Mecklenburg-Vorpommern : Zahl der Berufspendler in andere Bundesländer weiter gewachsen

Niedrigere Löhne und längere Arbeitszeiten in MV - Fachkräfte suchende Unternehmen im Westen. Warum nehmen die Menschen für den Job immer noch lange Wege in Kauf?

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22. Februar 2019, 20:00 Uhr

Trotz guter wirtschaftlicher Entwicklung des Landes ist der Pendlerstrom aus MV in andere Bundesländer weiter angeschwollen. Mitte vergangenen Jahres fuhren 75 581 Beschäftigte von ihrem Wohnort im Nordosten zur Arbeit in ein anderes Bundesland - 710 mehr als ein Jahr davor, wie das Statistische Landesamt am Freitag in Schwerin bekanntgab.

Mehr als jeder achte Beschäftigte aus Mecklenburg-Vorpommern geht damit über die Landesgrenze, um zur Arbeit zu gelangen. Besonders häufig wird dem Amt zufolge aus den westlichen Landkreisen Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim gependelt. Hauptziel ist Schleswig-Holstein, gefolgt von Hamburg und Niedersachsen. Ein großer Teil der Berufspendler sind Männer und über 40 Jahre alt.

Zahl der Auspendler steigt schon seit längerem

Die Zahl der Auspendler steigt schon seit längerem: Im Jahr 2015 nahmen noch 72 685 Menschen den Arbeitsweg in ein anderes Bundesland in Kauf. Im Jahr darauf waren es 74 188 und 2017 dann 74 871. Obwohl im vergangenen Jahr nun die Marke von 75 000 Pendlern überschritten wurde, will der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Gunnar Bauer, lieber von einer eher konstanten Entwicklung sprechen.

 

Er gibt zu bedenken, dass die Zahl der Pendler zum Beispiel auch dann steige, wenn Beschäftigte aus Hamburg oder Schleswig-Holstein mit ihren Familien nach Mecklenburg-Vorpommern ziehen - zum Beispiel wegen geringerer Kosten, aber ihre Arbeitsstelle behalten und deshalb pendeln. „Dies zeigt, Auspendeln ist nicht grundsätzlich negativ zu werten, denn so fließt Einkommen und Kaufkraft in das Land“, sagte er.

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Auch nach MV wird gependelt

Menschen mit Wohnsitz in anderen Bundesländern pendeln auch zur Arbeit nach MV, doch es sind deutlich weniger als die Auspendler. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Statistikamt 28 390 Einpendler, wodurch sich ein negativer „Pendlersaldo“ von 47 191 ergab. Er ist in den vergangenen Jahren weitgehend konstant geblieben. Aus dem Ausland pendelten Mitte vorigen Jahres 3808 Menschen zur Arbeit nach MV - 9,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Rund 85 Prozent von ihnen sind Polen.

Das Statistikamt sieht vielfältige Gründe für das Pendeln über Landesgrenzen. Neben Karrierechancen, Verdienstmöglichkeiten und dem Wohnungsmarkt spielten auch das Vorhandensein und die Qualität von Kita und Schule sowie Traditionen eine Rolle für das Wohnen in dem einen und das Arbeiten in dem anderen Bundesland eine Rolle. „Für Mecklenburg-Vorpommern vermutbar dürfte jedoch die Arbeitsmarktsituation mit einer Arbeitslosenquote des Landes im Jahresdurchschnitt 2018 von 7,9 Prozent ein anhaltend starker Faktor für die Inkaufnahme weiter Arbeitswege ... sein“, konstatierte Margit Herrmann von dem Amt in ihrem Bericht.

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sieht die Unternehmen im Land in der Pflicht, mit lohnenswerten Rahmenbedingungen Fachkräfte zu sichern und zu gewinnen. „Wir brauchen mehr Arbeitsplätze und ein Arbeitsumfeld, was attraktiver ist als zu Pendeln“, sagte er. Das Land tue, was es könne. „Wir arbeiten an der Verbesserung der Rahmenbedingungen. Jede Neuansiedlung und Erweiterung schafft und sichert Arbeit vor Ort.“

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