Schlossfestspiele 2020 : Schildbürger im doppelten Schloss

Bühnenbildner Joachim Hamster Damm lässt die Schildbürger vor dem realen Schloss und einer nachgebauten Schlosskulisse agieren.
Bühnenbildner Joachim Hamster Damm lässt die Schildbürger vor dem realen Schloss und einer nachgebauten Schlosskulisse agieren.

Mecklenburgisches Staatstheater präsentierte Bühnenbilder für Schlossfestspiele 2020. „Fidelio“ vor dem Brandenburger Tor.

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04. März 2020, 19:00 Uhr

„Fidelio“ auf dem Alten Garten vor dem Brandenburger Tor und „Die Schildbürger“ im Innenhof des Schweriner Schlosses in Kulissen, die genau dieses Schloss zitieren – beide Bühnenbilder für die diesjährigen Schlossfestspiele Schwerin dürften für viel Gesprächsstoff sorgen.

Modelle als Vorgeschmack

Gestern stellten die Teams um Regisseur Roman Hovenbitzer („Fidelio“) und Schauspieldirektor Martin Nimz („Die Schildbürger“) erste Ideen für die beiden Sommerinszenierungen unter freiem Himmel vor. Naturgemäß können die Modelle nur ein eher nüchterner Vorgeschmack auf die derzeit entstehenden Bühnenbilder sein. Allein das Brandenburger Tor wird einmal 12 Meter hoch und 24 Meter breit sein, wie sein Schöpfer Roy Spahn verriet.

Beethovens einzige Oper, 20 Jahre nach der Französischen Revolution geschrieben, sei ein „wahnsinnig politisches Stück“ und schreie darum geradezu nach einem starken politischen Symbol, begründete Regisseur Hovenbitzer die Entscheidung für ein so geschichtsträchtiges Bauwerk. Dessen Bühnenzwilling auf dem Alten Garten nicht den Blick von den Zuschauertribünen aufs Schloss verdecken soll.

Vorstellung im Beethoven-Jahr

Über 170 Mitwirkende werden ab dem 12. Juni dafür sorgen, dass „Fidelio“, diese Freiheits- und utopische Festoper, im Beethoven-Jahr auf einem der schönsten Plätze Norddeutschlands – dem Jubiläum angemessen – erklingen wird.

Etwas kleiner, nichtsdestotrotz mit dem gesamten Schauspielensemble, werden dann parallel in 21 Vorstellungen im Hof des Schweriner Schlosses die Streiche der gar nicht so tumben Schildbürger zu erleben sein – in einer Fassung von Otfried Preußler („Räuber Hotzenplotz“). „Einen Heidenspaß“ verspricht Schauspieldirektor und Regisseur Martin Nimz. Die Idee von Stück und Inszenierung: Die Leute aus Schilda sind in Wirklichkeit schlau und werden darum von aller Welt als Berater rekrutiert.

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Das gefällt ihren Frauen natürlich gar nicht, so dass sich die Klugen blöd geben, Licht ins Rathaus tragen oder gar Salz säen. Doch als sie dann versuchen, wieder klug zu werden, nimmt ihnen das niemand mehr ab. Bühnenbildner Joachim Hamster Damm greift für die Kulissen von Schilda auf architektonische Elemente des Schlosses zurück, zitiert u. a. die typischen Terrakottaziegel. Um flexible Spielorte zu schaffen, bedient er sich drehbarer Elemente, wie sie schon im antiken oder Renaissance-Theater üblich waren.

Kartenverkauf läuft rasant an

Wer nun fragt, warum die Schildbürger ihr witziges und aberwitziges Tun zwischen Bürgerpflicht und Privatinteresse ausgerechnet im Schloss zelebrieren, könnte vielleicht zu Recht auf dumme Gedanken kommen. Jedenfalls will das Schauspielensemble auch gegenwärtige Schildbürgerstreiche nicht ignorieren.

Nur nebenbei: Ein Drittel der Karten für beide Vorstellungen ist bereits verkauft.

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