"Perle in Vorpommern" : Entwicklung der Region Penkun

Ein Konzept für die Zukunft der Grenzregion um Penkun (Landkreis Vorpommern-Greifswald) haben die Hochschule Neubrandenburg und Kommunalpolitiker am Donnerstag vorgestellt.

Ein Konzept für die Zukunft der Grenzregion um Penkun (Landkreis Vorpommern-Greifswald) haben die Hochschule Neubrandenburg und Kommunalpolitiker am Donnerstag vorgestellt.

Die Kleinstadt Penkun gilt wegen ihrer Seen als "Perle in Vorpommern". Doch die Kommune bekam immer weniger Geld aus Schwerin, so dass die Regionalschule mehrfach vor der Schließung stand.

svz.de von
22. November 2018, 20:00 Uhr

Politische Unstimmigkeiten zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern behindern die Grenzregion um Penkun (Landkreis Vorpommern-Greifswald) und den Norden der Uckermark. „Uns fehlen weiterhin die Schüler aus Brandenburg an der Grund- und der Regionalschule Penkun, die früher da waren“, sagte Penkuns Bürgermeister Bernd Netzel (FDP) am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie „UniDorf“ der Hochschule Neubrandenburg. Der von der Schweriner Landesregierung verhängte Aufnahmestopp sei noch immer nicht aufgehoben. An den Schulen lernten bis vor vier Jahren 250 Schüler, darunter 50 Brandenburger. Derzeit sind es 200 Schüler und noch acht aus dem Nachbarland.

Ursache dafür ist laut Netzel, dass Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr den gegenseitigen Schullastenausgleich zahlt. Wegen knapper Schülerzahlen stand die Regionalschule, die 1958 als eine der ersten Schulen in Ostdeutschland gebaut wurde, vor der Schließung, auch die bis zu zwei Millionen Euro teure Sanierung wurde immer weiter verschoben.

Mehr Bauplätze mit Seeblick

Penkun ist mit rund 1200 Bewohnern die kleinste Stadt im Nordosten, darunter auch etliche polnische Bürger. Sie liegt in einem südöstlichen Zipfel, der weit nach Brandenburg hineinreicht. Es gibt sonst enge Verflechtungen. Die Untersuchung der Hochschule bescheinigt den Penkunern unter anderem wegen der vielen Seen im Umfeld, der Autobahnanbindung und der vielen Vereine aber eine hohe Lebenszufriedenheit mit ihrer Heimat.

Trotzdem gebe es viele Chancen und Aufgaben für die Region, wie die Hochschule unter Leitung von Peter Dehne in einer Broschüre aufzählt. So könnten deutlich mehr Einwohner angelockt werden, wenn es mehr Bauplätze gäbe - vorzugsweise mit Seeblick. Neben dem Erhalt der Schulen schlagen Dehnes Studenten ein Wegekonzept zum Wandern, einen Trimmdich-Pfad, die Belebung des Schlossgeländes sowie einen Bürgerbus zur nahen Bahnlinie Berlin-Stettin vor.

„Das hätten wir alles auch schon in Angriff genommen“, sagte Bürgermeister Netzel. „Aber das Land hat sich auf Kosten der Kommunen saniert und uns fehlt das Geld.“ Penkun habe 2011 rund 480 000 Euro Schulden gehabt und sollte eigentlich Konsolidierungshilfe vom Land bekommen. Das habe nicht geklappt, weshalb die Schulden inzwischen auf 3,8 Millionen Euro gewachsen seien.

Regionalschule hat einen wichtigen Schwerpunkt gesetzt

„Das Land muss die Kommunen endlich so ausstatten, dass sie auch ihre Aufgaben finanzieren können“, forderte der neue Landrat von Vorpommern-Greifswald, Michael Sack (CDU). Es sollte überall gleichwertige Lebensverhältnisse geben, auch in dünn besiedelten Gebieten. Das Land müsse einen „Flächenfaktor“ in das neue Finanzausgleichsgesetz aufnehmen. Fusionen von Gemeinden lösten die Probleme nicht. Auch die „kostenfreie Kita“ als Ziel aus Schwerin, müsse man sehr kritisch sehen. „Ich ahne schon, wer das finanziell auslöffeln soll“, sagte Sack.

Unterdessen wollen Hochschule und Penkun einen Fahrplan für weitere Vorhaben aus der Untersuchung verabreden. Die Regionalschule habe mit ihrer Ausrichtung auf starke Berufsorientierung schon einen wichtigen Schwerpunkt gesetzt, sagte Dehne. An der Schule absolvieren Achtklässler ein Jahrespraktikum und gehen dabei einen Tag pro Woche in Firmen. Dabei lernen sie nacheinander Handwerk, Landwirtschaft, soziale Einrichtungen und andere Branchen kennen.

Der Region fehlt außerdem trotz vieler Bemühungen immer noch ein öffentlicher Personennahverkehr über die Landesgrenze hinweg, wie Netzel betonte.

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