Nach 40 Jahren : NDR erhält gestohlenes Nolde-Bild zurück

Lutz Marmor (l), Intendant Norddeutscher Rundfunk (NDR), und zwei Mitarbeiter stehen neben dem Ölbild 'Sonnenblumen' des Expressionisten Emil Nolde (1867-1956) bei einer NDR-Pressekonferenz. Fast 40 Jahren nach dem Diebstal des Gemäldes im Jahr 1979 hat der NDR das Kunstwerk zurückerhalten.

Lutz Marmor (l), Intendant Norddeutscher Rundfunk (NDR), und zwei Mitarbeiter stehen neben dem Ölbild "Sonnenblumen" des Expressionisten Emil Nolde (1867-1956) bei einer NDR-Pressekonferenz. Fast 40 Jahren nach dem Diebstal des Gemäldes im Jahr 1979 hat der NDR das Kunstwerk zurückerhalten.

1979 konnte die Polizei den Diebstahl nicht aufklären. Das Gemälde blieb verschwunden - bis Mai 2017.

svz.de von
25. November 2018, 19:35 Uhr

Aus dem Hamburger NDR-Funkhaus gestohlen und jahrzehntelang verschollen: Nach fast 40 Jahren hat der Norddeutsche Rundfunk sein Ölbild „Sonnenblumen“ des Expressionisten Emil Nolde (1867-1956) zurückerhalten. 1950 hatte Adolf Grimme, der erste Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR), das 1926 entstandene Gemälde von dem Maler aus Seebüll in Schleswig-Holstein für 10 000 Mark (5100 Euro) gekauft. Pfingsten 1979 sei das Werk dann aus einem Büro gestohlen worden, sagte NDR-Intendant Lutz Marmor bei der Vorstellung des Bildes. Laut NDR taxieren Sachverständige des Auktionshauses Sotheby's den heutigen Wert des Bildes auf rund eine Million Euro.

1979 konnte die Polizei den Diebstahl nicht aufklären. Das Gemälde blieb verschwunden - bis Mai 2017. Eine Berliner Witwe meldete sich den Angaben zufolge über eine Anwältin beim NDR und berichtete, sie besitze dieses Nolde-Werk. Ihre Erklärung: Ein Freund, ein Ex-Produktionsmitarbeiter des NDR, habe ihrem Ehemann die „Sonnenblumen“ einst geschenkt. Erst kürzlich habe sie herausgefunden, dass das Bild echt sei. „Sie hat eine Art Finderlohn verlangt“, berichtete Marmor. Der NDR zahlte nach eigenen Angaben 20 000 Euro, weil nach geltender Rechtslage der Anspruch des ursprünglichen Eigentümers auf Herausgabe nach zehn Jahren erlischt, sofern der aktuelle Besitzer gutgläubig war.

Ausstellungskonzepte sind in Arbeit

Zum Erwerb des Bildes 1950 erklärte der NDR, gelegentliche Kunst-Ankäufe seien seinerzeit kein ungewöhnlicher Vorgang gewesen. Der Rundfunk sei wie andere öffentliche Institutionen verpflichtet gewesen, auch die bildende Kunst zu unterstützen. „Mit Noldes "Sonnenblumen" verbindet den NDR eine besondere Geschichte“, sagte Marmor. „Wir haben nicht vor, das Bild zu verkaufen.“

Das 72 mal 90 Zentimeter große Gemälde soll in Zukunft öffentlich präsentiert werden. Mit großen Kunstmuseen in Hannover, Hamburg, Kiel und Schwerin wird an Ausstellungskonzepten gearbeitet.

Ein Rätsel ist noch offen: Gleichzeitig mit „Sonnenblumen“ verschwand 1979 das Aquarell „Landschaft mit Bauernhaus“ von Nolde aus einem NDR-Büro. Der ehemalige Produktionsmitarbeiter ist inzwischen gestorben. Doch der NDR hofft, dass sich auch der Verbleib dieses Werks eines Tages aufklärt.

Über den außergewöhnlichen Kunstfund berichtet das NDR Fernsehen am Montagabend (22.45 Uhr) in einem „Kulturjournal Extra“. Auch ein Radio-Feature auf NDR Kultur geht am Dienstagabend (20.00 Uhr) dem Geheimnis der „Sonnenblumen“ nach.

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