Dürrehilfen in MV starten : Nach dem Hitzesommer: Diese Lebensmittel werden teurer

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Die Dürre im Sommer lässt die Preise für einzelne Produkte steigen. Es gibt aber auch Ausnahmen.

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06. Oktober 2018, 05:00 Uhr

Der heiße und trockene Sommer ist in Deutschland vorbei. Doch die Auswirkungen dürften Verbraucher noch weiter spüren. Die Preise einzelner Gemüsesorten haben bereits in den vergangenen Wochen angezogen.

Tomaten

Im Sommer, als in ganz Europa Tomaten geerntet wurden, gingen die Preise wie üblich in den Keller. Dank der warmen Temperaturen waren die Tomaten in Deutschland und den Beneluxstaaten schneller reif als sonst, was den Effekt verstärkte. Rispentomaten kosteten im August deshalb 16 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Weizen und Brot

Bei Weizen und Roggen ist die Ernte in MV um bis zu einem Drittel eingebrochen. Künftig werden Verbraucher für Brot, Brötchen und Kleingebäck wohl etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Die Bäckereibranche begründet dies aber hauptsächlich nicht mit den teils drastischen Ernteausfällen. Zu Buche  schlagen würden vor allem Mehrkosten durch die Lkw-Maut, höhere Löhne sowie gestiegene Hygiene- und Qualitätsstandards.

Sanddorn

Die Erntebilanzen der Anbauer  reichen von mager bis überdurchschnittlich. Bei der Sanddorn Storchennest GmbH in Ludwigslust wurden rund 40 Tonnen geerntet,  über die Hälfte weniger als 2017.  Die  Firma Forst Schneebecke in Alt Steinhorst in Vorpommern verzeichnete hingegen  eine „Wahnsinnsernte“.

Salate

Salate werden auf großen Flächen angebaut und brauchen bei hohen Temperaturen viel Wasser. Und selbst das hat auf den ausgetrockneten Böden mancherorts nicht ausgereicht. Im August mussten die Verbraucher gut 27 Prozent mehr für Kopfsalat als im Vorjahresmonat ausgeben, beim Eissalat waren es sogar rund 70 Prozent mehr.

Kartoffeln

Die Kartoffelernte fiel geringer aus als 2017 – in MV um 17 Prozent. Für die Knollenfrucht rechnet Martin Umhau von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) daher mit einem Preisanstieg von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der hohe zu erwartende Zuwachs bei den Kartoffelpreisen hänge aber auch mit einem Überangebot im vergangenen Jahr zusammen, das die Preise purzeln ließ.

Möhren und Zwiebeln

Bei diesen Gemüsesorten  hat  Witterung die Erträge gedrückt. Bei den Zwiebeln fällt die Ernte  gut ein Viertel kleiner aus als im Durchschnitt. Bei Rohwaren wie Möhren und Weißkraut werde die verarbeitende Industrie bis zum Beginn 2019  mit „umfangreichen Ernteausfällen konfrontiert sein“, schrieb die Zeitschrift „Lebensmittel Praxis“.

Äpfel und Birnen

Nach der mauen Ernte im Vorjahr  hängen die Apfelbäume in diesem Jahr voll. Der  Deutsche Bauernverband rechnet mit fast der doppelten Menge – und positiven  Auswirkungen auf die Preise. Laut Statistischem Bundesamt wird die Apfelernte bei 1,1 Millionen Tonnen liegen – 82 Prozent mehr als 2017. Die voraussichtlich 37 000 Tonnen Äpfel aus MV sind in diesem Jahr süß und aromatisch. Pro Kopf werden etwa 19 Kilogramm Äpfel verspeist, wie das Agrarministerium mitteilte. Die Lieblingssorte der Deutschen heißt übrigens Elstar.

Zucker

Die Trockenheit hat den Zuckerrüben  offenbar wenig zugesetzt. Die ersten an die Zuckerfabrik Anklam gelieferten Rüben waren trotz der trockenen Böden vergleichsweise groß, der Zuckergehalt der Früchte  hoch.  Das Unternehmen will  rund 1,4 Millionen Tonnen Rüben zu 130 000 Tonnen Zucker verarbeiten.

Raps und Getreide

Bei der Ölfrucht Raps, landesweit auf 197 000 Hektar angebaut, lagen die Ertragseinbußen laut Statistik bei 20 Prozent gegenüber dem mehrjährigen Mittelwert. Statt 37,2 Dezitonnen holten die Landwirte in diesem Jahr nur knapp 29,8 Dezitonnen der schwarzen Rapssaat vom Feld. Bei Weizen und Gerste litten vor allem die später ausgesäten Sommerarten unter der Dürre.

Gurken

Salatgurken waren Anfang September so teuer wie lange nicht mehr. Kurzzeitig lagen sie im Schnitt bei mehr als einem Euro je Stück. Grund war ein Engpass, da etliche Erzeuger in mehreren Ländern ihre alten Pflanzen herausgenommen und neu gepflanzt hatten, erklärt Michael Koch, AMI-Marktanalyst für den Gartenbau.

Milch und Butter

Wegen der Hitze nahm nicht nur vorübergehend die Milchliefermenge ab, auch die Inhaltsstoffe Eiweiß und Fett waren nicht so reichhaltig in der Rohmilch vorhanden. Die Folge war ein steigender Butterpreis in jüngster Vergangenheit. Er nahm im September  Kurs auf das zuletzt im vergangenen Herbst erreichte Rekordniveau.

