Lammzeit geht zu Ende : Osterlämmer im Doppelpack - viele Zwillingsgeburten in Reimershagen

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Die seit Jahresanfang geborenen Lämmer werden traditionell zu Ostern vermarktet. Schäfer ohne Ställe lassen ihre Muttertiere im April/Mai auf der Weide lammen. Dort wird der Wolf zunehmend zum Problem.

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15. Februar 2019, 12:00 Uhr

In den Schafställen nähert sich die Lammzeit dem Ende. Im Stall in Reimershagen unweit von Güstrow (Landkreis Rostock) werden seit Jahresbeginn täglich Lämmer geboren. Bis Mitte April haben sie Zeit heranzuwachsen. Dann landen sie schon wieder als Osterlamm in der Pfanne.

Bei den Schäfern Sven und Riko Nöller in Reimershagen kommen auffallend viele Zwillinge zur Welt. «Einmal Zwilling, immer Zwilling. Das haben wir durch eine zielgerichtete Selektion weitestgehend selbst in der Hand», sagt Sven Nöller. Die Brüder behalten ausschließlich jene Neugeborenen in der Herde, die mit einem Geschwistertier zur Welt gekommen sind. Die langjährige berufliche Erfahrung der beiden lehrt, wer als Zwilling geboren wird, bekommt später selbst Zwillinge.

Nicht immer reibungslos

Bereits kurz nach Neujahr kamen nach 150 Tagen Tragezeit im Stall von Sven Nöller die ersten Lämmer zur Welt. Inzwischen haben nahezu alle Muttertiere Nachwuchs. Für die beiden Schäfer wird es somit wieder etwas ruhiger. Nicht jede Geburt verlief reibungslos. Da musste schnell mal helfend eingegriffen werden, mussten die neu geborenen Lämmer mit ihren Müttern in eine Einzelbox gestellt werden, damit sie in Ruhe den Weg ans Euter finden. Schäfer müssen in der Lammzeit 24 Stunden täglich für die Tiere da sein. Gut, wenn man sich die Arbeit teilen kann.

Riko Nöller steht seinem Bruder bei allen Arbeiten zur Seite. Schichteinsatz ist angesagt. Da der vielfache Landesmeister im Leistungshüten keinen eigenen Stall besitzt, lässt er seine Mutterschafe erst im April/Mai lammen, wenn es wärmer ist und auf der Weide frisches Grün nachwächst.

Die Futterbeschaffung war für alle Schäfer im vorigen Jahr ein nicht enden wollendes Problem. Wegen der Hitze und der langen Trockenheit bis in den Herbst hinein war kaum etwas nachgewachsen. Die Wintervorräte waren oft schon aufgebraucht, bevor der Winter überhaupt begann. Da musste für viel Geld Futter dazu gekauft werden.

Luftsprünge und frisches Stroh

Sven Nöller hatte Glück. Er kann auch jetzt noch selbst geerntetes Futter einsetzen. Die hohe Qualität tut den Muttertieren gut und spiegelt sich auch bei den Lämmern wider: Mit Luftsprüngen über dem täglich frischen Stroh zeigen sie, dass sie sich im Stall wohlfühlen.

Riko Nöller plagen indes Sorgen. Zunehmend mehr Wölfe im Land erhöhen die Gefahr von Übergriffen auf Weidetiere. Nur die Inseln Usedom und Poel sind in Mecklenburg-Vorpommern noch frei von Wölfen. «Ich war bereits selbst betroffen. Als ich eines Morgens auf meine Winterweide kam, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. Ohne es näher beschreiben zu wollen, so eine Situation wünsche ich niemanden. Der Anblick der toten und der schwer verletzten Schafe war grauenhaft», berichtet der Mittvierziger.

Anderer Umgang mit Wolf gefordert

Schäfer, Bauernverband und der Verband der Schaf- und Ziegenhalter in Mecklenburg-Vorpommern fordern ein nachhaltiges Wolfsmanagement. Die Meinungen von Tierschützern und Tierhaltern gehen weit auseinander. Der Bauernverband fordert, den Status der Wölfe von streng geschützt auf geschützt herabzusetzen. Der Interessenverband der Schäfer unterstützt das. «Wir wollen, dass ein Wolf bereits dann entnommen werden kann, wenn sich abzeichnet, dass er Schaden anrichten wird; nicht erst, wenn er bereits Schaden angerichtet hat», erklärt der Bundes- und Landesvorsitzende Jürgen Lückhoff.

Nach seiner Meinung ist ein naturverträglicher Wolfsbestand nur durch eine zielgerichtete Bejagung zu erreichen. Dafür müsste das Bundesnaturschutzgesetz geändert werden. Doch mit einer Entscheidung tut man sich im Bundeslandwirtschaftsministerium schwer.

Für Sven und Riko Nöller kommt es darauf an, dass die jetzt geborenen Lämmer bis Ostern ihr ideales Schlachtgewicht erreichen. Der Absatz sei derzeit kein Problem. «Wir vermarkten direkt an einen Händler und bekommen einen akzeptablen Preis», sagen sie.

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