„OstSeeTiere“ : Mit einer App zu neuen Erkentnissen über Schweinswale und Robben

Die Zahl von Totfunden von Meeressäugern an der Ostseeküste ist im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert gestiegen. Das bereitet den Meeresbiologen große Sorgen. Für die weiteren Forschungen wünschen sie sich die Mithilfe von Fischern und Spaziergängern.

svz.de von
06. Februar 2019, 14:09 Uhr

Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund will seinen Datenbestand über das Vorkommen von Schweinswalen und Robben mit Meldungen von Spaziergängern erweitern. Dazu wurde eine App entwickelt, mit der Einheimische und Urlauber von ihren Sichtungen, aber auch über Totfunde berichten können, wie der Landestourismusverband berichtete. Mit der App „OstSeeTiere“ könne ein wichtiger Beitrag für die Wissenschaft geleistet werden.

Tödlicher Beifang: Zahl der verendeten Schweinswale und Robben nimmt zu

2018 wurden nach Angaben des Museumskurators Michael Dähne im Einzugsbereich der deutschen Ostsee 69 tote Schweinswale gefunden - so viele wie seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1970er Jahren nicht. 47 Kegelrobben und 9 Seehunde wurden tot entdeckt, dazu 19 noch nicht bestimmte Robben.

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Aus früheren Erfahrungen sei davon auszugehen, dass viele Tiere in Fischernetzen als Beifang endeten. „2016 und 2017 lag der Anteil der durch Beifang getöteten gut erhaltenen Schweinswale bei mehr als 50 Prozent“, sagte Dähne. Auch viele Robben starben in Netzen. Bei den Robben sei klar, dass die hohe Zahl der toten Tiere direkt mit der steigenden Populationszahl zusammenhängt. „Bei den Schweinswalen gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Bestand größer wird.“

App soll Schutz der Meeressäuger verbessern

Dähne hofft auf einen Erfolg der App, damit sich die Diagnostik und das Wissen um die Zahl der lebenden Tiere verbessert. So könnten Gebiete lokalisiert werden, die von Bedeutung etwa für die Aufzucht von Jungtieren sind. Auch könnten die Daten bei der Bestätigung beziehungsweise Ausweisung von Schutzgebieten verwendet werden.

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Er appellierte an die Fischer, jeden Säuger zu melden und möglichst abzugeben. Es sei wichtig, dass jedes Tier schnell untersucht wird. So könnten bessere Aussagen über ihre Belastungen getroffen werden.

Zu hohe Beifangzahlen: Nachhaltigleit der Fischerei in Frage gestellt

Dafür gebe es Aufwandsentschädigungen. Es gebe jedoch das prinzipielle Problem, dass sich seit Jahren an den Beifangzahlen nichts ändere. „Dies deutet darauf hin, dass die Fischereimethoden möglicherweise nicht nachhaltig sind. Das muss hinterfragt werden.“

Der Chef des Rostocker Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Christopher Zimmermann, verwies auf aktuelle Forschungen, wie die Beifänge von Schweinswalen verringert werden können. „Nachdem wir erfolgreich Unterwasser-Schallgeber getestet haben, die die Tiere auf die Gefahr durch Stellnetze aufmerksam machen, versuchen wir nun, die Netze für die Echo-Ortung der Zahnwale sichtbarer zu machen“, sagte er. Dabei werde ein Perlennetz benutzt, das die akustischen Eigenschaften durch kleine Acrylkugeln verbessert, ohne die Qualität des Netzes beim Fang der Zielfischarten zu verschlechtern.

>> Sichtungsmeldungen von Schweinswalen und Robben

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