Angebote für Abiturienten : Noch viele offene Ausbildungsplätze in MV

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Nach vielen Jahren knapper Lehrstellen können sich Schulabgänger in Mecklenburg-Vorpommern inzwischen den Ausbildungsbetrieb aussuchen. Der Markt hat sich gedreht. Das hat erhebliche Folgen.

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29. März 2019, 14:34 Uhr

«Es gibt noch offene Stellen in allen Branchen. Keiner muss das Land verlassen», sagte die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit in Kiel, Margit Haupt-Koopmann, am Freitag. Wenige Monate vor Ende des Schuljahres sei das Lehrstellenangebot der Betriebe deutlich größer als die Nachfrage. Die 4200 noch unversorgten Bewerber könnten aktuell aus 6600 freien Plätzen im Land wählen.

Regionale Unterschiede vorhanden

«Das bedeutet nicht, dass man den Wunschberuf gleich auf der anderen Straßenseite findet. Wer aber flexibel und mobil ist, hat beste Aussichten», machte Haupt-Koopmann deutlich und verwies dabei auf regionale Unterschiede: Während es in Rostock, dem wichtigsten Industriestandort im Land, zwei Angebote je Bewerber gebe, sei es im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte einer. Rund 2100 Jugendliche hätten mit Hilfe der Arbeitsagentur bereits eine Lehrstelle gefunden.

Fünf Monate vor Ausbildungsbeginn gebe es aber noch viel Bewegung. Besonders gefragt seien im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern weiterhin Nachwuchskräfte für Restaurants und Hotels. So waren im März noch 364 Ausbildungsplätze für Köche, 287 für Kellner und 282 für Hotelfachleute unbesetzt. Ähnlich groß waren die Vakanzen im Einzelhandel und im Logistikbereich. Gesucht werden auch Kfz-Mechatroniker sowie Energie- und Gebäudetechniker.

Gute Alternativen zum Studium

Als Folge der demografischen Entwicklung habe sich der Lehrstellenmarkt in den vergangenen Jahren drastisch gewandelt. Nicht mehr der Unternehmer, sondern der Bewerber habe in der Regel die Wahl, sagte Haupt-Koopmann. Während 1999 in Mecklenburg-Vorpommern noch 27 000 Jugendliche die Schule abschlossen, waren es 2018 gut 13 000. Vor 20 Jahren machten 23 Prozent der Schüler Abitur und strebten danach meist in die Hochschulen, inzwischen sind es 33 Prozent.

Haupt-Koopmann appellierte an Jugendliche mit Hochschulreife, auch eine duale Ausbildung in Erwägung zu ziehen. «Jeder Dritte bricht sein Studium ab. Ein Umweg, den wir jungen Leuten ersparen wollen, indem wir die Berufsorientierung an den Schulen spürbar ausweiten», kündigte die Agenturchefin an. Es gebe gute Alternativen zum Studium mit der Aussicht auf beruflichen Aufstieg und guter Bezahlung. So würden etwa Fachinformatiker inzwischen in allen Bereichen gesucht.

Appell an Unternehmen

Doch appellierte Haupt-Koopmann an die Personalverantwortlichen der Firmen, auch Bewerbern eine Chance zu geben, die dem gewünschten Anforderungsprofil nicht auf den ersten Blick entsprechen. «Das persönliche Kennenlernen bringt immer mehr Aufschluss über die Eignung als der Blick auf die Noten», betonte sie und warb für eine breitere Nutzung der von der Arbeitsagentur geförderten Berufspraktika. Firmen in Schleswig-Holstein nutzten diese Möglichkeit deutlich häufiger als die in Mecklenburg-Vorpommern und auch sehr erfolgreich: «Drei von vier Praktikanten erhalten danach einen Ausbildungsplatz.»

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