Mageres Ergebnis in MV : Nur ein Schlachtbetrieb von Landesregierung gefördert

von 13. November 2020, 05:00 Uhr

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Linke sieht Fehler im System. Backhaus zu mehr Engagement aufgefordert

Stau im Schweinestall, Mega-Schlachthöfe in der Krise, qualvoll lange Transporte: Trotz dieser Alarmsignale hat die Landesregierung bislang nur eine regionale Schlachtstrecke in einem Kleinbetrieb in MV gefördert. Diese Förderung für Klein- und Kleinstbetriebe sei auch erst seit 2014 in Deutschland möglich, sagte ein Sprecher des von Till Backhaus (SPD) geführten Agrarministeriums unserer Redaktion. Das Ressort sieht die Verantwortung für das magere Ergebnis vor allem bei der heimischen Wirtschaft: „Genutzt hat die neuen Regeln bisher lediglich ein einziger Betrieb.“ Weiß fordert mehr Unterstützung als bisher Die oppositionelle Linke im Landtag hatte zuvor mehr Engagement von Backhaus eingeklagt: „Meine Fraktion fordert die Landesregierung auf, alles zu unternehmen, damit zukünftig die Schlachtung von Schweinen zum großen Teil hier in MV erfolgen kann – auch damit die Wertschöpfung aus der Verarbeitung und Veredelung im Land bleibt. Die Landesregierung muss den Aufbau von regionalen Schlachtstrecken mehr als bisher unterstützen und fördern“, sagte der agrarpolitische Sprecher, Wolfgang Weiß. In der Corona-Krise zeige sich schlaglichtartig, dass das Konzept der auf Export und schiere Menge orientierten industriemäßigen Schweine-Produktion und der riesigen Schlachthöfe gescheitert sei. „Die Zentralisierung der Schlachtung auf nur noch wenige Standorte bundesweit, die Schließung der größten Schweineschlachtstrecke in Teterow hierzulande und die Größe vieler Ställe in M-V werden jetzt zur größten Bedrohung für die heimischen Schweinehalter“, so Weiß. Wirtschaft soll Lage prüfen und beurteilen Laut Agrarministerium gibt es im Nordosten derzeit 45 zugelassene kleinere Betriebe für die Schlachtung von Rindern, Schweinen und Geflügel, davon 26 für Rinder, 29 für Schweine und acht für Geflügel. Die Differenz ergibt sich auf Grund von Mehrfachnennungen. In den neuen Ländern insgesamt gibt es aktuell zwei große Schweine- und zwei große Rinderschlachthöfe. „Gespräche zur Errichtung von regionalen Schlachtstätten wurden und werden praktisch ständig geführt. Immer wieder stellen potenzielle Investoren Überlegungen vor und fragen nach Fördermöglichkeiten“, sagte der Ministeriumssprecher. Die Unternehmen müssten sich im harten Wettbewerb dann aber auch behaupten können. „Insofern ist es eine klare Aufgabe der Wirtschaft, die Situation zu prüfen, zu beurteilen und gegebenenfalls die Initiative zu ergreifen.“ Backhaus wünsche selbst den Fortbestand einer nennenswerten Schweineschlachtung in MV und würde ein entsprechendes Projekt „mit allen zur Verfügung stehenden Fördermöglichkeiten“ unterstützen. In der Vergangenheit habe es immer mal wieder Vorstöße einzelner Unternehmen gegeben, insbesondere im Hinblick auf die Errichtung eines Öko-Schlachthofes, so der Sprecher. „Aber diese Überlegungen, mehr war es jeweils nicht, wurden immer wieder ad acta gelegt, da eine Wirtschaftlichkeit nicht erwartet werden konnte.“...

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