Stralsund Museum : Mit dem Bisamapfel gegen Körpergeruch

Als besonderes Exponat ist im Stralsund Museum eine Duftkugel aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts ausgestellt.

Als besonderes Exponat ist im Stralsund Museum eine Duftkugel aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts ausgestellt.

Stralsund Museum zeigt seltene Duftkugel

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09. Februar 2019, 10:07 Uhr

Ein Bisamapfel eröffnet die Reihe der besonderen Exponate, die das Stralsund Museum im Katharinenkloster den Besuchern in regelmäßigen Abständen im Foyer präsentiert. Der Riechapfel aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist eine ursprünglich aus dem Orient stammende Duftkugel. Sie besteht aus einem kunstvoll gearbeiteten Schmuckgehäuse in Apfel- oder Kugelform, wie die für Stadtgeschichte zuständige Historikerin Regina Nehmzow mitteilte. Die Kugel enthalte den auch Bisam genannten Moschus oder andere stark duftende Stoffe wie Harze und Hölzer, Gewürze oder Kräuter.

Eine Kugel aus Edelmetall als Allerheilmittel

Für Stralsund ist die Nutzung von Riechäpfeln Nehmzow zufolge erstmals in einer Urkunde von 1318 belegt. Die Duftkugeln kaschierten den eigenen Körpergeruch und galten als Universalheilmittel etwa bei Kopfschmerzen, Verdauungs- und Potenzproblemen sowie als Mittel zur Herzstärkung, zum Schutz vor Infektionen und zur Dämonenabwehr. Die  kleinen Behälter wurden am Hals getragen, vor das Gesicht gehalten oder an den Puls angelegt.

Bei Wohlhabenden dienten die meist aus Edelmetall gefertigten Kugeln als Schmuck. Aber auch Arme trugen oft einen Duftapfel bei sich.

Stralsunds Bürgermeister suchte Schutz vor der Pest

Er enthielt statt des kostbaren Moschus billige Kräuter, oft in durchlöcherten Holzdöschen. Große Verbreitung fanden Riechäpfel während der Pestepidemien. So verwendete der Stralsunder Bürgermeister Nikolaus Gentzkow während der Pest 1565 prophylaktisch nachweislich den Heilwurzelextrakt Midrithat. Obwohl Riechäpfel bis ins 17. Jahrhundert weit verbreitet waren, sind Nehmzow zufolge heute nur noch wenige Exemplare in Museen oder Privatsammlungen erhalten.

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