Spendenaktion Wünschewagen : Ein Urlaubstag in der Heimatstadt Rostock

Erinnerungsfoto für Helga und Heidrun Grüger (mitte) mit den Wünschewagen-Ehrenamtlern Frank  Pech und Carolin Anders vor dem Teepott.

Erinnerungsfoto für Helga und Heidrun Grüger (mitte) mit den Wünschewagen-Ehrenamtlern Frank  Pech und Carolin Anders vor dem Teepott.

Drei Jahre lang wohnt Helga Grüger schon in Rostock, doch weil sie schwer krank ist, hat sie kaum etwas von der Umgebung gesehen – der Wünschewagen schafft Abhilfe.

Karin.jpg von
13. Dezember 2019, 17:34 Uhr

„Das ist so ein schöner Urlaubstag, das glaubt ihr gar nicht.“ Helga Grüger strahlt – und alle anderen am Tisch strahlen auch. Das Essen in der Ausflugsgaststätte Wilhelmshöhe bei Warnemünde ist die Krönung eines Tages, an dem die Rostockerin endlich einen Eindruck davon bekommen hat, in welch wunderschöner Umgebung sie seit gut drei Jahren zu Hause ist.

Stand: Leser spenden 88 072 Euro

Für den Wünschewagen in Mecklenburg-Vorpommern haben unsere Leser bereits 74 669 Euro gespendet. In der Prignitz sind bislang 13 403 Euro auf dem Spendenkonto eingegangen. Dafür schon einmal ein großes Dankeschön! Zu den bisherigen Spendern zählen unter anderem:

Torsten Molle, Marion und Norbert Zelz (Zepelin), Annelore Bahls (Schwerin), Renate und Reinhard Wahlich (Gadebusch), Hildegard Rohde (Rostock), Brigitte Rohde (Rostock), Elke Grieser (Schwerin), Ursula und Gerhard Peters (Güstrow), Antje Klinger (Langen Brütz), Cornela und Jörg Schaffer (Wittenförden),  Edeltraud Wundrak, Fam. Gerhard Klohr (Lüttow), Christine und Michael Förstenberg (Dömitz), Britta und Helmut Meier (Rüterberg), Romy Terner (Schwerin), Edith und Uwe Kühne (Schwechow), Mechthild Dölling, Gemeinschaftspraxis Manuela Zander und Dr. Friedlinde Zerbst (Gresse), Mareen Rakowski (Güstrow), Dorit Mischke, Michaela Sachs (Lübtheen), Heike und Torsten Badel, Diana Lindner, Manfred Gretzki (Banzow), Peter Jedamski, Enertec Nord GmbH (Schwerin), Christa  Kölzow, bmp, bulkmedicines & pharmaceuticals production GmbH (Parchim), Karin und Stefan Koslik, Katrin Zube (Lüttenmark), Ines Mauer (Banzin), Petra und Roland Schwarzer  (Schwerin), Sigrid Borchert, Simone Timm-Koula (Marienthal), Annet und Rainer Buscheck (Kirch Jesar), Ingrid und Godehard Weichert (Schwerin), Sigrun und Roland Hinrichs, Regina Eimecke (Rostock), Gisela und Horst Timmermann, Carmen und Jürgen Jenzen (Grabow), Margitta und Horst Bulter (Zierzow), Andrea und Maik Gratz (Rehna), Rene Ulbrich (Rastow), Heizungsbau Heiko Deichmann (Mühlenbeck), Renate und Günter Behnck, Margret und Siegfried Leverkus (Warlow), Martina und Heiko Richter-Holst  (Groß Labenz), Dr. med. Ute Rentz (Schwerin), Adelheid und Gerhard Theil, Heiko und Jörg Thamm (Neustadt-Glewe), Giovanna Hagenstein (Schwerin) und Bärbel Bantau (Wittenberge).

  Juliane Welsk

500 Euro  hat  die  CDU-Fraktion   im Schweriner Landtag   für  unsere  Spendenaktion gesammelt. „Das Engagement der Initiatoren des Wünschenwagen ist beispielgebend in einer Gesellschaft, in der es mitunter rücksichtslos zugeht“, erklärt der Fraktionsvorsitzende  Vincent Kokert (v.l.).

