Mehr als 350 Menschen in Quarantäne : Nach Corona-Infektion eines Priesters muss nun eine Kita schließen

Blick auf die Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit der Pfarrei St. Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin.

Blick auf die Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit der Pfarrei St. Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin.

Mehr als 350 Personen sind nach Kontakt zu dem katholischen Geistlichen in häuslicher Isolation

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07. Juni 2020, 15:24 Uhr

Nach den bis Sonntag mindestens acht bekannt gewordenen Corona-Neuinfektionen im Umfeld der katholischen Kirche in Vorpommern hat der Landkreis Vorpommern-Rügen rund 350 Menschen in häusliche Isolation geschickt. Sie hätten am Pfingstsonntag oder -montag an Gottesdiensten in Stralsund oder Grimmen teilgenommen, begründete Landrat Stefan Kerth (SPD) die sogenannte Allgemeinverfügung.

Weiterlesen: 350 Personen nach Kontakt zu infiziertem Priester in Isolation

Unter Beobachtung der Behörden ist unter anderen auch ein Fest-Gottesdienst zur Verabschiedung eines anderen Priesters am Pfingstmontag in Stralsund mit rund 250 Teilnehmern. Bislang ist bekannt, dass unter den Infizierten ein Priester aus dem Kreis Mecklenburgische Seenplatte und ein ehrenamtlich tätiger Stralsunder sind.

Wie der Landrat ausdrücklich betonte, seien unter den positiv Getesteten auch Personen, die keinen unmittelbaren Kontakt zu dem Priester gehabt hätten. Keiner der Infizierten müsse derzeit in einem Krankenhaus behandelt werden. Bislang wurden 120 Abstriche im Zusammenhang mit den Gottesdiensten untersucht. Mehr als 40 Mitarbeiter der Verwaltung seien dabei, die Kontakte aller Gottesdienst-Besucher nachzuvollziehen.

Zweiwöchige Quarantäne

Die unter Quarantäne stehenden Personen dürfen in den kommenden 14 Tagen ohne Zustimmung des Gesundheitsamtes ihre Wohnung nicht verlassen und keinen Besuch empfangen. Zu den Maßnahmen zähle auch die tägliche Messung der Körpertemperatur. Sollten Symptome auftauchen, die auf die Krankheit Covid-19 hindeuten, müsse medizinisches Fachpersonal benachrichtigt werden.

In ganz Vorpommern wurden alle Gottesdienste mit sofortiger Wirkung abgesagt, wie das Erzbistum Berlin am Samstag mitteilte. Insgesamt sechs Geistliche hätten sich freiwillig in Quarantäne begeben.

Kita muss schließen

Bis zum 15. Juni ist auch die Stralsunder Kita Marienkrone zu, wie die Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit auf ihrer Webseite mitteilte.

Hintergrund sei, dass sechs Mitarbeiter und mehrere Familien mit ihren Kindern, die in der Kita betreut werden, an Pfingstmontag am Gottesdienst in der Stralsunder Marienkirche teilgenommen haben. Alle Betroffenen befänden sich in häuslicher Quarantäne. „Eine Verbreitung des Virus bereits in der vergangenen Woche kann nicht ausgeschlossen werden“, heißt es auf der Webseite.

Insgesamt wurden bis Samstagnachmittag in ganz Mecklenburg-Vorpommern acht neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Damit stieg die Zahl auf insgesamt 774.

Weiterlesen: Corona-Virus lauerte beim Gottesdienst

Weitere Infektionen sind zu erwarten

Infektions-Ereignisse wie das in Vorpommern gehören nach Ansicht des Rostocker Tropenmediziners Emil Reisinger zu den erwartbaren kleineren Ausbrüchen der Krankheit. Dabei handelt es sich um bestimmte Risikogruppen in Altenheimen, Kliniken, Arztpraxen, Restaurants oder eben auch Kirchengemeinden, wie Reisinger am Samstag der Deutschen Presse-Agentur sagte. Überall dort, wo Menschen eng zusammen sind, könnten solche Infektionsgeschehen ablaufen.

Wie Reisinger weiter sagte, seien kleinere Ausbrüche auch in den kommenden Wochen möglich. Es sei weiter denkbar, dass unter den 120 bisher getesteten Personen in Vorpommern der ein oder andere weitere positive Fall auftrete. Es bleibe wichtig, die Kontakte aller Beteiligten nachzuvollziehen, sonst bestehe die Gefahr eines Schneeball-Effekts.

Weiterlesen: Mediziner: Corona-Infektionen in Kirchen gehören zu erwartbaren Ausbrüchen

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