Studie zum Lebensmittelkonsum : Fleischlos glücklich in MV?

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Die Zahlen geben Aufschluss über Veganer, Vegetarier und die Zahl der Restaurants.

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04. Januar 2019, 12:00 Uhr

Schwerin | 38.656 von 1,6 Millionen Einwohnern in Mecklenburg-Vorpommern und damit ein Anteil von 2,4 Prozent an der hiesigen Bevölkerung: So viele Menschen ernähren sich laut einer Statistik zwischen Elbe und Oder fleischlos. Damit liegt das Land deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Wie sieht es in MV für Vegetarier oder Veganer aus: Werden sie  in Restaurants fündig? Und wie viel Fleisch essen die Menschen überhaupt in MV?

Schwerin hat eine kleine vegane Szene

Matthias Schubert kocht vegan, frisch und angelehnt an die ayurvedische Küche. Foto: Nina Strakeljahn
Nina Strakeljahn
Matthias Schubert kocht vegan, frisch und angelehnt an die ayurvedische Küche. Foto: Nina Strakeljahn

Das Rote-Beete-Carpaccio ist der absolute Renner im Bistro Feine Kost von Matthias Schubert in Schwerin. Etwa zehn Kilogramm werden jede Woche verspeist. Auf der wechselnden Menükarte finden sich aber noch viele weitere Gerichte, die eines gemeinsam haben: Sie sind zu 90 Prozent vegan. Denn darauf hat sich das Bistro vor etwa vier Jahren spezialisiert.

Bereits seit zehn Jahren ist das Bistro an seinem Standort in der Puschkinstraße. Von Anfang an setzten die Betreiber auf Bioprodukte und zunächst auf vegetarische Küche. Dann entwickelte sich die Küche weiter und so entstanden die veganen Gerichte.

Das Geschäft laufe gut, sagt Schubert. Vor allem in der Mittagszeit müsse man schon mal einen Moment warten, um einen Platz zu bekommen. Viele nehmen sich das Essen auch mit. Wenn ein Gericht allerdings ausverkauft ist, gibt es nichts Neues, denn der gelernte Koch bereitet alles frisch zu. Dabei orientiert er sich an der ayurvedischen Küche. Sie ist vor allem asiatisch geprägt.

Quelle: ABCD AgenCY UG / GRAFIK: Denny Schröter
Quelle: ABCD AgenCY UG / GRAFIK: Denny Schröter


Gerade die frische Zubereitung mit Bioprodukten ist für viele Gäste ein Grund, in das Bistro zu kommen. Zu 80 Prozent habe er Stammgäste, sagt Schubert. Eine Frau isst gerade das Rote-Beete-Carpaccio. „Ich finde es gut, dass alles biologisch ist und frisch gekocht wird“, sagt sie. „Ich selber habe dafür nicht immer die Zeit.“ Veganerin sei sie aber nicht, erklärt sie.

Ähnlich wie viele seiner Gäste ist Schubert selbst kein Veganer. Er bezeichnet sich als Flexitarier, der Fleisch isst, aber selten. Er schätzt, dass etwa 80 Prozent seiner Gäste Flexitarier sind. Dennoch habe Schwerin eine kleine vegane Szene, die aber stabil seit Jahren wachse.

Neben dem Bistro Feine Kost lohnt es sich für Veganer, auch in anderen Restaurants nach veganen Speisen zu fragen. Ein rein vegetarisches Restaurant ist beispielsweise das Müllers. Auf der Facebook-Seite „Veganwelt“ tauschen sich Veganer über weitere Möglichkeiten aus.

Immer mehr schätzen die vegane Küche in Rostock

Inhaber und Koch der Grünen Kombüse Heiner Jörhs steht mit seinem Imbisswagen dienstags bis donnerstags auf dem Neuen Markt. Foto: Victoria Flägel
Victoria Flägel
Inhaber und Koch der Grünen Kombüse Heiner Jörhs steht mit seinem Imbisswagen dienstags bis donnerstags auf dem Neuen Markt. Foto: Victoria Flägel


Das dunkelbraune Holz lässt das Hellgrün der Wände in dem kleinen Restaurant in der Rostocker Altstadt strahlen. In der Grünen Kombüse wird seit 2015 nur mit pflanzlichen Produkten gekocht. Heiner Jörhs und Josef Czerwinski, Inhaber und Köche der Grünen Kombüse, leben seit etwa sieben Jahren vegan und hatten die Idee, ein veganes Biorestaurant in Rostock zu eröffnen.

