Mecklenburg-Vorpommern : Staatshilfen sollen Tourismus das Überleben ermöglichen

Verschlossen sind die Strandkörbe am menschenleeren Strand des Ostseebad Ahlbeck.

Verschlossen sind die Strandkörbe am menschenleeren Strand des Ostseebad Ahlbeck.

Die beiden zurückliegenden Jahre haben Touristen und Tourismuswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern verwöhnt. Die Sommer waren heiß und die Betten gut belegt. Doch die Corona-Krise stürzt die Branche nun in eine Krise.

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30. März 2020, 08:13 Uhr

Die mindestens fünfwöchige Zwangspause für den Tourismus trifft die Branche in Mecklenburg-Vorpommern ins Mark. Der Corona-Krise fällt auch das Ostergeschäft zum Opfer, üblicherweise der erste Saisonhöhepunkt. Laut Statistik verzeichneten Hotels, Pensionen, gewerbliche Ferienhausvermieter und Campingplätze im Land im April vorigen Jahres - auch wegen der Oster-Feiertage - rund 2,6 Millionen Übernachtungen. Das waren gut sieben Prozent der zum Jahresende registrierten 34 Millionen Übernachtungen.

Mitte März war wegen der Corona-Epidemie das Reiseverbot verhängt worden. Noch über Ostern bis zum 19. April soll es andauern. Zunächst.

Verwöhnt durch vergangene Jahre

Beseelt von den vorhergehenden beiden Rekordsommern war die Branche erwartungsvoll in das neue Jahr gestartet. Einer verbandsinternen Befragung zufolge rechneten 62 Prozent der Anbieter mit ähnlich guten Geschäften wie 2019, 12 Prozent sogar mit Steigerungen. Die jüngste Umfrage des Tourismusverbandes aber zeigt nicht nur Ernüchterung sondern blanke Existenzangst: Demnach rechnen 95 Prozent der rund 900 befragten Unternehmer mit starken Umsatzeinbußen, 40 Prozent sogar mit einem Komplettausfall des Umsatzes.

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Die Dramatik der Situation zeigte sich zuletzt auch an den extra geschalteten Krisentelefonen der Industrie- und Handelskammern im Land. Wie eine dpa-Umfrage ergab, kam ein Großteil der Anrufe aus Gastronomie und Hotellerie. Auch nach den Worten von Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) leidet neben dem Handel besonders der Tourismus unter den zur Virus-Abwehr verhängten Kontaktbeschränkungen und Schließungen.

Alle an einem Strang ziehen

„Unser aller Gesundheit steht momentan im Vordergrund. Entscheidend ist es, heute schon an morgen zu denken. Jeder Gast ist uns wichtig“, erklärte Glawe. Deshalb würden Touristen regelmäßig mit Informationen und Neuigkeiten aus der Region versorgt. Mecklenburg-Vorpommern habe sich als Tourismusland über die Jahre einen guten Ruf erworben, dem es auch künftig wieder gerecht werden wolle. „Entscheidend ist, dass die Branche in dieser herausfordernden Situation an einem Strang zieht. Selbstverständlichkeiten gibt es nicht. Wir müssen weiter intensiv um Gäste werben“, betonte der Minister.

Laut Statistik trägt der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern mit einem Bruttoumsatz von zuletzt über acht Milliarden Euro im Jahr rund zehn Prozent zum Primäreinkommen im Land bei und damit doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt. Landesweit erzielten rund 150 000 Menschen direkt und indirekt ihren Lebensunterhalt durch den Tourismus. Für viele hat nun eine Zitterpartie begonnen.

Nach den Worten von Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, lassen sich die Auswirkungen der Corona-Krise noch nicht gänzlich abschätzen. „Aber die Folgen werden wohl dramatisch sein. Schon jetzt zeichnen sich über das Jahr Umsatzverluste von zehn bis zwanzig Prozent ab“, sagte Woitendorf.

Hilfe für Touristiker

Niemand wisse zudem, wie lange die Krise anhalte und wann der Tourismus wieder in Gang komme. „Das wichtigste ist, dass wir die Betriebe und damit die Arbeitsplätze möglichst alle erhalten“, betonte der Verbandschef.

Dabei könnten Kurzarbeitergeld und staatliche Liquiditätshilfen wichtige Beiträge leisten. Allein das Land Mecklenburg-Vorpommern sah sich angesichts der drohenden wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie gezwungen einen Schutzschirm mit einem Volumen von 1,1 Milliarden Euro aufzuspannen. Die ersten Gelder wurden ausgezahlt.

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