Mecklenburg-Vorpommern : Neustrelitz feiert 100. Jubiläum der ersten demokratischen Verfassung

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Im Herzogtum Mecklenburg-Strelitz wurde 1919 die erste demokratische Verfassung Deutschlands verabschiedet.

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28. Januar 2019, 20:00 Uhr

Mit einer Konferenz in Neustrelitz (Mecklenburgische Seenplatte) erinnern die Stiftung Mecklenburg und Stadtvertreter am Dienstag an ein Stück deutscher Demokratiegeschichte. Am 29. Januar jährt sich die Verabschiedung der ersten demokratischen Landesverfassung Deutschlands in Mecklenburg-Strelitz zum 100. Mal. „Die Situation in Mecklenburg-Strelitz war 1918 nach der Novemberrevolution so, dass es keinen Thronfolger gab und Mecklenburg-Schwerin Anstalten machte, Mecklenburg-Strelitz zu übernehmen“, erklärte der Historiker Wolf Karge am Montag. Der 67-Jährige ist seit 40 Jahren Landeshistoriker, hält Vorträge zur Landesgeschichte und war unter anderem einmal Chef des Rostocker Kulturhistorischen Museums. Zuvor hatten Medien berichtet.

Die Eile bei der Verabschiedung der Verfassung sei vor allem vom Drang zur Selbstständigkeit des Landes geprägt gewesen, sagte er. Die verfassungsgebende Versammlung bestand aus 21 Sozialdemokraten, 18 Liberalen und zwei Vertretern von Handwerkern und Bauern. So erkläre sich auch, dass es eine demokratische Verfassung geworden sei, sagte Karge. „Aber wer zuerst kommt, macht auch die meisten Fehler.“ Vor allem, dass sie in der Eile ohne große Debatte verabschiedet wurde, sei aus heutiger Sicht ein Manko.

Würdigung der Landespolitik gewünscht

Mit der Verfassung sollte dem Historiker zufolge vor allem eine dynastische Thronfolge ausgeschlossen werden. Denn nach dem Tod des letzten Strelitzer Großherzogs Adolf Friedrich IV im Februar 1918, hätte theoretisch Carl Michael zu Mecklenburg aus der russischen Familienlinie der Strelitzer Herzöge den Thron besteigen können. Doch der sei zu jenem Zeitpunkt im nachrevolutionären Russland auf der Flucht gewesen und niemand in Mecklenburg wusste, ob er noch lebte. Karge zufolge ging es jedoch beim Wunsch nach Selbstständigkeit auch um Geld: Mecklenburg-Strelitz sei im Gegensatz zum Schweriner Herzogtum nicht verschuldet gewesen.

Der Historiker hätte sich zum Jahrestag eine stärkere Würdigung des Ereignisses von der Landespolitik gewünscht. „Es ist nun mal die erste Verfassung, Punkt. Da kann man sich ruhig mal auf die Brust klopfen“, sagte Karge. Der Sprecher der Schweriner Staatskanzlei, Andreas Timm, sagte, manches, was damals festgeschrieben worden sei, finde sich auch in der heutigen Landesverfassung. Etwa der Grundsatz der allgemeinen, gleichen, geheimen und unmittelbaren Wahlen und das Frauenwahlrecht. „Das war damals keine Selbstverständlichkeit, sondern eine wichtige Errungenschaft“, erklärte Timm.

Auf Kritik, dass kein Regierungsmitglied an den Neustrelitzer Feierlichkeiten teilnehme, entgegnete er, dass dies aus terminlichen Gründen nicht möglich sei: Seit mindestens 1998 tage dienstags das Regierungskabinett.

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