Mecklenburg-Vorpommern : Nach den Sommerferien täglicher Unterricht für alle Schüler

 
 

Zu Beginn des neuen Schuljahres Anfang August sollen alle Schüler in Mecklenburg-Vorpommern wieder täglich zur Schule gehen können. Ein Schulalltag wie vor Corona wird es aber nicht sein.

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03. Juni 2020, 13:32 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern wird es nach den Sommerferien Anfang August einen verlässlichen und täglichen Regelunterricht für alle Schüler geben. Dies sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Mittwoch nach einer Sitzung der Landesregierung in Schwerin. Gleichzeitig werde ein Hygienekonzept für die Schulen entwickelt. Den Kindern und Jugendlichen dürften keine Lücken und Nachteile entstehen, die nicht wieder aufzuholen wären. Dies gelte vor allem für die benachteiligten Kinder. „Wir müssen wieder mehr Bildung ermöglichen“, sagte Martin.

Nach ihren Angaben werden die Schulöffnungen gemeinsam mit Gesundheitsexperten vorbereitet. Diese Experten hielten diesen Schritt für vertretbar. Vorbehaltlich der Entwicklung der Infektionszahlen werde auch die 1,50-Meter-Abstandsregel aufgehoben.

Nur so können wir einen täglichen und verlässlichen Unterricht gewährleisten. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD)
 

Grundpfeiler des Konzeptes sei, dass es feste Gruppen, Klassen, Lehrkräfte und Räume geben wird. Allerdings werden nicht alle Schüler zur selben Zeit in der Schule sein können.

Ein früherer Start des täglichen Präsenzunterrichts noch in diesem Schuljahr sei unter anderem aus organisatorischen Gründen, wie die Ausarbeitung der jeweiligen Hygienekonzepte, nicht möglich.

Ende übernächster Woche ist der letzte Schultag vor den Sommerferien. In den Ferien soll demnach Förderunterricht angeboten werden. Konzepte für den Regelbetrieb sollen an ausgewählten Schulen getestet werden. Martin betonte, dass konkretere Konzepte noch in der Ausarbeitung seien.

Bereits seit diesem Mittwoch sei die sogenannte 15er-Regel aufgehoben. In größeren Räumen dürften den Angaben zufolge mehr als 15 Schüler sein, wenn die Abstandsregel eingehalten werden kann. Die jüngst abgelaufenen schriftlichen Prüfungen seien sehr erfolgreich und ohne weitere Vorkommnisse verlaufen, sagte Martin.

Ab kommendem Schuljahr wieder Präsenzunterricht

Mit Blick auf die Lehrer erläuterte die Ministerin, dass vom kommenden Schuljahr an wieder alle Präsenzunterricht geben sollen. 34 Prozent der Lehrkräfte in MV würden zur Corona-Risikogruppe gehören, seien also vorerkrankt, schwanger oder älter als 60. Bereits jetzt würde mehr als die Hälfte dieser Pädagogen Unterricht an der Schule geben. Lehrer, die dies im kommenden Schuljahr nicht können oder wollen, müssen sich laut Martin ein ärztliches Attest vom Schul-Betriebsarzt ausstellen lassen.

Kritik von der Linken

Kritik an dem Konzept kam etwa von den Linken. Von einem geregelten Schulbetrieb nach den Ferien könne keine Rede sein, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Simone Oldenburg. „So ist ein zeitlich entzerrter Schulbetrieb an den Schulen kaum durchführbar, weil das allein schon mit der Schülerbeförderung gerade auf dem Lande nicht in Einklang zu bringen ist.“ Zudem würde es an Lehrkräften fehlen - selbst wenn die Lehrerinnen und Lehrer, die einer Risikogruppe angehören, eingesetzt würden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Bildung (GEW) forderte eine bessere technische Ausstattung für Schüler und Lehrer.

Damit immer dann, wenn die Infektionszahlen es erfordern, weitgehend problemlos auf digitales Unterrichten umgestellt werden kann, müssen jetzt die technischen Voraussetzungen stärker als bisher durch Land und Schulträger geschaffen werden. Mitteilung der Gewerkschaft Erziehung und Bildung (GEW)
 

Die CDU plädierte erneut für einen Ausbau freiwilliger Corona-Tests an den Schulen. Der Schulbetrieb könne durch diese Tests zusätzlich abgesichert werden, sagte Marc Reinhardt, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion.

Schulen seit 16. März geschlossen

Alle Schulen in Mecklenburg-Vorpommern waren seit dem 16. März geschlossen, um der Ausbreitung des Coronavirus Einhalt zu gebieten. Schrittweise wurden sie seit dem 27. April wieder geöffnet. Inzwischen gebe es einen - allerdings sehr eingeschränkten - Präsenzunterricht für alle Schüler, sagte Martin.

Sie sei sich bewusst, dass die vergangenen Wochen für alle Schulen, Eltern und Schüler sehr belastend waren. „Die Einschränkungen sind und waren erheblich“, sagte die Ministerin. Sie zeigte sich aber davon überzeugt, dass die Schulschließungen zum positiven Verlauf der Corona-Pandemie in Mecklenburg-Vorpommern beigetragen haben.

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