 

Der Wünschewagen des ASB, den wir auch in diesem Jahr wieder mit unserer Spendenaktion unterstützen, hat es möglich gemacht.

Gesundheit machte ihr einen Strich durch die Rechnung

 „Meine Mutter hat in Brandenburg gewohnt, auf einem eigenen, großen Grundstück. Damit ist sie irgendwann allein nicht mehr fertig geworden“, erzählt ihre Tochter Heidrun Grüger, die die Wünschefahrt begleitet. Sie selbst sei 2014 der Liebe wegen nach Rostock gezogen und habe 2016 dann dort auch für ihre Mutter, die Haus und Hof verkauft hat, eine Bleibe gefunden.

Im Betreuten Wohnen, mit Balkon und Markise – alles, wovon ich geträumt habe. Helga Grüger
 

Doch die Freude am neuen Zuhause währte nicht lange, die Gesundheit machte der Mittsiebzigerin eine Strich durch die Rechnung. Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt stand fest, dass sie nicht mehr allein wohnen konnte. „Wir hatten großes Glück, in Lichtenhagen wurde damals ein neues Heim eröffnet und meine Mutter kam dort unter, bekam sogar ein Einzelzimmer“, erzählt Heidrun Grüger.

So gut wie alle Organe wollen nicht mehr

Doch viel hat Helga Grüger von diesem Zimmer seither nicht gehabt. Immer wieder musste sie in die Klinik. Die Aufenthalte wurden immer länger, die Phasen dazwischen immer kürzer. „Jetzt bin ich schon wieder fünf Wochen im Krankenhaus, vorher war ich gerade mal drei Tage zu Hause“, erzählt die alte Dame traurig. Herz, Lunge, Nieren – so gut wie alle Organe wollen nicht mehr. Kraft und Luft reichen gerade noch aus, um am Rollator ein paar Schritte auf dem Krankenhausflur zu machen.

Ansonsten ist sie auf einen Elektrorollstuhl angewiesen. „Und der ist so groß, dass ich sie damit nie und nimmer in mein Auto bekomme“, ergänzt die Tochter. Es sei deshalb einfach großartig, dass die Oberärztin der Klinik für Innere Medizin am Rostocker Südstadtklinikum, Frau Dr. Zimmermann, die Idee hatte, den Wünschewagen für ihre Mutter zu ordern.

Sie ist noch nie in Warnemünde gewesen

Nach Warnemünde soll die Fahrt gehen, denn obwohl das Seebad nur wenige Kilometer vom Heim der Seniorin entfernt liegt, ist sie noch nie dagewesen. Dass der Himmel an diesem Tag wieder einmal seine Schleusen geöffnet hat, tut der Vorfreude keinen Abbruch. Sie habe nachts schon um zwei nicht mehr schlafen können, erzählt Helga Grüger, während Frank Pech den Wünschewagen routiniert auf die Stadtautobahn lenkt. Das sei zum einen ihrer Luftnot geschuldet gewesen, aber auch der Aufregung vor dem Ausflug.

Von der ist im Auto allerdings nichts mehr zu spüren – eher von der Erschöpfung nach der weitgehend schlaflosen Nacht. Mehrmals nickt Helga Grüger ein. Auch später, bei der Hafenrundfahrt auf der „Käpp’n Brass“, fallen der 77-Jährigen immer wieder die Augen zu. „Ich mach wohl eine Schlummerfahrt“, scherzt sie über sich selbst, nachdem ihre Tochter sie mit sanftem Streicheln wieder geweckt hat.

Als gleich nach dem Ablegen der Teepott zu sehen ist, staunt die Seniorin: „Oh, den habe ich also fast vor der Tür…“ Im Hafen erweist sich dann neben dem Kapitän des Ausflugsschiffs auch Frank Pech als fachkundiger Führer. Helga Grüger hängt an seinen Lippen – und fragt ihn in einer Pause, als es nicht Neues zu sehen gibt: „Machen Sie das eigentlich jede Woche, dass Sie mit dem Wünschewagen unterwegs sind?“ „Nur, wenn so schöne Frauen zu fahren sind“, gibt der zurück.

