Reaktion auf Coronavirus : Mecklenburg-Vorpommern sperrt Inseln für Urlauber

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) macht den Ernst der Lage deutlich.
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) macht den Ernst der Lage deutlich.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig vereinbarte am Sonntag mit ihren Amtskollegen aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen, den Tourismus aus anderen Ländern und Bundesländern „massiv einzuschränken“.

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15. März 2020, 20:00 Uhr

Nachdem sich am Wochenende Deutschlands Urlauberströme auf die Inseln an Nord- und Ostsee konzentrierten, will Mecklenburg-Vorpommern seine Inseln sperren. Am Sonntagabend vereinbarten Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Daniel Günther (Schleswig-Holstein) und Stefan Weil (Niedersachsen) in einer Telefonkonferenz, den Tourismus aus anderen Ländern und Bundesländern „massiv einzuschränken“.

Auch Festlandtourismus betroffen

Schleswig-Holstein kündigte an, seine Nord- und Ostseeinseln für Touristen abzuriegeln. Betroffen sind Sylt, Amrum, Föhr, Fehmarn und die Halbinsel Nordstrand. In Mecklenburg-Vorpommern gehören Usedom, Rügen, Fischland-Darß und Poel dazu, so Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Gespräch mit unserer Redaktion. Auch der Festlandtourismus ist betroffen. Schwesig: „Wir brauchen einen bundesweiten Stopp im Urlaubsreiseverkehr. Es macht keinen Sinn, den Virus durch ganz Deutschland zu kutschieren.“

„Explosivartige Ausbreitung“ befürchtet

Die Ministerpräsidentin appellierte an die Gäste, in den nächsten Wochen zu Hause zu bleiben. Die Vermieter und Hotels sollen keine Buchungen mehr annehmen. „Es geht um den Schutz der Bevölkerung und der Gäste.“ In einem Brief an die Ministerpräsidentin und den Gesundheitsminister warnen Mediziner der Unimedizin in Greifswald und Rostock, dass der „ungehinderte Einreiseverkehr mit nicht kalkulierbaren Risiken verbunden“ sei. Es könne zur „explosivartigen Ausbreitung“ des Virus kommen.

Weiterlesen: In diesen Regionen wurde das Coronavirus nachgewiesen

Weitere Testzentren geplant

Am Samstag verkündete Schwesig nach einer neunstündigen Sondersitzung ihres Kabinetts mit den Landräten un Oberbürgermeistern ein zehn Punkte umfassendes Maßnahmenpaket, mit dem das öffentliche Leben in MV massiv eingeschränkt wird. Ziel: die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verlangsamen und so das Gesundheitssystem vor folgenschweren Überlastungen durch Masseninfektionen zu schützen. So bleiben für die kommenden fünf Wochen bis einschließlich 19. April  nicht nur Kitas und Schulen, sondern auch Hochschulen, Theater und Museen geschlossen. Für Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser gelten fortan Besuchsverbote. Bis gestern Abend wurden in Mecklenburg-Vorpommern 50 nachgewiesene Infektionen mit Covid-19 registriert. Vier Patienten seien schwerer erkrankt und deshalb in stationärer Behandlung, hieß es. Zur raschen Identifikation von Coronavirus-Infektionen soll die Zahl der Testzentren von neun auf zwölf erhöht werden. 1500 Menschen wurde bislang getestet.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus finden Sie in unserem Liveticker und auf unserer Dossierseite.

Kommentar von Max-Stefan Koslik: Jetzt weiß jeder, woran er ist

Respekt. Das, was die Landesregierung am Wochenende als Zehn-Punkte-Plan vorgelegt hat, das klingt nach einem abgestimmten Krisenmanagement zwischen Land und Kreisen. Jetzt weiß jeder Bürger, woran er ist. Kein Rufen mehr nach einem nationalen Notfallmanagement von oben. Nach der Prosa letzte Woche im  Landtag von „Fahren auf Sicht“ und „Augenmaß“ hat die Ministerpräsidentin ihr Kabinett versammelt und mit den Oberbürgermeistern und Landräten in langer Beratung ein einheitliches Handeln aus dem Boden gestampft. Ein gemeinsames. Nicht einfach, aber nötig. Schwesig beweist Führungsstärke.

All jenen, die meinen, der Zehn-Punkt-Plan sei angesichts der geringen Zahl von Erkrankten in MV eine Nummer zu groß, der mag sich die rasant steigende Zahl der Corona-Fälle bundesweit anschauen. Vielleicht ist der Notfallplan der Landesregierung noch nicht die letzte harte Entscheidung. Vielleicht aber sorgt er dafür, dass die erwarteten 10 000 Erkrankungen in MV  nicht eintreten. Das wäre ein Erfolg.

Fakt ist, das hat diese Epidemie schon jetzt gezeigt, das föderale System ist auf solche existenzbedrohenden Krisen nicht besonders gut vorbereitet, wenn es seine Stärken nicht ausspielt: Verantwortung vor Ort zu übernehmen. In den Landeshauptstädten, in den Landkreisen und Kommunen.

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