

Trauerstunde im gedenken an getötetes Mädchen in Torgelow

Zum Gedenken an das getötete Kind veranstalten die Stadt und die evangelische Kirchengemeinde am 22. Januar eine Trauerstunde. „Wir wollen jedermann die Gelegenheit geben, seine Gedanken und Empfindungen zu dem Geschehen in Worte zu fassen“, sagte Bürgermeisterin Kerstin Pukallus (parteilos). Bei der Trauerstunde in der Christuskirche, die um 18 Uhr in Form eines Gottesdiensts abgehalten werden sollte, wollten der evangelische Pastor in der Stadt und die Bürgermeisterin reden. Die Kirche befindet sich nur wenige Meter von dem Haus entfernt, in dem die Sechsjährige ums Leben kam.

Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses, wo am 12.01. eine Sechsjährige ums Leben kam.
Bernd Wüstneck/dpa

Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses, wo am 12.01. eine Sechsjährige ums Leben kam.

„Die Anteilnahme in der Stadt ist enorm“, sagte Pukallus. Es sei unfassbar, dass ein Kind unter diesen Begleitumständen habe sterben müssen. Die 55-Jährige wandte sich in dem Zusammenhang auch gegen Hasskommentare in sozialen Medien: „Polemik hilft keinem weiter.“ Angesichts von Drohungen gegen den tatverdächtigen, flüchtigen Stiefvater warnte auch eine Polizeisprecherin vor Selbstjustiz.

Nach dem Vorfall war die Mutter mit einem fünf Monate alten Baby in eine Mutter-Kind-Einrichtung gebracht worden.

Die Polizei will unterdessen auch aufklären, wie es zu der Flucht bei der Festnahme kommen konnte. „Das hätte nicht passieren dürfen“, sagte Polizeisprecherin Nicole Buchfink. „Ein erster Sachstandsbericht zu den Umständen der Flucht des Tatverdächtigen liegt vor, er wird ausgewertet und nachbereitet“, erklärte eine Sprecherin des Innenministeriums.

Weiterlesen: Sechsjährige in Torgelow tot: Tatverdächtiger Stiefvater flieht aus Polizeirevier

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