Unternehmen positiv gestimmt : MV-Wirtschaft trotz Wolken am Konjunktur-Himmel optimistisch

Die Firmen im Nordosten bleiben optimistisch. Dabei spielt auch die relativ niedrige Exportquote eine Rolle.

von
28. Mai 2019, 20:00 Uhr

Die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern trotzen den bundesweit schwächer werdenden Wachstumsprognosen und bleiben optimistisch. Das ergaben Umfragen zur Konjunktur der drei Industrie- und Handelskammern im Land bei mehreren hundert Unternehmen, die am Dienstag vorgestellt wurden. „Hauptgrund ist, dass die Wirtschaft im Nordosten weniger exportabhängig ist als im Bundesniveau, vor allem was Exporte außerhalb der EU betrifft“, erläuterte in Neubrandenburg der Hauptgeschäftsführer der IHK Torsten Haasch vor Journalisten. Bei einem Bruttoinlandsprodukt von 44 Milliarden Euro im Jahr liege der Export von MV-Firmen bei rund 7,2 Milliarden Euro, also etwa 16 Prozent. Bundesweit liege dies mehr als doppelt so hoch.

Gewerbliche Wirtschaft auf Wachstumskurs

Insgesamt sehen gut 90 Prozent der befragten Firmen ihre Geschäftslage „stabil oder gut“. Ähnlich sehe es bei den Erwartungen für die nächsten zwölf Monate aus. Besonders gut sehe es in der Baubranche aus, die derzeit einen hohen Auftragsvorlauf habe, hieß es bei allen Kammern. Aber auch Handel und Dienstleistungen schätzten ihre Lage trotz Internetkonkurrenz und gestiegenen Steuerlasten weit überwiegend als gut ein.

Die gewerbliche Wirtschaft bleibe auf Wachstumskurs, konstatierte der Hauptgeschäftsführer der IHK Rostock, Jens Rademacher. „Konjunkturelle Untiefen“ als Folge von internationalen Handelskonflikten und Brexit hätten bislang sicher umfahren werden können. Die Investitionsbereitschaft der Nordost-Firmen sei weiter hoch und werde nur von der Problem gebremst, dass Fach- und Arbeitskräfte fehlten, erläuterte Haasch. Zwei von drei Unternehmen sähen das in Westmecklenburg beispielsweise als größte Sorgen, erläuterte Siegbert Eisenach von der IHK in Schwerin. Die Bundespolitik müsse endlich das fertige Fachkräfteeinwanderungsgesetz zur Anwendung bringen.

„Wir brauchen ertragsstarke Branchen“

Ungeachtet der positiven Erwartungen forderte Haasch mehr politische Anstrengungen, damit mehr Industrie im Nordosten angesiedelt werden kann. „Wir brauchen ertragsstarke Branchen“, sagte der Neubrandenburger. Nur so könne Mecklenburg-Vorpommern in Zukunft auch soviel Geld einnehmen, dass es nicht mehr von Zahlungen anderer Bundesländer oder des Bundes abhängig sei.

Ein Mittel könne die Vermarktung eines großen Gewerbegebietes im Süden Vorpommerns sein, dass jetzt unter „Großgewerbestandort Berlin/Stettin“ angeboten werde. Die Fläche befindet sich an der Autobahn 20 bei Pasewalk (Vorpommern-Greifswald), das etwa 100 Kilometer nördlich von Berlin liegt und über die A 11 Berlin-Stettin ebenfalls gut zu erreichen wäre.

Maßnahmen gegen Nachwuchssorgen

Um Nachwuchs zu halten und Arbeitskräfte anzuziehen, hat die IHK Neubrandenburg als Vorreiter in ganzes Bündel an Maßnahmen gestartet. So gab es erstmals eine „Heimkehrertag-Messe“ am zweiten Weihnachtstag 2018. Dort seien mehrere hundert Interessenten gekommen, die in andere Bundesländer gegangen sind und im Dezember zu Besuch bei Verwandten waren. Daraus entstanden mehrere Arbeitsverhältnisse. Dies soll wiederholt werden.

Zudem wird an Gymnasien um Auszubildende geworben, wobei Lehrlinge mit Gleichaltrigen sprechen. Wichtig für Mecklenburg-Vorpommern sei zudem eine dezentrale Berufsstruktur, erklärte Haasch. So schrecke es Auszubildende ab, wenn alles in großen Städten konzentriert werde, wo es auch hohe Mieten und kaum Wohnraum gebe. „Wer nach Rostock muss, kann von hier auch gleich nach Berlin gehen.“

Umsatz in der Industrie sinkt

Die Industrie in MV ist im vergangenen Jahr im Rückwärtsgang gewesen – und das vor allem wegen gesunkener Exporte. Die Umsätze der Betriebe mit mindestens 20 Beschäftigten sind um 6,6 Prozent geschrumpft, wie das Statistische Landesamt gestern  in Schwerin mitteilte. Die Firmen verkauften Waren und Dienstleistungen für 14,9 Milliarden Euro. Dies seien 1,1 Milliarden Euro weniger als im Rekordjahr 2017 gewesen.

Grund für das Minus ist demnach vor allem der Rückgang der Exporte um 11,1 Prozent. Dabei sei vor allem der Maschinenbau mit einem Minus von 38,9 Prozent betroffen gewesen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen