Corona-Krise in MV : Tourismusverband schlägt Verschiebung der Sommerferien vor

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Die Prognose für das Ostergeschäft sieht düster aus. „Null“, sagt der Chef des Landestourismusverbands Woitendorf.

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08. April 2020, 09:12 Uhr

Angesichts der massiven Probleme des Tourismus in Deutschland in der Corona-Krise hat der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern ein einmaliges Verschieben aller Sommerferientermine auf August und September vorgeschlagen. Zu diesem Zeitpunkt sei anzunehmen, dass mehr Räume für Ferien- und Freizeitgestaltung wieder freigegeben sind als im Juni und Juli, sagte der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf, der Deutschen Presse-Agentur. Dann könnten sich auch die Bundesländer, deren Ferienbeginn beispielsweise schon im Juni liegen, von der Flaute der ersten Monate des Jahres 2020 erholen.

Der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf, sagt mit Blick auf Ostern nur: „Null Umsatz.“ Es sei eine verkehrte Welt. Anstatt die Menschen ins Land zu holen, werden jetzt die letzten Urlauber aus dem Land gebracht.

Tourismusbranche überproportional von Krise betroffen

Wie gemalt ist in diesen Tagen die Idylle am Ostseestrand in Heiligendamm. Auch das Wetter schwenkte pünktlich zum Beginn der Osterferien in Mecklenburg-Vorpommern auf Frühling um: Und jetzt Corona - wie überall im Land sind keine Gäste im Renommierhotel des Landes. „Die Auszubildenden und Techniker sind im Hotel unterwegs, damit es bald wieder in neuem Glanz erscheint“, sagt Thies Bruhn, der seit etwa einem Jahr die Geschicke des Hauses leitet. Einige der 180 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.

Mit einem schnellen Ende der Beschränkungen rechnet Bruhn nicht, „vielleicht Anfang Mai. Und dann gibt es wahrscheinlich Auflagen.“ Es werde wohl nicht erlaubt sein, das Hotel gleich auf 90 Prozent Auslastung hochzufahren. Das gelte auch für die Restaurants. Zu den Maßnahmen für die Zeit nach einer schrittweisen Öffnung gehöre die Berufung eines Hygienebeauftragten, um den künftigen Gästen ein sicheres Gefühl zu geben. Und in einer Designer-Boutique werden Stoffmasken für die Gäste hergestellt. „Das Grand Hotel Heiligendamm wird auf alle Eventualitäten vorbereitet sein“, betont Bruhn.

Entsetzen regiert die Branche

Wie die meisten in der Branche rechnet er mit einem Jahresverlust von mindestens 20 Prozent. Er weiß auch, dass die Klientel seines Hotels, mittelständische Unternehmer, andere Prioritäten haben, als jetzt ihren Jahresurlaub im Sommer an der Ostseeküste zu planen. Er ist sich sicher, dass die Ostseeküste in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern langfristig sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. „Die Deutschen werden wieder mehr Urlaub im eigenen Land machen.“

Doch so weit, um mit einem hoffnungsvollen Auge auf das Ende der Corona-Krise zu schauen, ist die Branche nicht. Noch regiert das Entsetzen. „Es war der unglücklichste Moment, in dem uns die Krise erwischt hat“, sagt der Präsident des Dehoga MV, Lars Schwarz. Nach den schweren Wintermonaten, durch die viele nur mit Ach und Krach gekommen sind und die Bankkonten aufs Letzte ausgereizt haben, beschreibt er die aktuelle Situation so: „Die Corona-Pandemie hat den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern absolut im Würgegriff.“

Kritik an einigen Versicherungen

Schwarz bleibt im Moment nur, den rund 3000 Betrieben des Gastgewerbes zuzurufen: „Bitte haltet durch, wir brauchen jeden Einzelnen.“ Wie viele es letztlich schaffen, hänge auch davon ab, wie die Hilfsmechanismen der Landesregierung greifen. Das prinzipielle Problem der Branche sei, dass jetzt nicht generierte Umsätze im Sommer nicht nachgeholt werden. „Das Schnitzel, das ich heute nicht verkaufe, bekomme ich später auch nicht verkauft. Der Gast, der jetzt wegbleibt, kommt deshalb im Herbst nicht eine Woche länger.“

Da wird Schwarz böse auf manche Versicherungen. Bei Unternehmen, die eine Versicherung gegen Betriebsunterbrechungen abgeschlossen haben, mauerten manche Versicherungen komplett. Manche Banken ließen sich nicht darauf ein, fällige Zahlungen zu stunden. Sie gingen komplett in Verweigerungshaltung.

Reichen die Hilfen?

 „Über Ostern kommen sonst 800.000 Gäste nach Mecklenburg-Vorpommern. Das ist die Hälfte unser eigenen Bevölkerung“, erklärte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Die Soforthilfen kämen insbesondere den kleineren und mittleren Betrieben in der Tourismusbranche zugute. Die Regierung sei in Gesprächen mit dem Landestourismusverband, wie weitere Hilfsmöglichkeiten für den Tourismus aussehen könnten.

Für Schwarz ist aber klar, dass die bislang vereinbarten Mittel nicht ausreichen werden, wenn die Krise wesentlich länger dauert als bis zum derzeit anvisierten 20. April. „Dann braucht das Gastgewerbe noch einmal ein Rettungspaket.“

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