Otto-Lilienthal-Museum Anklam : Drachenfliegen im Museum - neuer Flugsimulator macht es möglich

Ein neues Gerät im Lilienthal-Museum Anklam empfindet den Drachenflug nach, wie er in den 1960-er Jahren möglich war.

svz.de von
14. Mai 2019, 20:00 Uhr

Der Flug ist rasend schnell vorbei: „...hart gelandet. Das hat sicherlich weh getan“, hört der überraschte Pilot in seinem Hängesitz. Der Sitz gehört zu einem neuen Flugsimulator im Otto-Lilienthal-Museum im vorpommerschen Anklam, der am Internationalen Museumstag am Sonntag offiziell in Betrieb genommen wird. Simuliert wird der Drachenflug mit einem sogenannten Rogallo-Flügel, einem Hängegleiter, der 1948 vom Ehepaar Rogallo in den USA erfunden wurde. Er steht in der Nachfolge der vom Anklamer Luftfahrtpionier Otto Lilienthal (1848-1896) gebauten Fluggeräte.

Ein Nachbau eines historischen Fluggerätes hängt im Gebäude des Otto-Lilienthal-Museums.
Stefan Sauer/dpa

Ein Nachbau eines historischen Fluggerätes hängt im Gebäude des Otto-Lilienthal-Museums.

 

Körpereinsatz am Flugsimulator

Auf einem Monitor sieht sich der Besucher einen Hügel hinab segeln. Das Ziel: So weit wie möglich zu fliegen und weich zu landen. Die Kunst besteht darin, das Gerät mit einem Original-Trapez aus den 1960-er Jahren zu steuern.

Körpereinsatz wie beim daneben stehenden ersten Flugsimulator eines Lilienthal-Gleiters ist nicht nötig. Das aus Weidenruten gebaute Gerät muss mit den in der Luft hängenden Beinen gesteuert werden. „Das ist hartes Bauch-Beine-Po-Trainig“, sagt Museumsleiter Bernd Lukasch. „Damit ehren wir nicht nur die geistige, sondern auch die körperliche Leistung Lilienthals.“ Die genaue Zahl der Flüge Lilienthals ist nicht bekannt, sie wird mit bis zu 2000 angegeben.

Lucas Sundt, Mitarbeiter im Otto-Lilienthal-Museum, probiert im Flugsimulator eines Lilienthal-Gleiters, wie der Pionier im 19. Jahrhundert seine Fluggeräte steuerte.
Stefan Sauer/dpa

Lucas Sundt, Mitarbeiter im Otto-Lilienthal-Museum, probiert im Flugsimulator eines Lilienthal-Gleiters, wie der Pionier im 19. Jahrhundert seine Fluggeräte steuerte.

Museumstag stellt Erfindungen der Brüder Lilienthal

Entwickelt wurde der neue Simulator wie schon der erste von der Berliner Software-Firma Virtual Hands, gebaut von der Metallbau-Firma Hoth in Stolpe bei Anklam, gefördert vom Land Mecklenburg-Vorpommern.

Am Museumstag will Lukasch die Besucher mit einer weiteren Erfindung der Brüder Gustav und Otto Lilienthal bekannt machen, die in keinem Kinderzimmer fehlt: Sie entwickelten Bausteine für Spielzeugbaukästen sowie später Modellbaukästen. Zudem wird vom Museumstag an die Anklamer Nikolaikirche in den warmen Monaten wieder regelmäßig geöffnet sein. Sie soll in einigen Jahren die neue Heimstatt des Lilienthal-Museums werden, das Ikareum. Eine Ausstellung in der Kirche informiert über das 25 Millionen Euro teure Projekt, das nach dem Zweiten Weltkrieg eine Ruine war. Auch Lilienthals Geburtshaus wurde im Krieg zerstört.

Freier Eintritt in 87 Museen und Heimatstuben in MV

In Mecklenburg-Vorpommern beteiligen sich am Sonntag 87 Museen und Heimatstuben mit Veranstaltungen und Aktionen am Internationalen Museumstag. Viele gewähren freien Eintritt, bieten Vorträge und Sonderführungen an. Das Schifffahrtsmuseum Rostock lädt ans Warnow-Ufer ein, wo Besucher in die Masten eines Traditionsschiffes klettern können. Im Historisch-Technischen Museum Peenemünde gibt es Sonderführungen, unter anderem durch das Kraftwerk. Im Ozeaneum in Stralsund informieren Wissenschaftler über Forschungsprojekte zum Ostsee-Schweinswal und die App Ostseetiere, mit der Sichtungen gemeldet werden können. Das Schloss Mirow gewährt Einblicke hinter geheime Türen, das Schloss Hohenzieritz (beide Mecklenburgische Seenplatte) in die Beziehungen der Preußen-Königin Luise zum Bildhauer Christian Daniel Rauch. Das Burg-Museum Plau (Landkreis Ludwigslust-Parchim) lädt in eine neue Ausstellung zur Fahrradgeschichte ein.

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