Beim Blick  auf  die  Ostsee  lässt  jede   die  Gdanken  schweifen.
Karin Koslik

Beim Blick  auf  die  Ostsee  lässt  jede   die  Gdanken  schweifen.

 

„Und Sie?“, wendet sich Helga Gröger schnell an Carolin Anders, die zweite Ehrenamtlerin, die diesen freien Tag statt mit der Familie im Wünschewagen verbringt. Für die 32-Jährige ist es die erste Wünschewegenfahrt überhaupt. Beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr in Warnemünde hatte sie vor einigen Wochen zum ersten Mal von dem Projekt gehört – und sich sofort beworben. Mit ihren Erfahrungen als Intensivschwester war die junge Frau, die nach sechs Jahren im Krankenhaus noch einmal Berufsschulpädagogik studiert hat, im Wünschewagen-Team hoch willkommen.

Fotos als Erinnerung an diesen besonderen Ausflug

Helga Grüger hört aufmerksam zu, fragt nach. Dann posiert sie mit ihrer Tochter zusammen für ein Foto, dass die gleich ihrem Bruder schicken will. Immer wieder stecken beide die Köpfe zusammen, tauschen Erinnerungen aus. „Das konnte mein Mann auch“, erzählt die Seniorin ihren Begleitern vom Wünschewagen, als im Schiffsrestaurant leise Akkordeonmusik erklingt. Ob sie hier nicht vielleicht ihren 80. Geburtstag feiern könnte, fragt sie die Tochter dann. Jemand aus dem Heim hätte auf so einem Schiff geheiratet, da müsse man es doch bestimmt auch für andere Feiern mieten können. Die Tochter nickt. „Wir versuchen das“, verspricht sie.

Als das Schiff wieder anlegt, reißt die Wolkendecke auf. Carolin Anders schiebt Helga Grüger im Rollstuhl durch Warnemünde. Vor dem Leuchtturm und dem Teepott gibt es weitere Fotos als Erinnerung an diesen besonderen Ausflug. Als eine Fähre auf die Ostsee hinausfährt, schaut Helga Grüger ihr lange hinterher. Ihre Tochter legt ihr schweigend eine Hand auf die Schulter – wie so oft an diesem Tag.

Nach fünf Stunden sind die Kräfte verbraucht

Als es schließlich allen Beteiligten zu kalt wird, geht es zurück zum Wünschewagen – und dann weiter zur Wilhelmshöhe. Von hier aus will Helga Grüger eigentlich noch einen Abstecher auf den Rostocker Friedhof machen, auf den nach ihrem Umzug die Urne ihres verstorbenen Mannes umgebettet wurde. Doch nach beinahe fünf Stunden sind ihre Kräfte jetzt aufgebraucht. Carolin Anders fühlt den Puls der alten Dame, die plötzlich nicht nur wieder über Luftnot, sondern auch über schlimme Kopfschmerzen klagt. Nach einer kurzen Unterhaltung gibt sie Frank Pech das Signal: „Wir fahren zurück zum Krankenhaus.“

Dort drückt Helga Grüger allen noch einmal fest die Hand, bedankt sich bei jedem einzelnen, der sie begleitet hat – an ihrem Urlaubstag in der Heimatstadt.

Wünschewagen: So können Sie helfen

Werden auch Sie ein Wunscherfüller:

ASB-Landesverband MV e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE82 1002 0500 0001 4951 00
BIC: BFSWDE33BER
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

ASB-LV Brandenburg e.V.
IBAN: DE49 100 20 50 0000 3545 401
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

Wunschanmeldungen:
www.wuenschewagen-mv.de
www.asb-lv-bbg.de/wuenschewagen

Bitte schreiben Sie für die Spendenquittung Ihren Namen und Ihre Adresse in die Zeilen für den Verwendungszweck. Vermerken Sie dort auch, falls Sie in der Zeitung als Spender genannt werden möchten.

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