Mecklenburg-Vorpommern : Rügener Insel-Brauerei: Jedes zweite Bier ist alkoholfrei

Koyka Stoyanova, Mitarbeiterin der Insel-Brauerei in Rambin auf der Insel Rügen, präsentiert im Lagerverkauf ein Glas Bier mit einer alkoholfreien Biersorte.

Koyka Stoyanova, Mitarbeiterin der Insel-Brauerei in Rambin auf der Insel Rügen, präsentiert im Lagerverkauf ein Glas Bier mit einer alkoholfreien Biersorte.

Bier ohne Alkohol liegt im Trend. Der Deutsche Brauer-Bund rechnet damit, dass es bald einen Anteil von 10 Prozent am Biermarkt hat.

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28. Juli 2019, 12:00 Uhr

Der Betriebsleiter der Rügener Insel-Brauerei hat seinen privaten Alkoholkonsum halbiert, seitdem er alkoholfreies Bier selbst produziert. Frank Lucas ist als Braumeister und Deutscher Meister der Bier-Sommeliers ein absoluter Genusstrinker. Wie ihm schmecken offensichtlich Hunderttausenden Biertrinkern in Deutschland die alkoholfreien Alternativen.

So gut wie jede große und mittelständische Brauerei hat mittlerweile alkoholfreies Bier im Angebot, wie der Deutsche Brauer-Bund in Berlin mitteilt. 2018 habe die Nachfrage die optimistischsten Prognosen übertroffen. Der Brauer-Bund erwartet, dass der Marktanteil alkoholfreier Biere in Deutschland von 7 Prozent 2018 auf künftig 10 Prozent steigen wird.

Seit Juni alkoholfreie Biere im Angebot

Diesen Wert hat die kleine, noch junge Rügener Insel-Brauerei in Rambin auf einen Schlag übertroffen. Seit Juni sind erstmals alkoholfreie Biere im Angebot. Die Nachfrage nach den vier Sorten sei so groß, dass ihr Anteil bereits die Hälfte der Produktion ausmache, sagt Lucas. „Die sind so richtig eingeschlagen.“ Die Beliebtheit alkoholfreier Biere erklärt er vor allem mit dem Trend zu einer bewussteren Ernährung.

Die handwerkliche Brauerei produziert pro Woche etwa 120 000 Drittelliter-Flaschen. Die aufwendigere Herstellung des alkoholfreien Bieres geht zulasten des herkömmlichen Bieres, von dem die Insel-Brauerei 15 Sorten anbietet. Durch die neuen Biere habe sich die Gesamtproduktion um etwa 50 Prozent erhöht. Im August sollen vier neue Mitarbeiter das Team verstärken. Derzeit hat die Brauerei in Rambin 15 Beschäftigte sowie sieben Außendienstmitarbeiter. Perspektivisch wird an eine Erweiterung der Produktion gedacht.

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Besonderheit ist die Flaschenreifung

Im Verkostungsraum der neugebauten, 2015 eröffneten Brauerei, steht Koyka Stoyanova hinterm Tresen. Die gebürtige Bulgarin hat Linguistik studiert, bevor sie zum Bier kam. Jetzt erklärt sie den Gästen die Besonderheiten der verschiedenen Biere. „Sie können zum Beispiel bei einer Feier den Sekt ersetzen und ein komplettes Menü bis hin zur Kuchentafel begleiten“, sagt sie.

Viele Kunden seien Weintrinker, die sich bislang wenig aus Bier gemacht hätten und nun dessen ganze Vielfalt entdeckten. Außer Wasser, Hopfen und Malz und in drei Fällen Gewürzen wie Meersalz sei nichts in den Bieren. Die Differenzen entstünden durch unterschiedliche Hefen. Eine Besonderheit der Insel-Biere sei die Flaschenreifung.

Braumeister Frank Lucas kontrolliert einen offenen Gärbottich in der Insel-Brauerei
Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Braumeister Frank Lucas kontrolliert einen offenen Gärbottich in der Insel-Brauerei

 

Lange Zeit der Entwicklung

Zu den neuen Alkoholfreien gehört vom Stil ein India Pale Ale (IPA), helles Bier aus dem englischsprachigen Raum, das früher für die Kolonien gebraut wurde. Um die Seereisen zu überstehen, seien sie robust und mit hohem Alkoholgehalt, erklärt Lucas. Nun also ohne oder fast ohne Alkohol, obwohl jedes Zehntel wichtig ist für den Geschmack. 0,5 Volumenprozent dürfen enthalten sein.

Der Alkohol wird in einer speziellen Anlage herausdestilliert, wie Lukas erläutert. Anschließend werde die sorteneigene Kohlensäure wieder zugesetzt. Über ein Jahr habe man an der Entwicklung des Verfahrens gearbeitet.

An einem der Tische sitzt ein Urlauberpaar aus der Schweiz vor acht Probiergläsern, alkoholfreies Bier ist nicht dabei. Sie mögen Biere, die nicht so bitter sind, sagt Tristan Bourrit. „Wir trinken nicht gegen den Durst, sondern zum Genießen.“ Am besten, räumt er ein, schmecken beiden die Biere mit einem höheren Alkoholgehalt. Zum Schluss wandern etliche Flaschen der zum Schutz vor Licht in Papier gewickelten Flaschen in die mitgebrachte Einkaufstasche. „Für die Familie und Freunde zu Hause“, sagt er augenzwinkernd.

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