„Es kommen so unterschiedliche Leute zu uns“, sagt Mitinhaberin Dietlind Arndt, die sich selbst seit 20 Jahren nicht vegan, aber vegetarisch ernährt. „Auf Käse kann ich nicht verzichten“, gibt sie zu.

Vor allem im Sommer sei die Grüne Kombüse sehr gut besucht. „Im Herbst haben wir zwar weniger Besucher, aber im Schnitt werden es immer mehr. Die Gäste schätzen uns wegen unserer bodenständigen Hausmannskost“, sagt sie. Vor allem die Bratkartoffeln seien hoch gelobt.

Quelle: ABCD AgenCY UG / GRAFIK: Denny Schröter
Quelle: ABCD AgenCY UG / GRAFIK: Denny Schröter


„Es kommen aber auch viele zu uns, die nicht vegan sind. Sie kommen, weil das Essen einfach schmeckt“, ergänzt Arndt. Neben dem Restaurant betreibt das Trio einen Cateringservice und dienstags bis donnerstags einen Imbisswagen am Neuen Markt. „Ich hole mir mindestens ein Mal die Woche in meiner Pause hier mein Mittag“, sagt Thomas Witt vom Juwelier direkt gegenüber. „Ich möchte mir gelegentlich etwas Fleischloses gönnen“, ergänzt er.

Da hauptsächlich mit saisonalen Lebensmitteln gekocht wird, gibt es alle drei Monate eine neue Karte. Außerdem werden keine Fertigprodukte verwendet. Sogar der Ketchup wird selbst hergestellt, und zwar mit Datteln als Zuckerersatz. Das einzige, was nicht selbst hergestellt wird, ist das Eis: „Das kaufen wir von dem veganen Eisladen Veis in der KTV.“

Mehr Auswahl im Café Glücklich in Wismar

Katharina Glücklich bietet in ihrem Café Speisen für jede Ernährungsweise und für Menschen mit Unverträglichkeiten an. Foto: Manja Potts
Manja Potts
Katharina Glücklich bietet in ihrem Café Speisen für jede Ernährungsweise und für Menschen mit Unverträglichkeiten an. Foto: Manja Potts

Katharina Glücklich werkelt seit 8 Uhr in ihrer Küche herum. Duftende Bagel liegen auf einem Backblech, Brotaufstriche hat sie angerührt, Torten gebacken. Vorne füllen sich die elf Tische im Café Glücklich in der Wismarer Schweinsbrücke langsam und ein Pärchen guckt lange in die Karte. Die junge Frau ist seit kurzem Veganerin und kann sich nicht recht entscheiden und sagt dann „wir gehen kaum noch aus.“

„Das ist der Klassiker“, sagt Katharina Glücklich kurze Zeit später in ihrer Küche. Wer vegan essen will, hat es in vielen Cafés und Restaurants schwer, etwas zu finden. In dem Wismarer Café ist die Auswahl hingegen groß. Die weißen Brötchen und Bagel sind vegan, die Marmelade auch, viele Brotaufstriche, Waffeln, Quiche und Kuchen. „Ich mache das aber nicht nur für Veganer“, sagt Katharina Glücklich. Sie wolle möglichst vielen Kunden etwas anbieten können. So finden auch Menschen mit Unverträglichkeiten vieles auf ihrer Karte. Oder einfach jene, die Lust auf gutes Essen haben. „Wir machen hier alles selber, deshalb wissen wir auch genau, was in unserem Essen drin ist.“

Seit zehn Jahren gibt es das Café in Wismar. Dienstags ist sogar Vegan-Tag, dann stehen noch mehr Speisen zur Auswahl. „Es ist einfach, vegan zu kochen“, sagt Katharina Glücklich. „Eigentlich muss man nur etwas weglassen.“ Reine Veganer zählt sie wenige unter ihren Gästen. Schon eher Vegetarier. „Viele wollen sich bewusst ernähren.“

Mittlerweile habe es Veganer in der Hansestadt etwas leichter, Essbares zu finden. Ein Suppenladen bietet Veganes an, ein kleines Bistro nahe der Schweinsbrücke auch. Beim Italiener gibt es Pastagerichte, die sich mit der veganen Lebensweise vertragen.

