Tod einer Sechsjährigen in Torgelow : Spur zum Tatverdächtigen verliert sich am Bahnhof, Haftbefehl beantragt

Eine Frau stellt vor dem Haus in Torgelow eine Kerze auf, wo am 12.01. ein sechsjähriges Mädchen ums Leben kam. Nach dem gewaltsamen Tod des Kindes ist der tatverdächtige Stiefvater weiter auf der Flucht.
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Eine Frau stellt vor dem Haus in Torgelow eine Kerze auf, wo am 12.01. ein sechsjähriges Mädchen ums Leben kam. Nach dem gewaltsamen Tod des Kindes ist der tatverdächtige Stiefvater weiter auf der Flucht.

Jugendamt ging Anzeige wegen Kindeswohlgefährdung nach. Stiefvater weiter auf der Flucht.

svz.de von
16. Januar 2019, 09:21 Uhr

Im Fall der getöteten Sechsjährigen aus Torgelow hat eine erste Fährte die Polizei-Spürhunde in Richtung Bahnhof im Norden der Stadt geführt, aber unterwegs hatte sich die Spur verloren. Zugleich ist ein Haftbefehl für den Flüchtigen beantragt worden, über den das zuständige Amtsgericht aber noch nicht entschieden hat.

Das Jugendamt des Kreises Vorpommern-Greifswald hat die Familie der getöteten Sechsjährigen aus Torgelow vor knapp einem Jahr einmal überprüft. „Damals gab es aber keine Auffälligkeiten“, erklärte Kreissprecher Achim Froitzheim am Mittwoch in Greifswald. Er wies damit Berichte zurück, wonach das Jugendamt schon früher von möglichen Misshandlungen des Mädchens hätte wissen müssen.

Jugendamt ermittelte nach Anzeige wegen Kindeswohlgefährdung

Damals habe eine Tante des Mädchens eine Anzeige wegen Kindeswohlgefährdung gestellt, weil das Kind angeblich verletzt gesehen worden war. Die Eltern hatten sich getrennt. Zu der Familie, die noch in Wolgast lebte, hätten im Februar 2018 das Mädchen, ein Junge, ihre Mutter und der neue Lebensgefährte gehört. „Unsere Mitarbeiter haben damals mit der Mutter, Großmutter und der Kindereinrichtung gesprochen“, sagte Froitzheim. Zudem sei das Mädchen in der Einrichtung begutachtet worden. Dies habe ergeben, dass die Vorwürfe damals haltlos waren. Deshalb habe es keine weiteren Maßnahmen gegeben. Auch nach dem Umzug nach Torgelow habe es keine Auffälligkeiten in der Familie gegeben, zu der 2018 ein Neugeborenes kam.

Das Mädchen war am Samstag in der Wohnung der Familie in Torgelow ums Leben gekommen. Gegen den 27-jährigen Stiefvater wird wegen Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Er hatte den Vorfall als Treppensturz dargestellt. Der Mann konnte bei der Festnahme am Montagabend fliehen und wird noch gesucht.

Das Polizeigebäude, aus dem der tatverdächtige Stiefvater nach dem gewaltsamen Tod eines sechsjährigen Mädchens fliehen konnte.
Bernd Wüstneck/dpa

Das Polizeigebäude, aus dem der tatverdächtige Stiefvater nach dem gewaltsamen Tod eines sechsjährigen Mädchens fliehen konnte.

 

Weiterlesen: Sechsjährige in Torgelow tot: Tatverdächtiger Stiefvater flieht aus Polizeirevier

Taverdächtiger Lebensgefährte der Mutter auf der Flucht

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) reagierte mit scharfen Worten. „Dass der Beschuldigte aus den Räumen, in denen er von der Polizei vernommen wurde, fliehen konnte, entsetzt mich außerordentlich“, sagte der oberste Dienstherr der Polizei unserer Redaktion. Neben der Ergreifung des Tatverdächtigen stehe für ihn eine Schwachstellenanalyse der Polizeiarbeit im Vordergrund. „Ich habe daher das Polizeipräsidium Neubrandenburg beauftragt, mir einen umfassenden Bericht vorzulegen, in dem die Situation, wie es zur Flucht kommen konnte genauestens dargelegt und aufgeklärt wird“, sagte Caffier.

Der Tod des Mädchens habe ihn zutiefst erschüttert, so der Minister. Den Familienmitgliedern sprach er sein Beileid aus. Trotz intensiver Suche durch ein großes Polizeiaufgebot war der Beschuldigte am Dienstag Abend noch immer auf der Flucht. David H. ist nach Informationen unserer Redaktion wegen zahlreicher anderer Straftaten wie Diebstahl, Körperverletzung und Drogendelikten polizeibekannt.

Die Menschen in Torgelow reagieren betroffen. Vor die Hauseinfahrt stellten viele Torgelower rote Trauerlichter oder legten Plüschtiere und Blumen ab. Auch ein hölzernes Herz ist darunter.

Eine Frau stellt vor dem Haus in Torgelow eine Kerze auf, wo am 12.01. ein sechsjähriges Mädchen ums Leben kam. Nach dem gewaltsamen Tod des Kindes ist der tatverdächtige Stiefvater weiter auf der Flucht.
Bernd Wüstneck/dpa

Eine Frau stellt vor dem Haus in Torgelow eine Kerze auf, wo am 12.01. ein sechsjähriges Mädchen ums Leben kam. Nach dem gewaltsamen Tod des Kindes ist der tatverdächtige Stiefvater weiter auf der Flucht.

 

Hinweise auf Gewalt, die nicht durch einen Sturz zu erklären sind

Am Dienstag hatten sich Polizei und Staatsanwaltschaft erstmals mit einer offiziellen Presseerklärung zu dem Verbrechen vom vergangenen Sonnabend geäußert. Demnach wird gegen den 27-jährigen Lebensgefährten der Mutter wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. „Nach ersten Erkenntnissen der rechtsmedizinischen Untersuchung ... gibt es konkrete Hinweise auf Gewalteinwirkungen gegen das Kind, welche nicht mit einem von dem Beschuldigten behaupteten Sturzgeschehen in Einklang zu bringen sind“, heißt es in der Mitteilung.

Am Sonnabendabend hatte der Stiefvater selbst den Notdienst gerufen, weil Leonie angeblich die Treppe heruntergestürzt sei. Weil das Mädchen tot war, riefen die Sanitäter die Polizei. „Bei der Obduktion am Montag in der Greifswalder Rechtsmedizin ergaben sich dann die Hinweise auf massive Gewalteinwirkung“, sagte eine Polizeisprecherin. Genaue Angaben zur Todesursache gab es bisher allerdings nicht. Welche Verletzungen für den Tod verantwortlich waren und der genaue Ablauf der Tat sollen auch mit Zusatzuntersuchungen aufgeklärt werden, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Beatrix Heuer am Mittwoch.

Am frühen Montagabend wurde David H. im Polizeihauptrevier Pasewalk bei der Vernehmung schließlich mitgeteilt, dass er als Beschuldigter vorläufig festgenommen ist. Daraufhin sei er losgerannt. Beamte konnten ihn weder aufhalten, noch bei der Verfolgung einholen.

Zu einer Öffentlichkeitsfahndung mit Foto des Gesuchten konnten sich die Behörden aus ermittlungstaktischen noch nicht entschließen, hieß es.

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