MV-Werft in Stralsund : Probleme beim ersten Neubau für Genting

So soll das Expeditions-Kreuzfahrtschiff „Crystal Endeavor“ aussehen. Beim ersten Schiffsbau traten Fehler auf.

So soll das Expeditions-Kreuzfahrtschiff „Crystal Endeavor“ aussehen. Beim ersten Schiffsbau traten Fehler auf.

Wieder fürchten Werftarbeiter um ihre Arbeitsplätze: Es geht um Tempo und Qualität.

svz.de von
23. Juni 2019, 20:00 Uhr

Auf der Stralsunder MV-Werft gibt es offenbar ernsthafte Probleme beim ersten Schiffsneubau nach der Übernahme durch die malaysische Genting-Gruppe. Beim Bau des ersten von zwei eisgängigen Expeditions-Kreuzfahrtschiffen der Klasse "Crystal Endeavor" sollen der Werft einem Bericht der "Ostsee-Zeitung" zufolge ähnliche Fehler unterlaufen sein wie einst beim Bau von zwei Scandlines-Fähren. Die Fähren waren zu schwer und besiegelten das Ende der P+S-Werften. Seit drei Jahren gehört die Werft zu Genting.

Verhandlungen zwischen Werft und Betriebsrat

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sagte der Zeitung, dass zwischen der Werft und dem Betriebsrat über Möglichkeiten verhandelt werde, wie der Abgabetermin des Schiffes im März 2020 noch zu halten sei, etwa durch eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit. Allerdings gibt es für das Schiff keine Landesbürgschaften, es wird für eine zu Genting gehörende Reederei gebaut. Dem Wirtschaftsministerium sind die Probleme offensichtlich erst am Freitag bekannt geworden.

Genting-Chef Colin Au soll ein Ultimatum gestellt haben, um den Zeitplan noch zu halten. Die MV-Werften müssen demnach ein Konzept zur Beschleunigung des Baufortschritts vorlegen. Das Schiff solle in spätestens sechs Wochen schwimmen, sonst könnte der Rohbau am Genting-Standort Bremerhaven weitergebaut werden.

Arbeitsplatzabbau befürchtet

Der Gesellschafter soll der Zeitung zufolge auch gedroht haben, auf der Werft in Stralsund nur noch Großsegmente der Schiffe zu bauen. Die Beschäftigte befürchten einen Arbeitsplatzabbau. Derzeit haben die MV-Werften in Stralsund rund 650 Mitarbeiter.

Werften-Sprecher Stefan Sprunk hatte den Konflikt am Freitag als "daily business" abgetan. Allerdings hatte er zeitliche Rückstände eingeräumt und zu einer möglichen Verlagerung des Rohbaus erklärt, dass grundsätzlich alle Standorte genutzt würden.

Die "Crystal Endeavor" wurde im August 2018 auf Kiel gelegt. Das 164 Meter lange Schiff für bis zu 200 Passagiere ist für Polargebiete und tropische Gewässer gleichermaßen geeignet.

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