Die Ernährungsweise in MV

Eine neue Studie von Caterwings, einem Online-Marktplatz, hat ebenfalls die Frage aufgegriffen, wie viele Restaurants vegane oder vegetarische Speisen anbieten. Zum anderen schlüsselt die Studie auf, wie viele Vegetarier es in den jeweiligen Bundesländern gibt sowie wie hoch jeweils der Frauen- und Männeranteil ist. Außerdem geht es um den durchschnittlichen Konsum von Fleisch- und Wurstwaren, Milch und Käse sowie Eier.

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Laut der Studie ernähren sich 7,63 Prozent der Bundesbürger bewusst vegetarisch oder vegan. Das sind insgesamt 6,31 Millionen Vegetarier. In Mecklenburg-Vorpommern sind von den 1.610.674 Einwohnern nur 2,4 Prozent Vegetarier, das sind 38.656 Menschen. Der Großteil (27.021) sind Frauen. Mit 2,4 Prozent liegt Mecklenburg-Vorpommern deutlich unter dem Bundesschnitt und gleichauf mit Schleswig-Holstein auf Platz 9 aller Bundesländer. Spitzenreiter ist deutschlandweit Nordrhein-Westfalen. Dort ernähren sich 20,9 Prozent Vegetariern.

Quelle: ABCD AgenCY UG / GRAFIK: Denny Schröter
Quelle: ABCD AgenCY UG / GRAFIK: Denny Schröter


Doch können sich die Vegetarier eigentlich in den jeweiligen Landeshauptstädten entsprechend ernähren? Dazu haben die Studienmacher nach eigenen Angaben sowohl Daten der Städte als auch der Onlineportale Tripadvisor und Yelp ausgewertet. Allerdings ergibt das kein vollständiges Bild, da in dieser Portalen längst nicht alle Restaurants der jeweiligen Städte aufgezählt sind.

Grundsätzlich fällt in dieser Studie auf, das Schwerin im Vergleich mit allen anderen Landeshauptstädten nur 143 Restaurants hat. Auch Lieferdienste gibt es nur zehn. Unter den Restaurants finden sich laut der Auswertung außerdem lediglich vier, die vegane Speisen anbieten. Vegetarier werden immerhin in 24 Restaurants fündig. In Rostock gibt es laut der Studie 219 Restaurants, von denen 50 vegetarische und zehn vegane Speisen anbieten. Von 136 Restaurants in Wismar bieten 14 vegetarische und drei vegane Gerichte an. Die meisten Restaurants hat Berlin mit insgesamt 7615. Ebenfalls Spitze ist die Hauptstadt auch bei den vegetarischen Restaurants (2157) und den veganen Restaurants (942). Nicht weit entfernt werden Vegetarier und Veganer aus Mecklenburg-Vorpommern auch in Hamburg fündig. Von den 3631 Restaurants bieten 767 vegetarische und 222 vegane Gerichte an.

Männer essen die meisten Eier

Die Studie wirft auch einen Blick auf den Konsum tierischer Produkte in Deutschland und den Bundesländern, untereilt in Frauen und Männer. In allen Bundesländern essen die Männer pro Tag mehr Fleisch und Wurst als die Frauen. Für Mecklenburg-Vorpommern bedeutet das, dass Männer 172 Gramm pro Tag konsumieren, Frauen hingegen 82 Gramm. Bei Milch und Käse ist das insgesamt nicht so eindeutig, wobei in MV die Männer auch bei Milch-und-Käsekonsum mit 335 vor den Frauen liegen (241). Bundesweit essen die Männer aus Mecklenburg-Vorpommern die meisten Eier pro Tag, und zwar 29 Gramm. Bei den Frauen sind es 20 Gramm.

Quelle: ABCD AgenCY UG / GRAFIK: Denny Schröter
Quelle: ABCD AgenCY UG / GRAFIK: Denny Schröter

 

Hintergrund: Die Studie

Caterwings ist ein Online-Marktplatz mit Sitz in Berlin und London, der sich auf das Vergleichen und Bestellen von Catering-Angeboten für Unternehmen spezialisiert hat. Für die Anzahl der Restaurants wurden die offizielle Zahlen der Stadt, Yelp und TripAdvisor genutzt. Die Zahlen kommen außerdem aus dem Fleischatlas von 2016, der nationalen Verzehrstudie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft von 2008 sowie von Statista.

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