Mecklenburg-Vorpommern : Reisebüros fordern wegen Corona-Krise eigenen Rettungsschirm

In der Vorwoche demonstrierten Hoteliers aus der Mecklenburgischen Seenplatte vor der Staatskanzlei in Schwerin, um ein Ende der Zwangsschließungen zu fordern. Nun trugen Reisevermittler dort ihren Protest vor.

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29. April 2020, 14:41 Uhr

Etwa 50 Inhaber und Mitarbeiter von Reisebüros und Reiseveranstaltern aus Mecklenburg-Vorpommern haben am Mittwoch vor der Staatskanzlei in Schwerin einen eigenen Rettungsschirm für ihre Branche gefordert. Der dramatische Umsatzeinbruch infolge der Corona-Krise und die Rückzahlung von Provisionen für stornierte Reisen sei für die meisten kleinen Reisebüros eine existenzielle Bedrohung. „60 bis 80 Prozent dieser Betriebe stehen kurz vor der Insolvenz“, sagte der Schweriner Agenturbetreiber Sven Jentzen als Mitinitiator der Protestaktion.

100 Reisebüros unter Druck

Nach seinen Angaben gehen die bisher gewährten Soforthilfen an den Bedürfnissen der Reisebüros weitgehend vorbei und Kredite würden die finanziellen Lasten in unsicherer Zeit noch erhöhen. Die etwa 100 Reisebüros im Nordosten benötigten dringend Zuschüsse von Bund und Land. Es sei noch völlig unklar, wann die Reisebeschränkungen aufgehoben würden und mit neuen Buchungen auch wieder Einnahmen erzielt werden könnten, begründete Jentzen die Forderung.

Bisher keine Reaktion von der Landesregierung

Die Rostocker Reisebüro-Betreiberin Carolin Verchow zitierte aus einem Brief an Bundes- und Landespolitiker, in dem sie nach eigenen Angaben bereits Anfang April auf die dramatische Lage der Branche aufmerksam gemacht hatte, bislang aber keine Antwort erhalten habe.„Wir als Kleinunternehmer zahlen regelmäßig Steuern an den Staat. Jetzt brauchen wir Hilfe“, machte sie deutlich.

Komme diese nicht schnell, gingen viele Arbeitsplätze verloren, da seit Wochen schon kein neues Geld in die Kassen komme und eine Besserung nicht in Sicht sei. Zudem drohten die kleinen Reisebüros bei der Einlösung von Reisegutscheinen leer auszugehen. „Ich kann nicht von 500 Euro im Monat und Luft und Liebe leben“, sagte Verchow.

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Auch Christine Eichen vom Reisebüro Schwarz in Grabow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) äußerte sich besorgt. „Ostern ist komplett als Reisezeit ausgefallen. Viele Menschen sind verunsichert, neue Buchungen kommen derzeit nicht rein. Damit fehlen Einnahmen“, konstatierte auch sie. Da die staatlichen Soforthilfe nicht darauf ausgerichtet seien, den Lebensunterhalt zu sichern, müsse sie derzeit vom Ersparten leben.

Sven Jentzen schlug ein Hilfsprogramm vor, bei dem sich die Zuschüsse am durchschnittlichen Umsatz der Vorjahre orientiere. Wie er äußerten auch andere Demonstrationsteilnehmer die Sorge, dass die Reisetätigkeit nur langsam wieder in Schwung kommen wird und die Durststrecke für die Reisebüros länger andauern wird. Zudem sei die Urlaubszeit für Arbeitnehmer begrenzt und nicht immer könne diese nach hinten verlegt werden, hieß es.

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