Kürbis

Dank des guten Sommerwetters hat die Ernte in diesem Jahr ein bis zwei Wochen früher begonnen als im Vorjahr. Laut  Agrarmarkt Informations-Gesellschaft gibt es ein umfangreiches Angebot – vor allem an Hokkaido-Kürbissen.  Preislich liegen die Früchte in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Blumenkohl und Brokkoli

Bei den sogenannten feineren Kohlarten war das Angebot knapp. Für Blumenkohl etwa wurde Anfang September ein Preis von 1,84 Euro je Stück registriert –  2017  lag der nur etwas über einem Euro. Auch bei Kohlrabi und Brokkoli zogen die Preise an. Beim Brokkoli verzeichnete  die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse im August einen Preisanstieg von sechs Prozent. Hier gab es witterungsbedingte Ausfälle auf den Feldern.

Rot- und Grünkohl

Laut  Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie wird die Ernte von Rot-, Weiß- und Grünkohl  mindestens 25 Prozent unter den Erwartungen liegen. In einigen Regionen rechneten die Bauern mit Einbußen von 50 Prozent, besonders bei Grünkohl. Bei anderem Herbstgemüse wie  Bete und Sellerie sehe es ebenfalls schlecht aus.

MV startet Dürrehilfe

Hilfe in Sicht: Bund und Länder haben sich nach wochenlanger Verzögerung überraschend auf die Auszahlungsmodalitäten für die millionenschwere Dürrehilfe für notleidende Landwirte geeinigt. Ab kommenden Dienstag könne eine finanzielle Unterstützung beantragt werden, teilte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern mit. Die Anträge müssten bis zum 30. Oktober beim Landwirtschaftsamt Schwerin gestellt werden. Die entsprechenden Unterlagen würden ab 9. Oktober auf der Webseite des Ministeriums bereitgehalten. Zunächst werde ein Abschlag von 70 Prozent des Schadensausgleichs ausgezahlt. Vorerst sollen vorrangig Futterbau- und Öko-Betriebe unterstützt werden.

Nach monatelanger Dürre hatten die Bauern in diesem Sommer im dritten Jahr in Folge in MV eine schlechte Ernte eingeholt. In ersten Schadensschätzungen waren Ausfälle von bis zu 531 Millionen Euro und Ertragseinbußen von mehr als einem Drittel erwartet worden. Bund und Länder hatten Ausgleichshilfen und Betrieben mit mehr als 30 Prozent Verlust im Vergleich zum Durchschnitt der letzten Jahre Hilfe zugesagt – in MV bis zu 50 Millionen Euro. Nach der nun vorliegenden Erntebilanz scheinen die Ausfälle etwas niedriger auszufallen. So seien die Erträge für Winterweizen um 26 Prozent, für Roggen und Gerste um etwa 33 Prozent, Raps um 20 Prozent, Mais um 31 und Kartoffeln um 17 Prozent niedriger ausgefallen, teilte der Landesbauernverband gestern im Vorfeld des heutigen Landeserntedankfestes am Sonntag in Dummerstorf im Landkreis Rostock mit.

Weniger Hilfe als gedacht

Derweil scheint die Dürrehilfe vor allem für ostdeutsche Betriebe geringer auszufallen als ursprünglich angekündigt: Die bisher bekannten Regelungen ließen eine Benachteiligung der größeren ostdeutschen Mehrfamilienbetriebe befürchten, kritisierte Landesbauernpräsident Detlef Kurreck gestern. So werde bei der Berechnung der Dürrehilfe auch das Privatvermögen aller Gesellschafter berücksichtigt. Für die Hilfe würden hohe Hürden gestellt. Das könnte zu größeren Kürzungen der Ausgleichszahlungen führen als in Familienbetrieben. „Ein Bürokratiemonster, das keinem hilft und das Unternehmen womöglich in die Pleite treibt, braucht niemand“, kritisierte auch der Agrarexperte der Linksfraktion, Wolfgang Weiß, das Verfahren. Es sei „skandalös“, dass die entsprechende Richtlinie erst kommende Woche vorliegen solle und die Bauern dann nur wenige Tage Zeit hätten, die Hilfe zu beantragen. Weiß: „Erst werden Versprechungen gemacht, die dann in ganz großem Stil gebrochen werden.“

Backhaus wies die Kritik gestern zurück: Es gehe nicht in erster Linie darum, Schäden auszugleichen, stellte er klar. Vielmehr sollten Landwirte unterstützt werden, die „aufgrund der Dürre in Existenznot geraten sind“ – viehhaltende Betriebe, bei denen nach dem ersten Schnitt kein Futter mehr nachgewachsen sei, oder auch Öko-Betriebe. Die Hilfen würden aus Steuergeldern finanziert, die nicht pauschal und ohne Nachweise ausgezahlt werden könnten. Der Rechnungshof habe strenge Kriterien an die Auszahlungen geknüpft. Backhaus: Wie in jeder anderen Branche sei es auch in der Landwirtschaft zumutbar, eigenes Vermögen zur Überbrückung einer schwierigen Situation im Betrieb einzusetzen.

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