Firma Inselklang : Rügener Start-up baut maßgefertigte Lautsprecher

Sie entstehen in einer ehemaligen Landtechnikwerkstatt. Ihre Entwickler und Hersteller versprechen den Inselklang.

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19. März 2020, 15:00 Uhr

Lautsprecher kann man in Zimmerecken diskret verstecken oder als Blickfang in den Raum stellen. Die Gründer des Rügener Start-ups Inselklang tun letzteres. So sind die beiden Lautsprecher im Theater „Rote Kugel“ in Schweikvitz echte Hingucker: Säulenartiger Korpus mit schwarzer Abdeckung, darauf ein Schalltrichter. „Wir nutzen sie als Theaterlautsprecher, fürs Kino oder Bands“, sagt der Vorsitzende des Vereins Hinterlandbühne Rügen, der Regisseur und Schauspieler Boris Hruschka.

Die Boxen sind maßgefertigt für den Raum in einem Fachwerkbau, der bis zu 120 Zuschauer fasst. Das Haus haben die Vereinsmitglieder selbst aus heimischen Materialien gebaut. Als er 2018 zum ersten Mal Inselklang-Lautsprecher gesehen habe, wusste er, die passen perfekt, sagte Hruschka. Eine Förderung des Landes habe die Anschaffung ermöglicht. Die handwerklich gefertigten Boxen haben ihren Preis.

Hobby wurde zur Geschäftsidee

Gebaut haben sie Malte Sodmann und Paul Reiß, beide 29 Jahre alt, von Beruf Architekt und Physiker. Sie betreiben die Firma Inselklang in einer ehemaligen Landtechnikhalle in Poseritz. Dort haben sie zwei große Räume gemietet. Einer ist Lager, der andere Multifunktionsraum mit Hobelbank, großem Arbeitstisch und Werkzeugregalen, am Fenster Schreibtische mit Laptops. Sodmann und Reiß sind zusammen in Bergen zur Schule gegangen und haben in Berlin studiert.

Wenn sie sich auf Rügen in Clubs trafen, traf die Tonqualität der Musik dort nicht ihren Nerv, berichten sie. „Paul hatte schon mal zwei Lautsprecher gebaut“, erzählt Sodmann. In der Modellbauwerkstatt der Technischen Universität schufen sie gemeinsam eine erste Clubanlage. „Die Musik lief schon, da haben wir noch das letzte Brett eingeklebt“, erinnert sich Reiß. Da beide nicht für Büroarbeit gemacht sind, entwickelte sich aus einem Hobby relativ rasch eine Geschäftsidee.

Individuelle Anfertigungen

Sie bauen Lautsprecher aus Holz mit Schalltrichtern, wie Grammophone sie besaßen. Für leistungsstarke Lautsprecher verwenden sie Multiplex-Holz. Diese Leimholzplatten seien stabiler als Massivholz und würden nicht in Schwingungen geraten, denn das würde der Ton matschig machen, erklären die Männer. Die Membranen - die technischen Herzstücke - kaufen sie im Handel. Ein Bestand an Lautsprechern steht zur Vermietung an Veranstalter bereit.

Für Käufer werden die Lautsprecher individuell für den jeweiligen Raum angefertigt. Im Fertigungsprozess werde gemessen und probiert und manchmal verworfen. Gerade zum Versand bereit sind zwei Boxen für das Wohnzimmer von Jazz-Liebhabern auf der Insel. Das Besondere: Die Schalltrichter aus Messing sind Schalltrichter von Posaunen. Kostenpunkt: knapp 6000 Euro.

Wahres Potenzial hörbar machen

Theatermann Hruschka hat seit fast einem Jahr Erfahrungen mit den Lautsprechern gemacht. Er bringt auf den Punkt, warum er so zufrieden mit ihnen ist: Er habe von Vinylplatten Richard Wagners Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen gehört“. „Ich habe zum ersten Mal den Text verstanden“, sagt er. Bei moderner und Tanzmusik empfinde er die „nicht schmerzhaften Bässe“ als wohltuend. Wenn die Horntrichter auf die Tanzfläche gerichtet seien, werde nicht das ganze Dorf beschallt.

Paul Reiß sieht den Einsatz der Lautsprecher vor allem bei elektroakustischer Musik. Während für klassische Musik eigens für sie konstruierte Räume gebaut würden - wie die Elbphilharmonie in Hamburg - gebe es das für elektroakustische Musik nicht. Die Lautsprecher seien hilfreich, ihr wahres Potenzial hörbar zu machen. 

„Es fühlt sich nicht nach Arbeit an“

Nachdem sie mehr als 100 Lautsprecher gebaut hätten, könnten sie jetzt anfangen, davon zu leben, erzählen Sodmann und Reiß. Fördermittel hätten sie für das Projekt nicht bekommen, aber auch nicht beantragt. Aktuell gebe es Anfragen aus Berlin, Köln und Dubai.

Zu sehen und zu hören waren ihre Lautsprecher im vergangenen Sommer in einem temporären Showroom während des „Selliner Klangpavillons“. Dieses Projekt betrieben die beiden Freunde 90 Tage lang mit 75 selbst organisierten Veranstaltungen, Livebands, DJ, Kino und Gastronomie. Dies sei auch in diesem Jahr wieder geplant. Das sei viel Arbeit, zumal sie auch selbst hinterm Tresen standen. „Aber das macht Spaß, es fühlt sich nicht nach Arbeit an“, sagt Sodmann.

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