Stufenplan für Tourismus-Wiederbelebung : Erste Lockerungen am 1. Mai

Demonstration am Donnerstag vor der Staatskanzlei in Schwerin für ein Hilfspaket und einen Neustart für die Gastronomie
Demonstration am Donnerstag vor der Staatskanzlei in Schwerin für ein Hilfspaket und einen Neustart für die Gastronomie

Silberstreif am Horizont für die Tourismuswirtschaft MVs: Als erstes dürfen auswärtige Besitzer von Ferienhäusern und Dauercamper ins Land kommen. Für Hotels und Gaststätten Aussicht auf erste Lockerungen im Mai.

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23. April 2020, 18:57 Uhr

Die Landesregierung in Schwerin stellt für Hotels und Gaststätten in Mecklenburg-Vorpommern ein Ende der Zwangsschließungen in Aussicht, will sich aber auf ein konkretes Datum noch nicht festlegen. „Wir wollen anknüpfen an die alte Erfolgsgeschichte, haben aber das Ziel, zu einem sicheren Tourismus unter Corona-Zeiten zu kommen“, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Donnerstag in Schwerin nach einem Tourismusgipfel von Branchenvertretern und Landesregierung.

Fünfstufiger Plan zur Wiederbelebung des Tourismus

Dabei verabredeten beide Seiten einen fünfstufigen Plan zur schrittweisen Wiederbelebung des Tourismus, der wegen der Corona-Pandemie Mitte März vollständig zum Erliegen gekommen war. Als erstes dürfen demnach vom 1. Mai an auch wieder auswärtige Besitzer von Ferienwohnungen nach Mecklenburg-Vorpommern kommen.

Zuerst Besitzer von Ferienwohnungen und Dauercamper

Davon profitieren nach Angaben von Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) 64 000 Menschen. Das Nutzungsverbot für die eigene Immobilien war heftig kritisiert, gerichtlich mit Verweis auf den Infektionsschutz aber bestätigt worden. Zudem können 11 000 Dauercamper auf die Campingplätze zurückkehren, einschließlich Auswärtiger mit einem eingetragenen Zweitwohnsitz dort. „Das sind erste, vorsichtige Signale, dass wir uns wieder für den Tourismus öffnen“, sagte Schwesig.

Weiterlesen: Besitzer von Ferienwohnungen dürfen ab 1. Mai wieder nach MV

Die anhaltend geringe Infektionsquote im Nordosten schaffe den Raum dafür, doch dürften Rückschläge nicht provoziert werden, warnte sie vor zu hohen Erwartungen an eine rasche Rückkehr zur Normalität.

Wiedereröffnung der Gastronomie

Über weitere Lockerungsschritte soll am 5. Mai auf der Grundlage der dann vorliegenden Infektionszahlen beraten werden, sagte die Regierungschefin. Sollten die Zahlen nach den ersten Lockerungen für den Handel und Sportstätten niedrig bleiben, können als Schritt zwei eine vorsichtige Wiedereröffnung der Gastronomie folgen. Das schließe unter Umständen auch Boots- und Strandkorbverleih ein, sagte Wirtschaftsminister Glawe.

Zeitpunkt weiterer Lockerungen ungewiss

Später sind der Vereinbarung zufolge in einem dritten Schritt Übernachtungen für Urlauber aus Mecklenburg-Vorpommern denkbar. Unter strengen Auflagen könne in einem vierten Schritt dann Urlaub für alle Bundesbürger im Nordosten erlaubt werden, ehe dann in Schritt fünf auch Tagestourismus wieder ermöglicht werden soll und auch ausländische Gäste wieder kommen dürfen. Zeitliche Vorstellungen zu den weiteren Schritten äußerte Schwesig nicht.

Mit dem nun verabredeten Stufenplan seien Vorschläge der Branche aufgegriffen worden, sagte die Präsidentin des Landestourismusverbandes, Landtagspräsidentin Birgit Hesse, räumte aber ein, dass nicht alle Erwartungen erfüllt wurden.

Wir hätten es natürlich noch besser gefunden, wenn wir bereits Daten hätten nennen können. Landtagspräsidentin Birgit Hesse
 

Dies sei aber angesichts der noch unklaren Entwicklung der Corona-Pandemie schwierig und der Gesundheitsschutz müsse Vorrang haben. Das bedeute, dass nach jeder Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen die Wirkung genau zu prüfen und der weitere Kurs darauf abzustimmen sei.

Weiterlesen: Hoteliers fordern schnelles Ende der Zwangsschließungen

Auch der Hotel- und Gaststättenverband des Landes machte deutlich, dass er raschere Lockerungen befürwortet. „Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern die bundesweit geringste Infektionsquote. Es gibt keine nachvollziehbaren Argumente dagegen, die Häuser unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften schrittweise zu öffnen, zunächst etwa für die heimische Bevölkerung“, sagte der Präsident des Dehoga-Landesverbandes, Lars Schwarz. Unternehmer und Mitarbeiter bräuchten endlich eine Perspektive.

Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Landtag, Nikolaus Kramer, kritisierte eine „selektive Benachteiligung der für die Wirtschaft wichtigsten Branche“ im Land. Das Risiko, sich in einem Gastronomiebetrieb anzustecken, sei nicht höher als im Schuhgeschäft. Hotels und Gaststätten müssten daher - wie schon die meisten Geschäfte des Einzelhandels - sofort wieder öffnen dürfen, forderte er.

Die Vorsitzende der Linksfraktion, Simone Oldenburg, bezeichnete den Stufenplan für die langsame Öffnung des Tourismus als „wichtigen Schritt und positives Signal an die gesamte Branche.

Es ist richtig, dass bei allen Schritten immer die aktuellen Entwicklungen der Infektionszahlen im Auge behalten werden müssen. Simone Oldenburg, Vorsitzende der Linksfraktion
 

Unverständlich sei aber, dass die Landesregierung keinerlei Signale an die Unternehmen sende, ob und wie diese in der nächsten Zeit unterstützt werden könnten. „Viele Unternehmen der Branche haben das Ende der Fahnenstange erreicht", konstatierte Oldenburg.

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