Nach der Sturmflut : Gefahr an Stränden und Steilküsten

Die gefährliche Bruchkante ist durch die Sturmflut zum Jahresbeginn entstanden.
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Die gefährliche Bruchkante ist durch die Sturmflut zum Jahresbeginn entstanden.

Die Neujahrssturmflut 2019 steht der von 2017 kaum nach. Fast an der gesamten Küste wurde an Dünen Sand abgetragen, Steilufer bröckeln. Viele Anwohner meinen, dass die Küste nicht ausreichend geschützt wird.

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04. Januar 2019, 16:26 Uhr

Ärger an der Ostseeküste: Die Sturmflut vom 2. Januar hat reichlich Schaden angerichtet. Umweltminister Till Backhaus (SPD) warnt vor dem Betreten von Stränden und Steilküsten.„Diese sind sehr instabil“, sagte er am Freitag in Schwerin. An fast allen Dünen an der Landesküste Mecklenburg-Vorpommerns sei Sand abgetragen worden. Die Dünen hätten bis zu zehn Meter an Breite verloren. Vielerorts seien Dünenabschnitte abgebrochen und ins Meer gestürzt, so dass bis zu fünf Meter hohe Dünenkliffs entstanden. Dort könne es zu weiteren Abbrüchen oder zu Abrutschungen kommen. Es werde mehrere Tage dauern, bis die Gefahrenstellen beseitigt sind.

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Laut Ministerium wird die Sandumlagerung aus den Dünen gar nicht als Schaden bewertet. Sie gehöre zum Wirkprinzip der Dünen, erklärte ein Sprecher. Sie würden extra mit einem Verschleißteil gebaut, der nur dafür da sei, bei Sturmfluten Sand abzugeben, der dann den Strand erhöhe und so die Seegangsenergie bremse. Die Folgen der Sturmflut 2019 seien mit denen von 2017 und 1995 vergleichbar. Die Dünen- und Steiluferrückgänge sind laut Ministerium aber nicht so stark wie vor zwei Jahren, weil von den Abbrüchen von 2017 noch viel Sand in Ufernähe lag und die Belastung reduzierte. Zu den am stärksten betroffenen Küstenabschnitten gehören der Schwarze Busch auf Poel, Rerik, Ahrenshoop und Göhren Nordstrand.

Mit Sicherung der Dünen beginnen

Die Staatlichen Ämter für Landwirtschaft und Umwelt sollen laut Backhaus unverzüglich mit der Sicherung der Dünen beginnen. Als Sofortmaßnahmen seien die Beseitigung der Dünenkliffs und die Vermessung von Dünenabschnitten mit starkem Sandabtrag vorgesehen.

Die Sturmflut hat Schäden angerichtet.
Bernd Wüstneck/dpa

Die Sturmflut hat Schäden angerichtet.

Westlich von Rostock hat die Neujahrssturmflut an der Steilküste von Börgerende-Rethwisch auf mehreren hundert Metern massiv Land weggebrochen. Die Abbrüche gingen teilweise mehrere Meter tief ins Land hinein, sagte Bürgermeister Horst Hagemeister (parteilos). An einigen Stellen existiere der Ostseeküsten-Radwanderweg nicht mehr, eine Wanderhütte liege nun unten am Wasser.„Ich verstehe die Landesregierung nicht, dass dagegen nichts unternommen wird“, sagte Hagemeister.

Deutlich sichtbare Schäden durch Sturmflut

Alleine der Name „Abtragküste“ zeige, dass es kein Interesse am Erhalt gebe. Jedes Jahr gingen mehrere Meter Küste verloren. Hagemeister verwies dabei auf Artikel 20 des Grundgesetzes, in dem der Staat in Verantwortung für die künftigen Generationen zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen aufgerufen wird. Diese Abbrüche wären bei entsprechenden Schutzmaßnahmen nicht notwendig.

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Auch am Strand von Heiligendamm hat der Sturm deutlich sichtbare Schäden hinterlassen. Der Leiter des Bad Doberaner Bauhofs, Hans-Joachim Krüger, rechnete mit Kosten von rund 1,5 Millionen Euro alleine zur Aufschüttung des Strandes. Auch seien an der Stirnseite der Seebrücke wesentliche Teile nicht mehr vorhanden. An mehrere Strandabgängen lägen die Fundamente frei.

Das Schild weist auf die durch die Sturmflut abbrechende Steilküste hin.
Bernd Wüstneck/dpa

Das Schild weist auf die durch die Sturmflut abbrechende Steilküste hin.

 

1,5 Meter hohe Abbruchkante in Zempin

Das Seebad Zempin auf Usedom, wo bei der Sturmflut vor zwei Jahren ein Imbisskiosk abstürzte, ist in diesem Jahr erneut hart von den Naturgewalten betroffen. Fischer Friedhelm Schmidt könnte sein Boot jetzt nicht ins Wasser lassen. Am Strand ist eine 1,5 Meter hohe, steile Abbruchkante entstanden. Die Sandaufspülung nach der Flut von 2017 sei umsonst gewesen, das Geld buchstäblich ins Wasser geworfen, monierte er. Besser wäre eine Befestigung mit Steinen oder Stahlwänden gewesen.„Wir sind immer die Betroffenen“, sagte auch die Imbissbetreiberin Petra Hoffmann, die im Sommer einen neuen Imbisswagen in Betrieb genommen hat. Sie hat ihn von der Gemeinde gemietet, er steht sicher.

 

Dort, wo ihr alter Kiosk stand, nage der Sturm weiter an der Küste, sagte sie. Die Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns, Simone Oldenburg, forderte eine schnellstmögliche Schadensbilanz und eine umgehende Unterstützung der von der Sturmflut betroffenen Kommunen und Betriebe. „Jetzt kommt es darauf an, sofort Bilanz zu ziehen und eine Schadensübersicht vorzulegen“, sagte sie. Die Linksfraktion werde dies auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Agrarausschusses setzen lassen.

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