Landgericht Neubrandenburg : Nebenklageanwalt im Mordprozess um Leonie: Stiefvater „überführt“

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Nach zwei Monaten Verhandlung könnte sich der Prozess um den Tod eines kleinen Mädchens weiter verzögern. Die Befragung der Mutter erfordert wohl mehr Zeit als geplant. Für den Nebenkläger ist hingegen klar, wer die Verantwortung für Leonies Tod trägt.

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29. November 2019, 14:14 Uhr

Der Anwalt der Nebenklage hält den angeklagten Stiefvater im Mordprozess um den Tod der sechsjährigen Leonie für „überführt“. Der 28-Jährige habe sich immer Partnerinnen gesucht, die er „dominieren kann“, sagte Anwalt Falk-Ingo Flöter am Rande des Prozesses in Neubrandenburg. So habe der Angeklagte zwei vorherige Freundinnen und auch Leonies Mutter geschlagen, wie der bisherige Prozessverlauf belege.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und des Stiefvaters

Das Landgericht Neubrandenburg hatte den Prozess mit der neuerlichen Befragung der 25-jährigen Mutter Leonies fortgesetzt. Zum Schutz der Frau wurde das Verfahren am Freitag unter Ausschluss des Stiefvaters und der Öffentlichkeit geführt. Nach der dreistündigen Verhandlung gab es keine Information zur Befragung. Flöter vertritt den leiblichen Vater Leonies, der von der Mutter getrennt lebt.

Ein Gerichtssprecher erklärte, dass mit weiteren Verzögerungen zu rechnen sei. Es könne sein, dass die Mutter noch mehrfach befragt werde. Bisher sollte ihre die Vernehmung am 4. Dezember enden. Am 9. Dezember wollte sich der Angeklagte erstmals äußern.

Stiefvater schweigt

Leonie war am 12. Januar tot in der elterlichen Wohnung in Torgelow im Landkreis Vorpommern-Greifswald gefunden worden. Dem Stiefvater wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll das Mädchen mehrfach so misshandelt haben, dass es schwere Verletzungen erlitt und starb. Der Mann schweigt bisher vor Gericht, hatte bei der Polizei aber einen Treppensturz des Mädchens als Grund für die Verletzungen angegeben. Das bezweifeln Ermittler aber.

Richter Jochen Unterlöhner verlas am Freitag ein Fasergutachten, wonach Fasern einer Treppenmatte am Rückenteil einer Jacke von Leonie gefunden worden sind. Unklar blieb, ob das daraufhin weist, dass das Mädchen wie vom Stiefvater behauptet eine Treppe hinuntergestürzt sein könnte. Laut Anklage soll der Stiefvater verhindert haben, dass die Mutter Rettungskräfte holt. Dann habe er absichtlich erst viel später selbst Retter alarmiert, um vorherige Misshandlungen zu verdecken.

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