Bildung in MV : Schulen öffnen für Zehnt- und Zwölftklässler

Der normale Schulalltag ist noch in weiter Ferne. Doch macht Mecklenburg-Vorpommern einen ersten Schritt dorthin. Die Schüler haben Abschlussprüfungen vor der Brust.

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26. April 2020, 16:44 Uhr

Mit der Rückkehr der Abschlussklassen leitet Mecklenburg-Vorpommern die Wiederöffnung der Schulen im Land ein. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) rief vor dem Schulstart am Montag zu Geduld und Rücksichtnahme auf. Wegen der anhaltenden Corona-Epidemie seien strenge Hygieneregeln zu befolgen und unter den neuen Bedingungen müsse sich der Schulbetrieb auch erst einspielen. „Keiner erwartet, dass der ganz normale Unterricht am Montag losgeht. Alle sollen die Gelegenheit haben, sich auf die neue Situation einzustellen“, erklärte Martin. Wichtig sei, dass alle das Abstandsgebot und die Hygieneregeln einhielten.

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Teilnahme am Unterricht freiwillig

Um die Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus einzudämmen, waren Mitte März im Nordosten neben Geschäften, Hotels, Gaststätten und Kitas auch die Schulen geschlossen worden. Unterricht wurde weitgehend über das Internet erteilt. Nun können erstmals wieder Schüler in ihre Schulen zurückkehren. Dies trifft laut Martin auf rund 20 480 Jugendliche zu, die die Mittlere Reife, das Abitur oder einen beruflichen Abschluss anstreben. Ihnen werde die Möglichkeit gegeben, sich in der Schule mit Hilfe der Lehrer auf ihre Prüfungen vorzubereiten.

Die Teilnahme an diesem Unterricht sei freiwillig. Lehrer müssen hingegen zum Dienst erscheinen, selbst wenn ein Familienmitglied zu Hause zur Corona-Risikogruppe zählt. Für die Klassenstufe 11 an Gymnasien und Gesamtschulen sowie die Klasse 12 an Abendgymnasien würden Konsultationen ermöglicht, hieß es. Später sollen auch andere Klassenstufen wieder zurückkehren. „Wir öffnen unsere Schulen schrittweise und behutsam“, betonte Martin.

„Sicherheit geht vor Eile“

Lehrer-, Eltern- und Schülervertretungen hatten sich in der Vergangenheit auch kritisch zu Konzept und Umständen der Wiederöffnung der Schulen geäußert. Umstritten ist unter anderem, wann welche Klassenstufen wieder in den Schulalltag integriert werden sollen, ob unter den gegebenen Umständen Abschlussprüfungen überhaupt sinnvoll und nötig sind - und ob der Gesundheitsschutz ausreicht.

So sieht der Hygieneplan des Ministeriums nicht vor, die Schultoiletten mit Handdesinfektionsmitteln auszustatten. „Das hat uns überrascht. Das sieht in anderen Bundesländern anders aus“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes Bildung und Erziehung (VBE), Michael Blanck. „Sicherheit geht vor Eile“, mahnte er. Die Bildungsgewerkschaft GEW zog in Zweifel, dass angesichts der personellen und baulichen Situation die Schulen in der Lage sein werden, wie angestrebt die Lerngruppen zu verkleinern, um so die Ansteckungsgefahr gering zu halten.

Das sind die Verhaltensregeln

Laut Martin hat das Bildungsministerium in einem Schülerbrief an die Jugendlichen, für die am Montag die Schule startet, die geltenden Verhaltensregeln für den Schulbesuch während der Corona-Pandemie aufgelistet. Dazu gehören regelmäßiges Händewaschen, das Einhalten des Mindestabstandes von 1,5 Metern und der Verzicht auf Umarmungen. „Bei Atemwegserkrankungen und Fieber bleiben Sie bitte zu Hause und konsultieren möglichst einen Arzt“, heißt es in dem Brief zudem.

Erweiterte Notfallbetreuung für Kinder

Martin forderte Schülerinnen und Schüler auf, sich einen Mund-Nasen-Schutz zu besorgen. „Alle brauchen einen Mund-Nasen-Schutz. Im Schulbus ist er Pflicht“, erinnerte die Ministerin an die ab Montag landesweit geltende Maskenpflicht im Nahverkehr und beim Einkaufen. Der Schülerverkehr läuft den Angaben zufolge dann zumeist wieder nach den alten Plänen. Im Schulgebäude sollen Schutzmasken oder Tücher aber nur in den Pausen getragen werden, wenn sich viele Schüler auf den Fluren aufhalten.

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Nach Angaben der Ministerin gilt ebenfalls ab Montag auch eine erweiterte Notfallbetreuung für Kinder. Wie in den Kitas würden auch an den Schulen Kinder aufgenommen, wenn ein Elternteil in einem Bereich der kritischen Infrastruktur tätig ist. Bisher gab es einen Betreuungsanspruch nur, wenn beide Eltern in einem solchen Bereich tätig sind.

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