Tag der Gleichstellung : Mit Handicap im Job nicht alleingelassen

Bootswerftchefin Saskia Schritt und Mitarbeiter Sven Meißner besprechen die nächsten Arbeitsschritte.
Bootswerftchefin Saskia Schritt und Mitarbeiter Sven Meißner besprechen die nächsten Arbeitsschritte.

Mit Unterstützung des Landes neue Arbeitsperspektiven für Behinderte

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03. Mai 2019, 20:00 Uhr

2016 nahm das Leben von Sven Meißner eine rapide Wende. Ein Arbeitsunfall, bei dem sein Bein von einem Metallrohr durchbohrt wurde und nachfolgende Komplikationen machten den Arbeiter zunächst dauerkrank und dann arbeitslos. Die Standsicherheit auf beiden Beinen war nicht mehr vorhanden.

„Knapp zwei Jahre wusste ich nicht, wie es weitergeht“, berichtet der heute 51-Jährige. Wie viele andere von Krankheiten Betroffene fühlte er sich zerrieben im bürokratischen Wirrwarr zwischen Krankenkasse, Berufsgenossenschaft und Rentenversicherungsträger. „Keiner erzählt dir was.“

Neue Perspektive dank Förderung der Wiedereingliederung

Diese Perspektivlosigkeit änderte sich, als er von der Förderung für die Wiedereingliederung von Behinderten in den Arbeitsmarkt hörte. Es kam zum Kontakt mit der Rostocker Bootswerft Schritt. Mit Chefin Saskia Schritt vereinbarte er ein mehrmonatiges Praktikum, um zu prüfen, ob er mit seinen belastungs- und bewegungstechnischen Einschränkungen für diese Arbeit fähig ist. Es funktionierte: Dank spezieller Geräte, die angeschafft wurden, hat er nun seit Anfang 2019 eine Festanstellung, was für Menschen in seiner Situation nicht selbstverständlich ist.

Rechte für Schwerbehinderte eingefordert

Die Integration Meißners ist neben seiner Eigeninitiative auch dem Engagement des Landes zu verdanken. „Die begleitende Hilfe ist ein zentrales Anliegen des Schwerbehindertenrechts“, sagte der Chef des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lagus), Heiko Will. 2018 wurden 1013 Schwerbehinderte mit rund 3,7 Millionen Euro gefördert. 120 Behinderte konnten neu eingestellt werden, 13 Arbeitsplätze wurden zur Erhaltung bestehender Arbeitsverhältnisse neu geschaffen.

Unternehmen bekommen Ausgaben erstattet

„Das klingt wenig, ist aber für die Betroffenen von unschätzbarem Wert“, sagt Will. Wenn ein Arbeitgeber einen Arbeitsplatz für einen Schwerbehinderten schafft, könne das Lagus Zuschüsse und Darlehen für die Arbeitsplatzausstattung sowie die behindertengerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes und -umfeldes gewähren. Denn Will weiß: „Schwerbehinderte und ihnen gleichgestellte Menschen haben ein großes Potenzial, davon liegt einiges brach.“

Zweite Chance auf selbstbestimmtes Leben

Am Sonntag ist der Europäische Aktionstag zur Gleichstellung Behinderter. „Ich habe die Entscheidung nie bereut“, sagt auch Saskia Schritt, die in ihrer fünfköpfigen Mannschaft noch einen zweiten Mann mit einer Schwerbehinderung hat. Dieser trägt einen Herzschrittmacher und muss deshalb aus der Werkstatt, wenn etwa mit Ultraschall gearbeitet wird. „Beide beweisen, dass sie sich ihrer Einschränkungen bewusst sind“, sagt sie. Den beiden sei bewusst, dass diese Arbeit keine Selbstverständlichkeit und eine zweite Chance für ihr Leben ist.

Tag der Gleichstellung am 5. Mai: Das Ziel ist es, auf die Situation von Menschen mit Behinderung in Deutschland aufmerksam zu machen und sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können.

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