Mitarbeiter verunsichert : Insolvenz trifft alle „Lila Bäcker“-Firmen

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Bei den rund 2700 Beschäftigten habe die Nachricht große Unsicherheit ausgelöst, hieß es bei der Gewerkschaft NGG am Mittwoch.

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16. Januar 2019, 13:57 Uhr

Von der Insolvenz der Bäckereikette „Lila Bäcker“ sind alle fünf Firmen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg betroffen - und bei den etwa 2700 Mitarbeitern herrscht große Verunsicherung. „Es handelt sich um eine Gruppeninsolvenz in Eigenverwaltung“, erläuterte am Mittwoch eine Sprecherin des Amtsgerichtes Neubrandenburg. Das heißt: Die Insolvenzverfahren der Unternehmensgruppe wurden bei einem Insolvenzgericht zusammengefasst - und das Management des Unternehmens bleibt im Amt.

Weiterlesen: Produktion läuft weiter: „Lila Bäcker“ stellt Insolvenzantrag

Am Amtsgericht Neubrandenburg war die Insolvenz am Dienstag angemeldet worden. Ursache sei Zahlungsunfähigkeit, hieß es. Als Grund für die Schieflage nannte Geschäftsführer Stefan Blaschak, der nun Insolvenzverwalter ist, am Mittwoch unter anderem „rückläufige Umsätze, die auf den heißen Sommer, der die ganze Branche betraf, sowie auf Sanierungsmaßnahmen im operativen Geschäft“ zurückzuführen seien.

Produktion und Verkauf bis Ende Februar 2019 gesichert

Produktion und der Verkauf in den rund 400 Filialen seien über Insolvenzausfallgeld der Arbeitsagenturen zunächst bis Ende Februar 2019 gesichert hieß es. Ein Sanierungskonzept sehe künftig mehr Snacks und Getränke im Sortiment der rund 400 Filialen vor. Es gebe Gespräche mit möglichen Investoren.

Die Backkette hat drei Firmen in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Hauptstandorte in Pasewalk, Neubrandenburg und Gägelow bei Wismar liegen, und zwei Firmen im brandenburgischen Dahlewitz.

Bei den Beschäftigten hat die Nachricht große Unsicherheit ausgelöst, wie Jörg Dahms von der Gewerkschaft NGG sagte. So blieben Kraftfahrer in Brandenburg am Mittwoch zu Hause, auch Verkäuferinnen kamen nicht, weil am 15. Januar kein Lohn auf ihrem Konto war. Nach Angaben der Mitarbeiter seien die Verkaufszahlen schon seit Wochen zurückgegangen, sagte Dahms. Er vermute auch, dass derzeit gezielt Geld aus dem Unternehmen gezogen werde. Das gesunkene Käuferinteressen werde auch darauf zurückgeführt, dass das eigene Back-Angebot stark reduziert wurde und mehr Backwaren zugekauft würden.

Mehrere Ursachen für die schlechte Lage

Ein Sprecher des Hauptgesellschafters Deutsche Beteiligungs AG (DBAG/Frankfurt/Main) nannte mehrere Ursachen für die schlechte Lage: hohen Wettbewerbsdruck der Branche wie durch Backstationen bei Discountern, höhere Mindestlöhne und nicht ausreichende Maßnahmen zur Umstrukturierung. Der Umsatz der Gruppe, die auch als „Unser Heimatbäcker“ firmiert, lag 2016 bei 142 Millionen Euro, 2017 bei 138 Millionen und 2018 bei „geplant 130 Millionen Euro.“ Die DBAG hatte die Geschäftsführung erst Anfang 2018 gewechselt. Der jetzige Geschäftsführer soll einen Sanierungsberater bekommen. Im Februar 2018 war bereits 220 Mitarbeitern gekündigt worden. Dabei wurden Kuchenproduktionen und Verwaltungsstandorte in Dahlewitz, Pasewalk und Gägelow geschlossen.

Die NGG kritisierte das Vorgehen bei der Insolvenz: Die aktuelle Geschäftsführung habe über elf Monate kein neues Konzept erkennen lassen. Eine Mitarbeiterin des Betriebsrates sagte: „Wir haben das Vertrauen in die jetzige Geschäftsführung verloren.“ Mit der Insolvenz büßten etliche Mitarbeiter auch ihre Ansprüche aus bis zu 300 angesammelten Überstunden ein.

Kritik auch aus dem Landtag

Kritik kam auch aus dem Landtag in Schwerin. Simone Oldenburg als Fraktionsvorsitzende der Linken erklärte, es müsse alles getan werden, damit die Arbeitsplätze in den Filialen erhalten blieben.

Unklar sei aber, ob der Geschäftsführer nun als Insolvenzverwalter überhaupt in der Lage ist, das Unternehmen zu retten. Er sei mit verantwortlich dafür, dass „die Karre im Dreck steckt.“ Ein Fachmann von außen sei nötig.

Von der AfD im Landtag hieß es, der „Fall Lila Bäcker“ zeige leider erneut, dass die Förderung maroder Großkonzerne nichts bringe.

Fördermittel des Landes seien nur „lebenserhaltende Maßnahmen ohne Aussicht auf Besserung“, gewesen. Förderung des Bäckereihandwerks müsse auf kleinen und mittelständischen Betrieben liegen.

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