Schweres Flugzeugunglück über Malchow : Flugschreiber der Eurofighter entdeckt - Pilot nur leicht verletzt

Mitarbeiter der Flugsicherheit der Bundeswehr ziehen sich Schutzkleidung an, um Wrackteile eines Eurofighters zu untersuchen.

Mitarbeiter der Flugsicherheit der Bundeswehr ziehen sich Schutzkleidung an, um Wrackteile eines Eurofighters zu untersuchen.

Die Kollision zweier Luftwaffen-Jets über der Ferienregion Mecklenburgische Seenplatte löst heftige Debatten aus. Bei der Suche nach Wrackteilen gibt es Fortschritte. Offen ist die Frage: Was war die Ursache?

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25. Juni 2019, 17:31 Uhr

Die Bundeswehr will auch nach der Kollision zweier Eurofighter-Kampfjets nicht auf Luftkampfübungen über besiedelten Gebieten in Deutschland verzichten. Solche Flüge seien für die Einsatzbereitschaft der Besatzungen nötig, sagte der Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. "Den Flugbetrieb, um wirklich auch einsatzbereit zu sein, verlagern wir zum großen Anteil mittlerweile in den Simulator und auch ins Ausland", sagte der Generalleutnant. Die beiden Flugdatenschreiber der Eurofighter wurden inzwischen geborgen.

 

Frage nach den Schutzanzügen geklärt

Hunderte Bundeswehrsoldaten durchkämmten am Dienstag die Region um die Absturzstellen in Mecklenburg-Vorpommern auf der Suche nach weiteren Wrackteilen. Viele Anwohner und Beobachter wundern sich dabei über die Schutzanzüge, die einige Soldaten beim Absuchen der Absturzstelle tragen. Die Luftwaffe teilte per Twitter mit, dass das mit dem kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff (CFK) zusammenhinge, der beim Bau der Eurofighter verwendet würde. Dieses Material dürfe nicht eingeatmet werden.

Ein Mitarbeiter der Gemeinde Nossentiner Hütte hatte in unmittelbarer Nähe eines Kindergartens ein etwa halbes Meter langes Bauteil auf einem Sportplatz gefunden.

Ein Wrackteil eines Eurofighters liegt auf der Spielwiese desKindergartens.
Christophe Gateau/dpa

Ein Wrackteil eines Eurofighters liegt auf der Spielwiese des Kindergartens.

 

Detonationen am Dienstagabend

Bewohner aus Nossentiner Hütte sollen am Abend zwei Detonationen gehört haben. Das berichtet "Wir Sind Müritzer" auf seiner Facebook-Seite. Demnach haben die Detonationen für Verunsicherungen bei den Anwohnern gesorgt. Es könnte sich dabei um gezielte Sprengungen der Bundeswehr gehandelt haben. Diese hat sich dazu allerdings noch nicht geäußert.

 

Gegen militärische Tiefflüge in Urlauberregionen

Der Bürgermeister von Waren an der Müritz, Norbert Möller (SPD), sprach sich für einen Verzicht auf militärische Übungstiefflüge in Urlauberregionen aus. "Viele Touristen haben kein Verständnis dafür, dass ausgerechnet rings um die Müritz solche Tiefflüge geübt werden", sagte Möller. Auch Landespolitiker von Linken und Grünen forderten ein Verbot oder zumindest eine kritische Prüfung der Tiefflüge.

Die beiden Maschinen waren am Montag in der Region Malchow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte bei einer Luftkampfübung kollidiert. Beiden Piloten gelang es noch, die Schleudersitze zu aktivieren. Einer wurde von Rettungsmannschaften lebend aus einem Baum geborgen. Der zweite Pilot wurde später tot gefunden.

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Überlebender Pilot verlässt Krankenhaus

Der überlebende Pilot stand am Dienstag kurz vor seiner Entlassung aus einem Rostocker Krankenhaus. Er gilt als erfahrener Fluglehrer mit mehr als 3700 Flugstunden Erfahrung. "Ich habe ihn gestern im Krankenhaus aufgesucht. Er hat lediglich ein paar Kratzer, und er wird auch heute aus dem Krankenhaus entlassen", sagte Gerhartz. Der Getötete, ein 27-jähriger ausgebildeter Kampfpilot, habe rund 400 Stunden Flugerfahrung gehabt, twitterte die Luftwaffe.

 

Die beiden abgestürzten Jets gehörten zum Luftwaffengeschwader 73, das in Laage bei Rostock stationiert ist. Seine Hauptaufgabe ist die Ausbildung der Eurofighter-Piloten. In dieser Woche starten von dort voraussichtlich keine Jets mehr, wie ein Sprecher sagte. Da die Unglücksursache noch unklar sei, werde der Flugbetrieb ausgesetzt. Auch die Crews müssten den Vorfall erst verarbeiten.

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Solche Kampfjets starten normalerweise aus Laage etwa 20 Mal pro Tag. Das Gebiet, in dem sie fliegen, könne dabei jeden Tag wechseln, da es von der Deutschen Flugsicherung zugewiesen werde, hieß es. Manchmal werde wie am Montag über der Seenplatte geflogen, manchmal auch über Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Brandenburg.

Eine unsinnige Debatte?

Der CDU-Politiker Henning Otte verteidigte solche Übungen. "Die Bundeswehr muss dort üben, wo sie im Bedarfsfall auch verteidigt", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Deutschlandfunk. Er äußerte Unverständnis über die Forderung der Linken im Schweriner Landtag, die Luftkampfübungen zu beenden.

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Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), hält die Debatte für Unsinn: "Für die Besatzungen das Gefährlichste wäre es, nicht zu üben", sagte Bartels dem Berliner "Tagesspiegel". Das Problem sei, von dem Unglück ganz unabhängig, dass es viel zu wenig Flugstunden gebe - "über alle Flugzeuggattungen hinweg". Die Piloten müssten üben, üben, üben.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) äußerte sich zurückhaltend zu Forderungen, Übungsflüge der Luftwaffe in der Tourismusregion Mecklenburgische Seenplatte einzuschränken oder gar einzustellen. "Ich kann verstehen, dass nach so einem Unglück diese Diskussionen wieder aufflammen. Ich glaube aber, dass es zunächst sehr wichtig ist, dass die Unfallursache untersucht wird, dass schnell aufgeklärt wird, woran hat es gelegen", sagte Schwesig am Dienstag bei einem Besuch in Nossentin.

Ministerium verteidigt Eurofighter

Das Verteidigungsministerium wies Spekulationen zurück, die Flugzeuge seien in keinem guten Zustand. So sei die Einsatzfähigkeit der Eurofighter heute deutlich gestiegen und liege nun bei 60 Prozent, sagte ein Sprecher. Wenn die Quote der einsatzbereiten Jets weiter Richtung 70 Prozent steige, sei Deutschland unter den besten Ländern.

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