Opfer aus Wittenburg : Lebenslange Haft für Mord an schlafendem Rentner gefordert

Die Polizei hat denTatort abgesperrt.

Die Polizei hat denTatort abgesperrt.

Nach fünf Verhandlungstagen neigt sich der Prozess um den Mord an einem 85-Jährigen dem Ende zu. Die Staatsanwaltschaft bescheinigt dem Angeklagten «krasse Selbstsucht».

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20. Mai 2019, 11:42 Uhr

Er soll einem schlafenden Rentner die Kehle durchschnitten haben - für den Mord an einem 85-Jährigen in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe für den Angeklagten gefordert. Der junge Mann aus Afghanistan habe sich bereits etwa vier Wochen vor der Tat am 17. November 2018 mit dem Gedanken getragen, den 85-Jährigen zu töten, sagte die Staatsanwältin am Montag in ihrem Plädoyer im Landgericht Schwerin. Er soll dem pflegebedürftigen Vater seiner deutschen Geliebten mit einem scharfen Messer in einem Schnitt die Kehle durchtrennt haben, als dieser nachts in seinem Bett lag.

Der Angeklagte (r.)  auf dem Weg zum  Gerichtssaal.
dpa/Jens Büttner

Der Angeklagte (r.) auf dem Weg zum Gerichtssaal.

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Die Tat wurde vom bosnischen Privatpfleger des über die Kamera eines Babyfons beobachtet, das zur Überwachung des Schlafs des alten Mannes in dessen Zimmer installiert war. Die Verteidigung erhob keine Forderung zum Strafmaß.

Im Prozess schwieg der Angeklagte an allen Verhandlungstagen und sagte auch nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung am Montag nichts. Im Gespräch mit dem psychiatrischen Gutachter hat er die Tat jedoch eingeräumt, wie sein Verteidiger erklärte. Nach Worten der Staatsanwältin verglich der junge Mann dabei die Tat mit einer Schächtung.

Der Angeklagte hat in der Türkei Schlachten gelernt

Der rechtsmedizinische Gutachter habe erklärt, ein solch fester, tödlicher Schnitt - die Wunde war 22 Zentimeter lang und reichte sieben Zentimeter tief bis zu den Halswirbeln - spreche für ein geübtes Vorgehen. Der Afghane hatte laut Staatsanwaltschaft auf seiner Flucht einige Zeit in der Türkei als Schafhüter gearbeitet und dort auch Schlachten und Schächten gelernt.

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Der junge Mann hatte 2016 Asyl beantragt und sich auf Anraten der Schlepper als minderjährig ausgegeben, um bessere Chancen zu haben. Die Staatsanwältin sagte, der junge Mann sei jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zur Tatzeit älter als 21 Jahre gewesen. Dies habe ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft ergeben.

Kurze Beziehung mit der Tochter des Opfers

Die Tochter des Opfers lernte der Angeklagte in Sachsen kennen, wo die promovierte Frau in der Flüchtlingshilfe arbeitete. Seit Sommer 2018 hätten die beiden ein intimes Verhältnis gehabt, so die Staatsanwältin. Einige Wochen vor der Tat habe die 50-Jährige allerdings die Beziehung auf Eis gelegt, weil der junge Mann Geld, das sie ihm zusteckte, verspielt habe. Möglicherweise habe er die Frau bestrafen wollen, indem er ihren Vater tötete. Möglicherweise habe er auch den jungen Bosnier, den die Tochter zur Pflege ihres Vaters engagiert hatte, als vermeintlichen Nebenbuhler aus dem Weg räumen wollen, weil der dann nicht mehr nötig sei. Das Motiv blieb jedenfalls bis zum Schluss unklar. Die Staatsanwaltschaft bescheinigt dem Angeklagten aber «krasse Selbstsucht».

Über die zu erwartende Strafe war sich der junge Afghane offenbar im Unklaren, wie die Nebenklage-Vertreterin sagte. Er habe dem psychiatrischen Gutachter gesagt, Mord sei in Afghanistan normal und man könne das mit Geld regeln.

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