Foltertod von Frau in Alt Rehse : Angeklagter aus U-Haft entlassen

Ermittler der Polizei sichern 2016 Spuren nach dem Fund einer Leiche in Alt Rehse.

Ermittler der Polizei sichern 2016 Spuren nach dem Fund einer Leiche in Alt Rehse.

Der Angeklagte im Prozess um den Foltertod einer Frau aus Alt Rehse ist wieder auf freiem Fuß.

svz.de von
14. Februar 2019, 10:53 Uhr

Der Angeklagte im Prozess um den Foltertod einer Frau aus Alt Rehse (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) ist wieder auf freiem Fuß. Das Landgericht Neubrandenburg hat den Haftbefehl gegen den 53-Jährigen aufgehoben, wie Gerichtssprecherin Gabriele Memmel am Donnerstag sagte.

Angesichts der langen Dauer der U-Haft - der Mann sitzt seit Juni 2016 hinter Gittern - bestehe keine Fluchtgefahr mehr.

Staatsanwaltschaft will Beschwerde prüfen

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich überrascht und prüft, ob gegen die Entscheidung - wie im Herbst 2018 - Beschwerde beim Oberlandesgericht eingelegt wird. Damals war der 53-jährige nach dem geplatzten zweiten Prozess schon freigelassen, nach einer Woche nach Intervention der Staatsanwaltschaft aber wieder verhaftet worden.

Der Angeklagte erschien am Donnerstag trotzdem rechtzeitig mit einem seiner Anwälte zum dritten Verhandlungstag in dem Prozess, der ohne Öffentlichkeit geführt wird. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

50 Zeugen vor Gericht geladen

Der Prozess läuft bisher planmäßig, wie Memmel erklärte. Um das Verfahren nicht zu gefährden, sollen vom Inhalt keine Details nach außen dringen. Nur das Urteil wird öffentlich verkündet. Geplant sind bisher noch 25 Verhandlungstage bis Anfang Juni, zu denen mehr als 50 Zeugen geladen sind. So sollen Dorfbewohner beschreiben, wie sich der Angeklagte im Dorf verhalten hat, bevor er im Frühsommer 2016 festgenommen wurde. Polizisten sollen über sein Gebaren beim Fund der Toten und seiner Festnahme Auskunft geben.

Damals mussten Polizisten mehrfach zu seinem Haus kommen, weil der Angeklagte Nachbarn immer wieder mit Lärm gegen sich aufbrachte.

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Im 'Haus Rethra' in Alt Rehse spielte sich die Tat ab.
dpa

Im "Haus Rethra" in Alt Rehse spielte sich die Tat ab.

Frau gefesselt, ausgepeitscht und sterben lassen

Einmal soll er in seinem Haus - einer ehemaligen Gaststätte - ein Feuer gelegt haben. Ihm wird vorgeworfen, seine 32 Jahre alte Lebensgefährtin 2016 im Streit im Haus nackt an ein Bett gefesselt und ausgepeitscht zu haben. Danach bekam das Opfer nichts zu Essen und zu Trinken, woran sie vermutlich starb, erklärten Rechtsmediziner. Der Angeklagte und das Opfer hatten sich über das Internet kennengelernt.

Die Leiche wurde Wochen später halb verwest gefunden. Sie war in Stoff gehüllt auf eine Sackkarre im Haus gebunden worden.

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Der 53-Jährige war im ersten Prozess in Neubrandenburg 2017 als „vermindert schuldfähig“ eingeschätzt und zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, obwohl er ein Gespräch mit einer Psychiaterin verweigerte. In seinem letzten Wort erklärte er damals, dass es ihm Leid tue, dass er seiner Lebensgefährtin keinen Arzt geholt habe.

Angeklagter möglicherwiese schuldunfähig

Sein Anwalt legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf. In der Neuverhandlung solle umfassend geprüft werden, ob der Angeklagte möglicherweise ganz schuldunfähig war. Der zweite Prozess dazu war 2018 geplatzt.

Sollte das Gericht nun zu der Auffassung kommen, dass der Mann damals schuldunfähig war, könnte dieser freigesprochen werden. Möglich ist aber auch, dass die Kammer das Urteil aus dem ersten Prozess bestätigt. Der Angeklagte hatte Polizisten erklärt, er habe die Frau damals ausgepeitscht, weil „sie vom Bundesnachrichtendienst und von der Dorfbevölkerung auf mich angesetzt war“.

Nur wenn von dem Mann auch heute noch Gefahr ausgehe, könnte er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden, erläuterte Memmel. Damit rechne die Staatsanwaltschaft bisher aber nicht, sagte Staatsanwalt Andreas Gentz und verwies auf das vorliegende psychiatrische Gutachten. Der Angeklagte hatte sich zuletzt mit einer Gutachterin in Ueckermünde doch noch unterhalten. Diese nimmt auch am Prozess teil.

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