Debatte um „Fridays-for-Future“-Demos : Schulschwänzer oder Klimaretter?

Auf der Schülerdemo am vergangenen Freitag im Schwerin
Auf der Schülerdemo am vergangenen Freitag im Schwerin

Eine Umweltbewegung emotionalisiert und spaltet das Land über Generationengrenzen hinweg.

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18. März 2019, 20:00 Uhr

„Fridays for Future“ – seit Wochen gehen weltweit Schüler an Freitagen auf die Straße, um für Klimagerechtigkeit und gegen drohende Klimakatastrophen zu demonstrieren. „Nichts als Schulschwänzer“, nörgeln die einen und ätzen, dass niemand der Kids an einem freien Sonnabend demonstrieren oder auf die tolle Klassenfahrt nach Rom, natürlich mit dem Flugzeug, verzichten würde. „Ein Wunder des Engagements“ loben hingegen andere die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihre Jünger auf allen Kontinenten, die für sich eine saubere, lebenswerte Zukunft einfordern.

Auch uns erreichen Tag für Tag Leserbriefe und Online-Kommentare, die das Für und Wider der Schülerdemos heftig und kontrovers diskutieren. Hier eine kleine Zusammenschau von Reaktionen:

Martin Eckert, Dadow:

Dass Schüler sich solidarisieren, für aktuelle Zeitgeschehnisse interessieren und sogar demonstrieren, ist durchaus lobenswert. Jedoch erscheinen die Intentionen dieser „Milleniumsgeneration“ ähnlich konstruktiv wie die alberne Forderung: „Weg mit den Alpen, freie Sicht auf Norditalien!“ Und? Wie sind die Lösungsvorschläge, die unseren jugendlichen Aktivisten so vorschweben? „Weg mit dem Klimawandel, zurück zum Mittelalter?“

Im Geographieunterricht (Planet Erde) sollten sie gelernt haben, dass Klimaveränderungen geologisch zyklische Erscheinungen auf diesem Planeten sind. Und der neuzeitliche Mensch ist nur ein geringfügig beteiligter Zuschauer eines grandiosen Naturschauspiels. Die Erde war schon mehrfach tausende von Jahren komplett eisfrei und deutlich wärmer. Und dagegen können wir „intelligenten“ Menschlein ebenso wenig tun, wie gegen Erdbeben oder Vulkanausbrüche.

 

Karin Schröder, Mühlen Eichsen:

Ich finde es sehr gut, dass sich die Schüler für die Umwelt einsetzen. Aber mir drängen sich zwei Fragen auf: Wie viele würden demonstrieren, wenn die Demo nach der Schule oder am Sonnabend stattfände? Wie viele haben sich schon Gedanken gemacht, was sie selbst tun können, z. B. öffentliche Verkehrsmittel nutzen, statt sich bis vor die Schultür fahren zu lassen? „Das Schwerste ist die Forderung an sich selbst.“

 

Johanna Köhnlein, Schwerin:

Über viele Generationen hatten Eltern das Ziel, dass es ihren Kindern einmal besser gehen soll. Das ist nun vorbei. Aus meiner Sicht ist es daher ein großer Gewinn, wenn sich weltweit Jugendliche in die Diskussion um einen wirksamen Klimaschutz einbringen! Hier wächst offenbar eine global-vernetzte Zivilgesellschaft heran, die verstanden hat, dass es im Klimaschutz keine nationalen Lösungen geben kann.

Wer hier argumentiert, dass kein triftiger Grund vorliegen würde, dies (auch) während der Schulzeit zu tun, schätzt die Dramatik des Klimawandels falsch ein. Unlängst streikten Lehrerinnen und Lehrer während der Schulzeit und da ging es – bei allem Respekt – nur um mehr Geld.

 

Brunhilde Brauer, Schwerin:

Schulpflicht ist eine große Errungenschaft unserer Gesellschaft. Diese Errungenschaft wird in unserer heutigen Zeit immer wichtiger, weil die Wissenschaft für die ständige Weiterentwicklung hochgebildete Menschen braucht. Wir können es uns nicht leisten, dass die Schulbänke Freitag für Freitag leer bleiben. Wenn Ihr denkt, dass Ihr was zu sagen habt, dann tut es in Eurer Freizeit.

Aus „Fridays for Future“ wird eine Generation von dummen Grünlingen, die keine Zusammenhänge mehr erkennen können, die weder vorausdenkend noch innovativ sein werden. Glücklicherweise müssen die nicht mehr meine Rente erwirtschaften. Denn Wirtschaften haben die Schulschwänzerkids ja nicht gelernt.

 

Thomas Selendt (Social Media):

Links-grüner Populismus – und Kinder werden für diesen Unsinn instrumentalisiert! Unfassbar. Liebe Greta-Gläubige, bitte nutzt Euer Schulschwänzen doch einfach mal für etwas Soziales! Von 8 bis 10 Uhr demonstriert ihr gegen Altersarmut! Von 11 bis 13 Uhr besucht ihr einsame Menschen! Von 13 bis 14 Uhr helft ihr bei der Essenausgabe! Von 15 bis 16 Uhr geht es in die Kleiderkammer! Danach seid ihr so müde, dass ihr keinen Bock mehr auf Smartphone und Musikhören habt und gleich einschlaft! Noch nie habt ihr an einem Tag mehr ENERGIE gespart!

 

Dennis Meyer (Social Media):

Wasser predigen und Wein saufen. Nehmt den Gören mal den klimaschädlichen Luxus, da wollen wir mal sehen, was da passiert! Grundsätzlich finde ich es gut, dass sich Menschen bewegen und aus ihrer Komfortzone kommen... Es bleibt die Frage, ob es freitags sein muss...

 

Aber eigentlich machen es die Kids doch genau richtig… Sie polarisieren und machen aufmerksam und jeder redet darüber... Vielleicht fühlen sich die Generationen nach diesen Schülern auch nur am Ego gekratzt… Diese Kinder zeigen eben, wie einfach Demokratie geht…

 

Kommentar von Eike Moldenhauer: Note 1 – weiter so!

Die Jugend von heute! Was haben wir Alten nicht über die heranwachsende Generation gewettert. Ungebildet sei sie, planlos gefangen zwischen Instagram und Fortnite, ohne Vision, ohne Werte.
Und nun, wo die Schüler ihre Stimme erheben, um auf die Bedrohung des Klimas hinzuweisen und für eine lebenswerte Zukunft zu demonstrieren, hat der deutsche Michel nichts besseres zu tun, als die Protestierer in Misskredit zu bringen – mit Methoden, die so frappierend an die Maschen der „besorgten Bürger“ erinnern. Da werden Fotos dubioser Herkunft verbreitet, auf denen Müllberge nach den Demos zu sehen sind, das Gesicht der Bewegung, Greta, als PR-Objekt gebranntmarkt, absurde Forderungen aufgestellt, auf Smartphone und private Verkehrsmittel zu verzichten. Von sachlichem Disput keine Spur.
Doch eins zeigt der Shitstorm der konservativen Alten unverblümt: Die Proteste treffen diese Gesellschaft an einer sensiblen Stelle. Sie emotionalisieren. Und vielleicht sensibilisieren sie auch für die Verfehlungen in der Klimapolitik. Ein gutes Ergebnis für die Schüler. Note 1! Weiter so!
 
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