Mecklenburg-Vorpommern : Ruhiger Schulstart für die ersten Schüler nach sechs Wochen

Die Corona-Krise ist auch eine Bewährungsprobe für unser Bildungssystem.
Die Corona-Krise ist auch eine Bewährungsprobe für unser Bildungssystem.

Am Montag sind als erste die Abschlussklassen für die Prüfungsvorbereitung in die Schulen zurückgekehrt.

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27. April 2020, 13:16 Uhr

Für die ersten rund 20 000 Schüler in Mecklenburg-Vorpommern hat am Montag der reguläre Unterricht wieder begonnen. Im Innerstädtischen Gymnasium Rostock betraf dies nach Angaben von Schulleiter Markus Riemer knapp 130 Abiturienten, für die prüfungsvorbereitender Unterricht stattfand. Am Gymnasium Carolinum in Neustrelitz waren es rund 140 Abiturienten sowie zehn Zehntklässler, die die Mittlere Reife anstreben. An der Regionalen Schule Neukloster (Nordwestmecklenburg) kamen die 33 Zehntklässler, die zu den Prüfungen antreten wollen, wie Schulleiter Roland Polzin sagte. Vier hätten erklärt, die zehnte Klasse wiederholen zu wollen.

Zweimal wöchentlich freiwillige Tests

Der erste Tag sei geordnet, diszipliniert und ruhig verlaufen, hieß es übereinstimmend. Am Gymnasium Carolinum wurden die Schüler am Morgen einzeln eingelassen und zunächst zum Händewaschen und -desinfizieren geschickt, wie Schulleiter Henry Tesch berichtete. Im Klassenraum, wo die Tische auf Abstand stünden, hätten sie ihre Masken abnehmen dürfen.

Im Freien habe es zudem die Gelegenheit zum freiwilligen Corona-Test für Lehrer, Schulpersonal und Schüler gegeben. Dies soll künftig zweimal pro Woche angeboten werden, so Tesch. Das eröffne die Chance, Infektionen mit dem Coronavirus schnell mitzubekommen und eine Ausbreitung zu verhindern. Etwa zwei Drittel der mehr als 200 Menschen, die am Montag in der Schule waren, hätten mitgemacht.

Mischung aus Präsenz- und Heimunterricht

Am Montag sind in MV als erste die Abschlussklassen für die Prüfungsvorbereitung in die Schulen zurückgekehrt. Dies sind die 12. Klassen am Gymnasium, die 10. Klassen an den Regionalen Schulen und die Abschlussklassen an den Berufsschulen. Am 4. Mai sollen weitere Klassenstufen folgen: die 4. Klassen der Grundschulen, die 9. Klassen an den Regionalen Schulen und die 11. Klassen an den Gymnasien. Der Unterricht wird dem Vernehmen nach vielerorts als Mischung aus Präsenz- und Heimunterricht stattfinden.

Abstandsregeln müssen eingehalten werden

Weitere Schritte sind bislang offen und dürften rasch an Grenzen beim verfügbaren Personal stoßen. Rund ein Drittel aller Lehrer kann nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden, weil sie zur Corona-Risikogruppe zählen. Klassen müssen geteilt werden, um die Abstandsregeln einzuhalten, was zusätzliches Personal bindet. Beschäftigt sind die Lehrer überdies mit dem Fernunterricht. Schulleiter Riemer schreibt auf der Internetseite des Innerstädtischen Gymnasiums Rostock, dass eine „relevante Präsenz“ der Klassenstufen 7 bis 10 unter den gegebenen Umständen in diesem Schuljahr „nicht mehr sehr wahrscheinlich“ sei.

Oldenburg fordert bestmögliche Vorbereitung

Die Linke im Landtag forderte unterdessen Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) auf, umgehend Vorkehrungen zu treffen, damit die sechsten Jahrgangsstufen spätestens ab 11. Mai wieder unterrichtet werden. „Die Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassen stehen vor dem Wechsel des Bildungsganges“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. „Sie haben ihre Schullaufbahnempfehlung bereits erhalten und gehen auf das Gymnasium, die Regionale Schule oder die Gesamtschule. Dafür brauchen sie eine bestmögliche Vorbereitung.“

Zuvor hatte sich bereits der Verband Bildung und Erziehung (VBE) überrascht gezeigt, dass der bisherige Öffnungsfahrplan für die Schulen die sechsten Klassen nicht umfasst.

Siebte Klasse als Probejahr

Oldenburg zufolge ist der Präsenzunterricht für die Sechstklässler zwingend erforderlich, weil bei deren anstehendem Schulwechsel der Elternwille entscheidend sei. „Wenn ein Kind keine Empfehlung für das Gymnasium erhalten hat und die Eltern sich dennoch für diesen Bildungsweg für ihr Kind entscheiden, gilt die siebte Klasse als Probejahr“, so die Bildungspolitikerin. „Wenn der Schüler dieses nicht besteht, muss er das Gymnasium verlassen.“

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