Pflege in MV : Ab Mitte September: Nachbarschaftshilfe für acht Euro die Stunde

Die Pflege hilfsbedürftiger Angehöriger erfordert viel Zeit und Kraft. Oft gibt es aber wenig Alternativen dazu.
Die Pflege hilfsbedürftiger Angehöriger erfordert viel Zeit und Kraft. Oft gibt es aber wenig Alternativen dazu.

Maximal 25 Stunden im Monat können abgerechnet werden.

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03. September 2019, 15:30 Uhr

Die neue Nachbarschaftshilfe für Pflegebedürftige ist da: Von Mitte September an können Menschen Geld dafür bekommen, wenn sie mit ihren pflegebedürftigen Nachbarn spazieren gehen, ihnen vorlesen, den Rasen mähen, sie zum Einkaufen oder zum Arzt begleiten.

Bis zu acht Euro pro Stunde und maximal 25 Stunden im Monat können abgerechnet werden - steuerfrei, wie Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) am Dienstag in Schwerin sagte. „Das sind einfache, aber effektive Hilfen für Pflegebedürftige und zur Entlastung von pflegenden Angehörigen.“

Es gibt Bedingungen

Ein Nachbarschaftshelfer darf bis zu zwei Pflegebedürftige unterstützen und dabei mit ihnen nicht bis zum zweiten Grad verwandt oder verschwägert sein. Interessierte müssen zudem einen achtstündigen Grundkurs absolvieren und sich als Nachbarschaftshelfer bei den Pflegekassen registrieren lassen. Die Pflegestützpunkte in den Kommunen sollen informieren und Kontakte vermitteln. Der erste Kurs ist im Oktober für die Region Greifswald geplant. Bis Jahresende soll es flächendeckend Kurse geben, kündigte Frank Ahrend vom Vorstand der AOK Nordost an.

Bezahlt werden die Nachbarschaftshelfer aus dem Entlastungsbeitrag von 125 Euro im Monat, der jedem Pflegebedürftigen, der zu Hause lebt, von seiner Pflegekasse zusteht. Von dem Entlastungsbeitrag können Pflegebedürftige schon seit Anfang 2017 Dienstleistungen im Haushalt bezahlen, etwa eine Putzhilfe. Allerdings bleibt der größte Teil des Geldes liegen, wie Ahrend einräumte. Er schätzt, dass bei der AOK Pflegekasse im vergangenen Jahr nur höchstens fünf Prozent des zur Verfügung stehenden Geldes abgerufen wurde. Ein Grund sei, dass es zu wenige Angebote am Markt gebe. Viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen wissen aber auch gar nicht, dass es den Entlastungsbeitrag gibt und wie man das Geld beantragt.

Kurse müssen auch im ländlichen Raum angeboten werden

Der Paritätische Wohlfahrtsverband begrüßte das Angebot, forderte aber zugleich Strukturen, um es auch im ländlichen Raum zugänglich zu machen. „Wichtig ist, dass die Kurse im ländlichen Raum angeboten werden und keine Hürde für potenzielle Helfer darstellen“, sagte Verbandschef Friedrich Wilhelm Bluschke. „Insbesondere in abgelegenen Regionen sind Menschen oft auf Nachbarschaftshilfe angewiesen.

Deshalb wäre es auch gut, dort mit dem Angebot zu beginnen.“ Außerdem mahnte er, den bürokratischen Aufwand überschaubar zu halten.

Nach Einschätzung der AfD im Landtag löst das Angebot nicht das Grundsatzproblem. Der Entlastungsbeitrag werde von den Pflegebedürftigen, wohl mangels Wissens, kaum in Anspruch genommen, sagte der sozialpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Thomas de Jesus Fernandes. Daran werde sich nichts ändern. „Immer noch muss der Pflegebedürftige den Entlastungsbeitrag beantragen.“ Außerdem seien die Voraussetzungen für die ehrenamtlichen Helfer hoch und unnötig, das Abrechnungssystem kompliziert und bürokratisch. Der AfD-Politiker forderte, stattdessen Familienangehörige, welche die Pflege von Familienmitgliedern übernehmen, konsequenter zu fördern.

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