Mordprozess in Stralsund : Maria aus Zinnowitz: Beide Angeklagte legen umfassendes Geständnis ab

Der 19-jähriger Angeklagte (2.v.l.) verbirgt im Gerichtssaal im Landgericht sein Gesicht. Für den Mord an der 18-jährigen Maria aus Zinnowitz auf Usedom müssen sich am selben Tag der 19- und ein 21-Jähriger (4.v.l.) vor dem Gericht verantworten.

Der 19-jähriger Angeklagte (2.v.l.) verbirgt im Gerichtssaal im Landgericht sein Gesicht. Für den Mord an der 18-jährigen Maria aus Zinnowitz auf Usedom müssen sich am selben Tag der 19- und ein 21-Jähriger (4.v.l.) vor dem Gericht verantworten.

Die 19- und 21-Jährigen Männer töteten die schwangere Frau Mitte März nach Ansicht der Staatsanwaltschaft heimtückisch und aus Mordlust.

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20. August 2019, 09:40 Uhr

Mit einem umfassenden Geständnis hat der Prozess um die Ermordung der 18-jährigen Maria von der Ferieninsel Usedom am Dienstag vor dem Landgericht Stralsund begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft zwei 19 und 21 Jahre alten Männern vor, die schwangere 18-Jährige heimtückisch und aus Mordlust getötet zu haben. Sie wollten einen Menschen sterben sehen, sagte der Staatsanwalt.

Bekanntenkreis nach Opfern durchforstet

Die Besucher im Gerichtssaal, unter ihnen die deutlich gezeichnete Mutter des Opfers, hörten, wie der 19-jährige Angeklagte zunächst den tristen Alltag als perspektivloser Arbeitsloser mit hohem Alkoholkonsum und dann die Planung des Mordes und die Tat detailliert schilderte. So habe er am Nachmittag des Tattags im März mit dem mitangeklagten 21-Jährigen den Mordplan geschmiedet.

"Wir haben darüber gesprochen, wie es wäre, jemanden umzubringen", sagte der junge Mann, ohne Emotionen zu zeigen. Dann sei der Satz gefallen: "Lass es uns heute machen." Er habe Namen aus dem Bekanntenkreis vorgeschlagen. Maria sei als Opfer ausgewählt worden, weil sie alleine lebte. "Es war einfacher." Mitten in der Befragung durch die Vorsitzende Richterin musste sich der Mitangeklagte übergeben, die Verhandlung wurde unterbrochen.

Tat dauerte nur wenige Minuten

Der 19-Jährige, der zu Prozessbeginn auf der Anklagebank sitzend den Mittelfinger den auf ihn gerichteten Kameras entgegenstreckte, bestätigte in weiten Teilen die Angaben der Anklage. Danach habe er sich vor der Tat neben einem Messer auch Ersatzkleidung besorgt, um sie gegen die mit Blut beschmierte auszutauschen. Er erwähnte auch, dass Maria die beste Freundin seiner Lebensgefährtin war, mit der er auch ein gemeinsames Kind hat.

In der Wohnung Marias in Zinnowitz, die sie unter einem Vorwand betraten, habe er seinem Opfer von hinten einen wuchtigen Stich in den Hals versetzt. Maria habe "Aua" und "Hör auf" gerufen. Dann habe er sich auf die am Boden liegende Frau gesetzt und ihr zahlreiche weitere Stiche am Kopf und Hals zugefügt, während der Mittäter ihre Beine festgehalten habe. Die Tat habe nur wenige Minuten gedauert. Die Gerichtsmedizin stellte insgesamt 19 Stichverletzungen fest.

Von Marias Schwangerschaft gewusst

«Danach war ich kurz überfordert», berichtete er. Die beiden Deutschen aus Zinnowitz und einem Nachbarort hatten Maria nach der Tat liegenlassen und die Wohnung vorher aufgeräumt. Das Messer und Marias Handy hätten sich von der Seebrücke aus in die Ostsee geworfen.

Einen Monat später wurden die beiden nach intensiver Fahndung festgenommen. Der 19-Jährige gab an, er habe gewusst, dass Maria schwanger war. "Sie hat sich darauf gefreut." Von den Besuchern kam in diesem Moment der entsetzte Ausruf: "Mein Gott!" Auf die Frage der Richterin, wie es ihm bei der Tat gegangen sei, sagte der Mann: "Ich habe dabei keine Gefühle gehabt."

Jüngerer Angeklagter vermindert schuldfähig?

Dem erwachsenen Angeklagten droht nun laut Landgericht wegen Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Jüngere könnte wegen seiner Alkoholisierung und einer psychiatrischen Erkrankung bei der Tat vermindert schuldfähig gewesen sein. Er könnte im Falle einer Verurteilung wegen Mordes eine bis zu zehn Jahre dauernde Jugendstrafe erhalten. Sollte die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, könnte die Haftzeit auf 15 Jahre ausgeweitet werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

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